Mailand – von schlichter Schönheit und italienischer Eleganz

Mailand

Ein weißer Dom, rosa Flamingos und alte Straßenbahnen, Camparis, Scala, Fußball und edler Stil – das ist Mailand.

Mailand ist sicher keine Stadt der romantischen Liebe. Sie ist die Stadt der Liebe auf den zweiten Blick. In Mailand herrscht nicht das große italienische Gefühl, Mailand ist nicht die hübscheste Stadt Italiens, aber vielleicht ist sie gerade deshalb so originell.

Wie seltsam fühlt es sich an, ausgerechnet in Mailand verliebt zu sein? Ein Mailänder gibt Antwort:
„Die Straße verfängt sich in deinen Haaren, das Scheinwerferlicht in deinen Augen, dein Herz schmeckt nach Asphalt und Autos die vorbeifahren – du bist meine Stadt, die mich daran erinnert, das ich einer unter vielen bin, die diesen Rausch verspüren, denn du bist meine Stadt!“

Mailand – Zwischen Stil, Charme und Leidenschaft

Castello Sforzesco, Mailand
Castello Sforzesco, Bild: Viacheslav Lopatin / shutterstock

Weniger berühmt als Rom oder Florenz, ist Mailand ein führendes Wirtschaftszentrum und eine zukunftsorientierte Stadt mit reicher Geschichte. Die Hauptstadt der Lombardei ist die zweitgrößte Stadt Italiens und eine der lebhaftesten und elegantesten Städte des Landes.

Ein Besuch lohnt schon wegen der imposanten Architektur der Galleria Vittorio Emanuele, der ältesten Einkaufspassage der Welt. Nicht weniger beeindruckt der Dom, ein Marmorbau von gigantischen Dimensionen mit einer Jahrhunderte währenden Baugeschichte. Von den Dachterrassen des Doms bieten sich herrliche Ausblicke.

Humorvoll und unberechenbar, ein wenig eigensinnig und exzentrisch, überheblich und manchmal anstrengend, so präsentiert sich Mailand. Die Stadt mit der höchsten Bevölkerungsdichte nach Neapel ist immer in Bewegung.

Im Quadrilatero della Moda, dem Viereck der Mode, herrscht die weltweit höchste Konzentration an teuren Designerboutiquen. Für die meisten Menschen entspricht dieser Schaufensterbummel eher einem Museumsbesuch. Bei allem, was sie tun, müssen die Mailänder gut aussehen – eine „bella Figur“machen. Das gilt besonders dort, wo der Bürgersteig zum Laufsteg avanciert. In Mailand ist Mode Kunst und ihr gesellschaftlicher Einfluss nicht zu unterschätzen. Mode und Eleganz wird in Mailand nicht nur bei den großen Designern zelebriert. Die Milanesi sind sehr stolz, wenn sie das Teil eines unbekannten Schneiders tragen, den sie für den absoluten Geheimtipp halten.

Zum Mittelpunkt der Stadt – in den Ringen der Stadtmauern

Mailand, Kathedrale
Die Kathedrale von Mailand, Bild: Viacheslav Lopatin / shutterstock

Es gibt keinen Fluss und keinen markanten Berg. Jedoch beruht die ausgesprochen zentralistische Struktur Mailands auf zwei Ringen. Cerchia dei Navigli ist der erste Ring. Umgeben von einem Kanal, befindet er sich in den mittelalterlichen Stadtmauern und beherbergt die meisten Sehenswürdigkeiten. Innerhalb des zweiten Ringes, der auf alten Stadtmauern spanischer Herkunft beruht, befinden sich weitere Sehenswürdigkeiten. Den Mittelpunkt bildet die historische Altstadt, dominiert vom beeindruckenden Dom.

Schritt für Schritt kommt man Mailand näher, auch mit einem verstohlenen Blick durch Magnolienhecken. Hier trifft man die rosa Schönheiten (Flamingos) im privaten Garten der Villa Invernizzi Fenicotteri.

Mailand ist für den Touristen keine einfache Stadt, sie bietet sich nicht an. Oft sieht man nur, was man weiß. Die Stadt zeigt sich eben erst auf den zweiten Blick. Dazu muss man nur eine Tür öffnen. Die Innenhöfe von Mailand sind zauberhaft. Sie zu betreten ist unbedingt zu empfehlen. Normalerweise definieren Plätze italienische Städte. Der Mailänder hingegen lebt in Innenhöfen. Die meisten sind öffentlich zugänglich, wie der sehenswerte Innenhof des Palazzo Camargno in lombardischer Renaissance.

Im Herzen von Mailand

Mailand, Lombardei
Bild: kavalenkava / shutterstock

Mit der Straßenbahn geht´s ins Zentrum von Mailand. Die Mailänder lieben ihre Tram, das älteste öffentliche Verkehrsmittel mit den unverwüstlichen Wagen, die seit 1928 im Einsatz sind. Bei einer ungefähren Reisegeschwindigkeit von 11 Stundenkilometern erreicht man die erste Station: das Teatro an der Skala. Zunächst schweifen die Blicke auf die Piazza della Scala.

Hier befindet sich das wahrscheinlich kurioseste Glücksritual der Stadt. Ihre Galeria Vittorio nennen die Mailänder „den Salon“. Die Kuppel der berühmten Einkaufspassage ist aus Stahl und Glas und fast so groß wie die des Petersdoms. Die Galeria war sozusagen die erste Shoppingmeile des 19. Jahrhunderts, benannt nach dem ersten König des vereinten Italiens. Schon bald richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Edelmosaikboden, genauer auf das Stadtwappen mit dem Stier. Dreht man sich nun mit der Ferse auf dem „besten Stück“ des Stiers, soll das laut einer Mailänder Botschaft den Menschen Glück bringen – in der Tat, ein kurioses Glücksritual. Den Touristen bereitet das Spaß, nur die Hoden des Stiers müssen regelmäßig restauriert werden.

Nach diesen Eindrücken darf man sich einen ersten, leckeren Aperitif gönnen. Am besten im Campari. Hier soll Gaspare Campari den roten bitteren Stoff zum ersten Mal ausgeschenkt haben. Es ist die wohl berühmteste Bar der Stadt.

Zum größten Berg von Mailand – Aufstieg zu den Domterrassen

Skyline Mailand
Die Skyline von Mailand, Bild: Viacheslav Lopatin / shutterstock

Die Metropole Oberitaliens vereint pulsierendes Leben mit glanzvollem historischem Ambiente. Mailand ist nicht nur die Stadt der Mode, der Kunst und des Designs, sie beeindruckt mit bedeutsamen Sakralbauten, schönen Kirchen und eindrucksvollen Sammlungen italienischer Malerei. Dabei ist der Dom das schönste Beispiel gotischer Baukunst und neben der Kathedrale von Sevilla der größte gotische Bau Europas.

In Milano, mitten in der Ebene, war der Dom Santa Maria Nascente jahrhundertelang die höchste Erhebung. In einem Erlass aus den 30er Jahren wurde geregelt, dass kein Gebäude höher sein durfte als die goldene Madonnenstatue, die Madonnina. Doch auch sie konnte den Bauboom der letzten Jahre nicht stoppen. Allein die Spitze des Torre Unicredit ist doppelt so hoch wie die Madonnina. Um sicher zu gehen, das sie nicht beleidigt war, hat man auf einigen der Wolkenkratzern Kopien von ihr aufgestellt.

Wer der drittgrößten Kirche der Christenheit aufs Dach steigt, genießt zugleich einen kleinen Spaziergang durch die Kunstgeschichte. Auch hier herrscht eine gewisse Bevölkerungsdichte. Die Madonnina wacht über ein steinernes Volk – über dreitausend Heilige und Märtyrer. Im Inneren des Doms steht Bartholomäus. Er trägt elegant wie einen Mantel seine eigene Haut über der Schulter. Das verleiht ihm, vermutlich die Ehre im majestätischen Innenraum zu stehen.

Mailänder lieben ihre Glücksrituale. Am Hauptportal ist es die Wade einer Geißlungsgruppe, die man berühren muss.

Der Platz vor dem Dom ist wie eine große Bühne. Hier ist man nie allein. Die Tauben sind allgegenwärtig. Von hier aus kann man nicht nur die Altstadt, sondern auch den wunderschönen bauplastischen Dekor des Gotteshauses bewundern.

Von Baumeistern und Künstlern

Mailand, Porta Sempione
Porta Sempione, Bild: easy camera / shutterstock

Das Teatro alla Scala wirkt nicht so imposant, wie man es aufgrund seines Weltruhms erwarten würde. Die Hits des 19. Jahrhunderts schrieb Giuseppe Verdi, Italiens meist geliebter Opernkomponist. Im Foyer begrüßt er, Seite an Seite mit seinen nicht minder berühmten Kollegen, die hereinströmenden Gäste. Der Blick auf die Bühne der einstigen Wirkungsstätte Toscaninis ruft Gänsehaut hervor. Hier begeisterten Enrico Caruso und Maria Callas.

Gegenüber der Scala steht ein nachdenklicher Mann auf seinem Sockel – Leonardo aus dem kleinen Dorf Vinci. Er bewarb sich in Mailand um eine Anstellung und dank seines vielfältigen Könnens bekam er sie auch. Eine seiner Wirkungsstätten war das Castello Sforzesco, das Mailänder Stadtschloss. Inspiration gab angeblich der Bau des Kremls.

Da Vinci entwickelte sich als Autodidakt zu einem der bedeutendsten Wissenschaftler und Forscher aller Zeiten. Ganz nebenbei erschuf er das berühmteste Wandgemälde überhaupt.

In der Kirche Santa Maria de Grazie kann man „Das Abendmahl“ nach vorheriger Anmeldung für 15 Minuten bestaunen.

Einen echten Großstadtdschungel bildet der Hochhauskomplex „Bosco Vertikale“, der senkrechte Wald. Mit über 900 Bäumen bieten die begrünten Hochhaustürme wichtige Lebensräume für Vögel und saubere Luft für die Bewohner. Die preisgekrönten Zwillingstürme sind ein Werk des Architekten Stefano Boeri.

Mailand und seine Kontraste sind sprichwörtlich. Eine besonder Szenerie unterstreicht diese Feststellung. Hinter den Wolkenkratzern, entlang der berühmten Szene-Meile Corso Como, verbirgt sich hinter dem Haus Nr. 10 ganz nach Mailander Art ein idyllischer Innenhof mit Gartencafé. Dieser zauberhafte Rückzugsort ergibt mit Restaurant, Galerie, Musikladen und Buchhandlung ein malerisches Gesamtkonzept.

Tipp: Im Süden der Stadt haben sich die Mailänder ebenfalls Raum zurückerobert. Seit 1993 gibt es an der Fondazione Prada, etwas außerhalb des Zentrums, eine außergewöhnliche Kunststiftung – ein Campus der Kunsträume.

Unweit lockt die besondere Location eines Amerikaners in Italien. Eingerichtet vom Kultregisseur Wes Anderson, zaubert das Café mit dem Interieur der 50er Jahre eine tolle Atmosphäre.

Sehenswert ist auch der Geisterhausturm der alten Ginfabrik, dessen Fassade mit Blattgold überzogen ist. Er strahlt ganz wunderbar, auch wenn die Sonne nicht scheint.

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