St. Anton am Arlberg
St. Anton am Arlberg, Bild: JackKPhoto / shutterstock

Sankt Anton – ein weißes Paradies mit einer großen Geschichte

Skifahrern aus der Neuen Welt kommt das Wort „Sankt Anton“ nur schwerlich über die Lippen. Und da dies offensichtlich unabänderlich ist, wurde der Name des beliebten Wintersportortes in den Alpen kurzerhand „amerikanisiert“. Wer aus den Vereinigten Staaten mit seinen Skiern oder den Snowboardern an den Arlberg reist, der spricht von „Stanton“, wenn er Sankt Anton meint. Die Einwohner des lebhaften Ortes an der Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Tirol und Vorarlberg nehmen das mit großer Gelassenheit zur Kenntnis, und für die große Zahl der Skilehrer ist „Stanton“ inzwischen eine Namensverfälschung, mit der es sich gut leben lässt. Schließlich lassen sich die zahlreichen Gäste aus den USA beim Trinkgeld nicht lumpen.

Die Erinnerung an den Pionier Hannes Schneider

Gleich vier Orte in dieser Region nehmen für sich in Anspruch, dass in ihren Mauern einst die Wiege des Wintersports stand. Die wird mit einem gewissen Hannes Schneider in Verbindung gebracht, der in den frühen zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die erste Skischule Österreichs gründete. In Lech sowie den Nachbarn Zürs und Sankt Christoph soll er seinen Schülern die ersten Stemmbogen beigebracht haben. Und dies zu einer Zeit, als noch der Telemark-Stil bei den Alpinisten hoch im Kurs stand. Wer heute in Sankt Anton auf Spurensuche geht, der trifft im Park vor dem Ski- und Heimatmuseum sogar auf ein Denkmal in Erinnerung an Hannes Schneider. Denn Sankt Anton beansprucht diesen Pionier für sich, weil er die dortige Skischule aus der Taufe hob und im frühen Alter von 17 Jahren in Sankt Anton bereits als Skilehrer angestellt war. Dass die amerikanischen Urlauber eine besondere Beziehung zu Hannes Schneider haben und sie zu „Stanton“ pflegen, ist wohl aus der Tatsache abzuleiten, dass dieser Skilehrer mit seiner Familie im Jahr 1939 in die USA auswanderte und dort den Rest seines Lebens verbrachte.

Einst waren die Menschen am Pass sehr arm

Unterwegs in St Anton
Unterwegs in St. Anton, Bild: Boris-B / shutterstock

Für die meisten Urlauber ist Sankt Anton so etwas wie das Synonym für unbeschwerte Tage und für die große Freiheit in einem weißen Paradies. Dort, wo Hannes Schneider einst in die Hocke ging und den weit gereisten Ausflüglern den rechten Schwung beim Gaudi auf Brettern beibrachte, ist der Wintersport zu Hause. Das Skigebiet rund um die Valluga, dem höchsten Berg der Region, zählt zu den größten in Österreich. Sankt Anton, der Hauptort im oberen Teil des Stanzertals, hat zwar sein ursprüngliches Gesicht verändert, doch er hat seinen ganz besonderen Charme bewahrt. Er gibt sich noch immer bodenständig, hat sich jedoch einer internationalen Gästeschar nicht nur in der kalten Jahreszeit geöffnet. Einst war Sankt Anton eine wichtige Station des stark frequentierten Passes am Hausberg Gampen. Die Menschen, die sich hier zu ihrer Heimat bekannten, waren traditionell arm, doch die bäuerlichen Strukturen in dieser hundert Kilometer von Innsbruck entlegenen Gemeinde änderten sich mit dem Startschuss zu einem internationalen Tourismus.

Die Freestyle-Begeisterung im „Stanton Park“

Ein erstes Hotel öffnete in Sankt Anton aber schon im Jahr 1895 seine Pforten. Es verfügte um die hundert Betten und rühmte sich schon damals einer zentral gesteuerten Heizung in allen Räumen. Heute nähert sich der Ort mit seiner ausgezeichneten Hotellerie der Millionen-Marke bei den jährlichen Übernachtungen. Im Jahr 2001 war Sankt Anton Austragungsplatz für die alpine Ski-Weltmeisterschaft, und Weltcup-Rennen finden dort in schöner Regelmäßigkeit statt. Wer sich für Freestyle beim Skifahren begeistern kann, den zieht es von der Bergstation Rendl in den sogenannten „Stanton-Park“ und er findet dort Rails und Boxen aller Schwierigkeitsstufen. Skifahrer am Arlberg schwärmen von den überdurchschnittlich langen Pisten und von der Schneesicherheit. Sie wird unter anderem durch die Installation von Schneekanonen garantiert. Mit der Seilbahn geht es hinauf zum 2.650 Meter hohen Gipfel der Valluga, und wer es sich zutraut und über das entsprechende Können verfügt, der kann von dort sogar nach Zürs und Lech abfahren.

Der Sport ist hier nicht saisonabhängig

Winter in Sankt Anton
Winterwelt Sankt Anton, Bild: Styve Reineck / shutterstock

Doch Sankt Anton ist mehr als allein der Spaß im Schnee. Dieser Ort ist ein Ganz-Jahres-Ziel mit gastfreundlichen Menschen und gemütlichen Gaststuben. Da ist aber auch die Pfarrkirche St. Anton, die unmittelbar vor der Schwelle vom 16. zum 17. Jahrhundert ihrer Bestimmung übergeben und gleich drei Heiligen geweiht wurde: der Jungfrau Maria, dem Franziskus und dem Antonius. Das zweite Gotteshaus in Sankt Anton präsentiert sich in einem barocken Gewandt, und ihr Turmhelm war über eine lange Epoche das Wahrzeichen des Ortes. Doch dann wurde er bei einem Brand vernichtet. Das Ski- und Heimatmuseum befindet sich in der sogenannten „Trier-Villa“ und vermittelt die Historie von Sankt Anton aus der Zeit des Mittelalters bis zur Neuzeit. Im Sommer wandern die Urlauber durch eine wunderbare Natur mit zahlreichen Seen, Almen, Wasserfällen und Mooren. Dass der Ort nicht nur im Zeichen des Wintersports ein lohnendes Ziel ist, wissen die Kenner der Szene. Denn der Sport ist dort nicht saisonabhängig. Hier finden der „Arlberg Giro“ und der „Bike Marathon“ statt. Und wer sich für Land und Leute interessiert, der sollte sich dort zum Almabtrieb einfinden oder auch zum Advents-Markt, der traditionell die „weiße Saison“ einläutet.