Verliebt in Porto – Das verworrene Gesamtkunstwerk

Porto

In Porto riecht es nach Weihrauch und Geld. In nahezu jedem Winkel spürt man die Herrschaft von Kirchenherren und Kaufleuten, während altansässige Patrizierfamilien den Ton angeben. Hier wurde Heinrich der Seefahrer geboren. In einem historischen Moment agierte er zum Regisseur der Weltgeschichte. Feudale Paläste sucht man jedoch vergeblich. Weder Schloss noch Burg hinterließ der König. Lediglich der Börsenpalast der Kaufleute gewährte Logis für die Besucher der Stadt. Porto ist keine Stadt auffälliger Einzelbauwerke, sondern ein verworrenes Gesamtkunstwerk in Portugal.

Porto – zwischen „angeschrappter“ Schönheit und Kreation

Porto, Duero
Der Duero fließt durch Porto, Bild: Sean Pavone / shutterstock

Porto, die heimliche Hauptstadt Portugals, wurde 2001 zur Kulturhauptstadt Europas gekürt. Gleichzeitig trat sie aus dem Schatten der konkurrierenden Schwesterstadt Lissabon. Traditionell ist das Verhältnis zwischen den beiden Städten unterkühlt – Porto war stets die „ewige Zweite“.

Wer Lissabon mag, kann Porto nicht lieben? Falsch: Der Seitensprung in Portugals Norden lohnt! Porto besitzt ihn ebenfalls – diesen außergewöhnlichen verfallenen Charme.

Die Lage direkt am Wasser gab der Stadt im Norden Portugals ihren Namen: Porto – auf portugiesisch Hafen – liegt am rechten Ufer des Douro, nur wenige Kilometer von der Flussmündung entfernt. Die alte Kaufmannsstadt ist in das enge Steilufer des Douro eingebaut. Zwischen Fluss und Felsengen eingezwängt, zeigt die Stadt ihren Besuchern zunächst die kalte Schulter. Die zweitgrößte Stadt Portugals zieht sich terrassenförmig an zwei Berghängen entlang. Mittelalterliche Gässchen führen hinunter zum Fluss. Über dem Fluss spannt sich der 1885 vollendete Ponte de Dom Luis I.

Wie Lissabon erhebt sich Porto am Ufer einer Flussmündung, liegt am Meer und beherbergt bezaubernde alte Häuser. Es gibt historische Trambahnen, gläserne Fahrstühle, gutes Essen, niedliche Cafés und eine lässige Szene. Die Aussichten sind nicht weniger grandios. Allein vom Ponte de Dom Luis I. ist der Ausblick spektakulär.

Warme Farben, kleine Gassen, schiefe Stufen und eine Geschichte, die sich in der Architektur wiederspiegelt, verleihen der Stadt ihren ganz besonderen Charme. Bei einem Bummel durch die mittelalterlichen Gassen der Altstadt fühlt man sich wie in einem anderen Jahrhundert. Besucher tauchen in eine alte Welt, die auch eine moderne Seite hat.

Ein Stadtbummel, lässig und entspannt – einfach Porto

Porto, Rathaus
Das Rathaus in Porto, Bild: saiko3p / shutterstock

Die Stadt Porto hetzt nicht – sie schlendert, wirkt gelassen und ruft zum gemächlichen Ankommen auf. Abschüssige verwinkelte Gassen führen vom Cais da Ribeira, dem idyllischen Flusshafen, hinauf in die abenteuerlich hoch gelegene Altstadt. Die Brücken über das Flusstal nach Vila Nova de Gaia, dem Sitz der Portweinkellereien, sind eine Attraktion.

Ein guter Startpunkt für einen Stadtbummel ist der Kirchturm Torre de Clérigos. Er ist der höchste Kirchturm Portugals und ein Wahrzeichen von Porto. Von der Spitze des Turms bietet sich eine herrliche Aussicht auf die Stadt. Indes balgen sich im Park des Palácio de Cristal die Pfauen mit den Möwen um hingeworfene Brotkrumen. Die Baumallee der beeindruckenden Parkanlage ist merkwürdig gewachsen und zieht immer wieder die Blicke auf sich. Gleich gegenüber steht eine kleine, rundum mit Kacheln verzierte Kirche – die Capela das Almas. Bergab geht es zur Praca da Liberdadem, dem Mittelpunkt der Stadt mit dem beeindruckenden Rathaus. Hinter dem Rathaus befindet sich ein kleines Juwel – die Kirche Igreja da Trindade mit einem atemberaubenden Altar.

Von hier führt der Weg über die Prachtstraße zum Markt Mercado do Bolhao.

Vorbei an edlen Boutiquen und Häusern im Jugendstil, streift man die wohl schönste Fassade der Stadt, die des Caperola do Bolhão, ein traditionelles Lebensmittelgeschäft aus dem Jahre 1917. Schon bald hebt sich ein blaues Kirchengebäude mit zwei mächtigen Türmen hervor: Igreja de Santo Ildefonso, erbaut zwischen 1709 bis 1739.

Nicht weniger beeindruckt das Teatro National São João auf der Praça da Batalha. Das klassische Gebäude beruht auf einem ursprünglichen Bau aus dem Jahre 1794.

Porto, Ribeira Platz
Der Ribeira-Platz in Porto, Bild: vidalgo / shutterstock

Von da aus geht es runter zum Bahnhof. Der Bahnhof São Bento gilt als einer der schönsten Bahnhöfe der Welt. Die Wände sind mit eindrucksvoller Kachelmalerei verziert mit Szenen aus der Geschichte der Stadt und des Landes. Das neue Konzerthaus „Casa da Música“ spiegelt hingegen das moderne Gesicht Portos wieder – entworfen und errichtet vom niederländischen Stararchitekten Kolhaas. Es geht wieder hinauf zur Kathedrale von Porto. Die ursprünglich romanische Wehrkirche aus dem 12./13. Jahrhundert weist heute zahlreiche Barockelemente auf.

Die Sakramentskapelle ist bemerkenswert. Von der Kathedrale ist es nicht weit zum oberen Teil der Brücke Ponte Luis I. Es bietet sich ein herrlicher Blick auf die Uferpromenaden flussabwärts. Zur linken Seite offerieren sich die Portweinkellereien und zur rechten Seite erhebt sich die reizende Altstadt mit ihren vielen kleinen Restaurants. Wieder runter geht es zum alten Börsenpalast und zur ursprünglichen Markthalle mit einem Kulturzentrum. Unterhalb der Brücke, an der Flusspromenade, laden viele traditionelle Restaurants zu einer Pause ein.

Zwischen Weinproben und Kaffeehauskultur

Seit mehr als 300 Jahren ist die Stadt berühmt für die nach ihr benannten Portweine. Jahrelang lagern die köstlichen Tropfen in Holzfässern und entwickeln ihren typisch fruchtig-süßen Geschmack. Urige Portweinkellereien laden zum Verkosten ein.

Ein prachtvoller Buchladen sprengt alle Vorstellungen von einer Bibliothek. Die“ Kathedrale der Bücher“ verbirgt sich hinter einer neogotischen, schmalen Fassade und ist eine der touristischen Hauptattraktionen Portos. Einen besonderen Blickfang bildet die opulente, geschwungene Treppe mit roten Stufen, die zur oberen Etage führt. Die Schriftstellerin Joanne K. Rowling ließ sich hier einst inspirieren – so entstanden die schwingenden Treppen von „Hogwarts“ Zauberinternat.

Porto hat zudem eine lange Kaffeehaustradition. Das Majestic ist das berühmteste Café der Stadt. Es wurde originaltreu restauriert. Heute erstrahlt es im alten/neuen Antlitz mit dem Interieur des Jahres 1921.

Grandiose Aussichten in Porto

Porto Douro
Bild: ESB Professional / shutterstock

Vom Ufer des Douro betrachtet, hat Porto den Charme eines verträumten Urlaubsortes. Und doch ist die bezaubernde Stadt eine lebendige Metropole. Gaukler zeigen Kunststücke, Musiker trommeln und Touristen aus aller Welt drängeln sich am Douro-Kai. Eine Bootsrundfahrt auf dem Douro rundet den Aufenthalt in Porto ab. In einer hinreißenden Hafenkulisse ist die Betrachtung Portos vom Wasser aus ein wahrer Genuss. Über allem spannt sich die gigantische Brückenkonstruktion.

Im Rauschen der Brandung, umgeben vom Geruch des Meerwassers: Ein Abendspaziergang entlang des Flussufers der Mündung und der langen Promenade entlang des Atlantiks gewährt einen schönen Abschluss dieser wundervollen Städtereise. Übrigens: Bei Anbruch der Dunkelheit ist der Blick von der Brücke Ponte de Luis I. atemberaubend.

Zu guter Letzt bleibt die wunderbare Erkenntnis: Diese Stadt ist ein Gesamtkunstwerk, steckt voller Magie und erobert die Herzen im Sturm – man ist verliebt in Porto.

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