Ab 3.9. im Kino – 972 BREAKDOWNS – Auf dem Landweg nach New York

972 Breakdowns
Bild: Leavinghomeproduktion

Ein Film von leavinghomefunktion und Daniel von Rüdiger

Leaving-home-funktion ist ein Begriff aus der Autoindustrie. Das Aufleuchten der Scheinwerfer soll dem Fahrer im Dunkeln einen sicheren Weg von der Haustür zum eigenen Auto gewährleisten. Oder das sind wir fünf Künstler auf vier rostigen Motorrädern – bereit um endlich loszufahren! Was heute zählt, ist Sicherheit: Bloß kein unkalkulierbares Risiko eingehen! „Leaving-Home-Funktion“ bedeutet für uns aber das genaue Gegenteil: Das sichere Umfeld verlassen, rausgehen, ohne mehrfach abgesicherten Notfallplan, auf den Zufall die Erkenntnis folgen lassen und Vertrauen in das Unbekannte entwickeln.

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Der Inhalt
Im September 2014 starten wir, eine Gruppe junger Künstler in Halle/Saale auf eine Expedition Richtung Osten. Wir, Elisabeth, Efy, Kaupo, Anne, und Johannes, tauschten Haarbürste gegen Schraubenschlüssel, Haus gegen Zeltplane, Herd gegen Lagerfeuer. Auf 4 alten russischen Beiwagen-Motorrädern machten wir uns auf den Weg Richtung New York – stets auf der Suche nach dem Punkt, wo es nicht mehr weiter geht. Keiner von uns hatte bis vor kurzem Ahnung von Motorrädern. Nach dem Abschluss unseres Kunststudiums haben wir den Motorradführerschein gemacht und unsere Ateliers direkt in den Seitenwagen gepackt. So konnte die Fahrt in die große, weite Welt beginnen, um diese endlich mit eigenen Augen zu sehen. Verfolgt man unsere Reise auf der Karte, schlängelt sich die rote Linie der Reiseroute von Deutschland Richtung Balkan über Georgien nach Kasachstan weiter in die Mongolei und noch weiter bis in die entlegensten Winkel des fernen Ostens. Dort verlässt die rote Linie den Verlauf der Straße und folgt einem der größten Flüsse Russlands, dem Kolyma, nach Norden, durchquert baumlose Tundra bevor sie über die 80km breite Meerenge der Beringstrasse von Russland nach Alaska führt. Ab Alaska windet sich die Route für tausende Kilometer durch den nordamerikani-schen Kontinent, um schließlich in New York zu enden. Mit einer gehörigen Portion Naivität erkundeten wir, was es heißt endlose Wellblechpisten in der Mongolischen Steppe zu bewältigen, was es bedeutet, wenn in der Wildnis Kanadas kein Krankenhaus in der Nähe ist oder wenn im Norden Russlands Straßen überfluten und Brücken zur Rarität werden. Eine folgenschwere Entscheidung für eine Abkürzung brachte uns ans Ende der Kräfte und nur mit viel Glück und der Hilfe vieler Menschen gelang die Weiterfahrt.

972 Breakdowns Irgendwann hörten alle Strassen auf und Helme wurden gegen Schwimmwesten eingetauscht. Nach langem Tüfteln wurden die Motorräder umfunktioniert und waren in der Lage 1600 km auf dem Kolyma Fluss im fernen Osten Russlands bis in den arktischen Ozean zu schwimmen. Die klapprigen Beiwagen-Motorräder, gefertigt in der ehemaligen Sowjetunion, bestimmten den Takt unserer Reise. Die ständigen Pannen ließen das Vorhaben zunächst aussichtslos erscheinen. Das Scheitern als fast unausweichliches Resultat der eigenen Aktion zu akzeptieren, war die Herausforderung. Trotzdem Tag für Tag erneut aufzubrechen, um mit Erstaunen zu entdecken, dass gerade die Pannen es waren, die als Schlüssel zur Kontaktaufnahme dienten und unzählige Einblicke in Küchen, Wohnzimmer, aber vor allem in die Werkstätten der einheimischen Bevölkerung erlaubten.Nur Dank der Hilfe aller Leute, die wir unterwegs getroffen haben, konnten wir nach 43 000 Kilometern am 10.01.2017 um 15:04 ihr Ziel New York City erreichen.

Regie: Daniel von Rüdiger
110 Minuten (Deutsch, Englisch, Russisch mit dt. UT)
Kinostart: 3. September 2020