Norderney – die geadelte Perle vor der friesischen Küste

Norderney

Zwei Kilometer breit, 14 Kilometer lang, 6.200 Einwohner, 330.000 Touristen in jedem Jahr, 2.200 Strandkörbe! Das sind die nackten Zahlen der Nordsee-Insel Norderney. Doch dahinter verbirgt sich ein Eiland mit viel Charme und noch mehr Tradition. „Norder neye Oog“ – das war der ursprüngliche Name dieses Fleckens vor der friesischen Haustür. Was mit „Nordens neue Insel“ zu übersetzen ist. Wer Norderney als Urlauber ansteuert, der bedient sich in aller Regel einer Fähre ab Norddeich-Mole.

Es sei denn, man bevorzugt den Transfer mit einem der kleinen Flugzeuge, die auf Norderney-Airport stationiert sind. Und spätestens, wenn die Gäste dann den Wind spüren, der beständig über die weißen Dünen streicht, sind sie auf Norderney angekommen. Im ersten Nordsee-Heilbad Deutschlands.

Ein Teil des Weltnaturerbes der UNESCO

Leuchtturm Norderney
Der Leuchtturm auf Norderney, Bild: IndustryAndTravel

Diese Insel ist stolz darauf, ein Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer zu sein. Immerhin wurde diese Region von der UNESCO im Jahr 2009 geadelt und erhielt einen Eintrag in die Liste des Weltnaturerbe. Rund um Norderney breitet sich ein eindrucksvolles und einzigartiges Ökosystem aus – ein Garten der Nordsee, der unter einem besonders intensiven Schutz steht. „Das Meer ist keine Land – es ist das Erlebnis der Ewigkeit“. Mit diesen Worten charakterisierte der Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann einst die wundersame Welt des Wattenmeeres. Gezeiten, Wind und Wellen formen und erhalten die Landschaft, und Norderney hat sich der Verpflichtung, diese Artenvielfalt zu bewahren, schon vor langer Zeit gestellt.

Norderney – Die Sommerresidenz des Hochadels

Norderney ist seit jeher das Ziel der Prominenz und erhielt bereits im Jahr 1797 das Prädikat eines „Nordseeheilbades“. Für den königlich-hannoverschen Adel wurde die Insel schon in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts zur beliebten Sommerresidenz, und wer sich auf dem nahen norddeutschen Festland etwas Besonderes im Urlaub leisten wollte, der folgte den gekrönten Häuptern und den Industrie-Kapitänen und genoss für einige Zeit die würzige und belebende Luft dieser Insel sowie das Flair des ehemaligen Inseldorfs, auf dem sich die Einwohner in erster Linie mit dem Fischfang beschäftigten. An Bedeutung gewann Norderney mit dem Wiener Kongress von 1815, als Ostfriesland dem Königreich Hannover zugeschlagen wurde. Von da an veränderte sich so manches auf der Insel.

Norderney – Auf den Spuren prominenter Gäste

Literaten wie Theodor Fontane und Heinrich Heine, Politiker wie Gustav Stresemann und Otto von Bismarck gaben sich von nun an regelmäßig in den warmen Monaten des Sommers auf Norderney ein Stelldichein. Kaiser Wilhelm I. wurde an der Bismarckstraße sogar ein Denkmal gesetzt. Dazu schichtete man 75 Felsquader aus allen Teilen des damaligen Deutschen Reiches auf. Und wer heute durch den hübschen Ort mit seinen historischen Gebäuden bummelt, der erhält einen vagen Eindruck davon, warum die Prominenz vergangener Tage die Sommerfrische auf Norderney mit allen Sinnen genoss. Erhalten geblieben ist das Kurhaus aus dem Jahr 1836, wo sich heute eine Spielbank befindet. Und das „Königliche Logierhaus“ mit seiner klassizistischen Fassade, das mittlerweile zu einem Hotel umgebaut wurde.

Der mondäne Charakter ist noch immer präsent

Blick auf Norderney
Blick auf Norderney, Bild: flightpictures / shutterstock

Keine Frage: Norderney hebt sich ganz bewusst von den Insel-Nachbarn ab. Dort hegt man den noch immer präsenten mondänen Charakter. Während anderswo ein striktes Fahrverbot für Autos erlassen wurde und hier und da sogar Fahrräder verpönt sind, akzeptiert Norderney auf den Straßen und Wegen seiner 26 Quadratkilometer zwischen Mai und September den Autoverkehr. Allerdings besteht im Umfeld des Schutzgebiets im Grohdepolder – östlich des Leuchtturms – ein absolutes Verbot für Fahrzeuge. Diese Region ist ebenso wie der Südstrandpolder ein Eldorado für Ornithologen. Gezählt wurden 95 verschiedene Vogelarten – von der Uferschnepfe bis zur Sumpfohreule. Seehunde und Kegelrobben sind die Bewohner des Meeres und auf den Sandbänken zu beobachten, wenn sie sich dort von den Strahlen der Sonne verwöhnen lassen.

Mit der Bimmelbahn zur alten Mühle

Bömmels Bimmelbahn ist noch immer ein Relikt aus einer alten Zeit. Sie chauffiert ihre Gäste vom Rosengarten bis zur Mühle und passiert dabei eine malerische Dünenlandschaft und den Yachthafen. Markantestes Bauwerk der Insel ist der Leuchtturm mit seinen 54 Metern Höhe. Wer gut zu Fuß ist, steigt über 254 Stufen auf die Aussichtsplattform und erhält einen eindrucksvollen Rundumblick. Die Nachbarn Juist, Borkum, Langeoog und Spiekeroog sind ohne Fernglas zu erkennen.

Unter Denkmalschutz stehen auch die Windmühle und die steinerne Bake, die über Generationen den Seefahrern als Orientierungshilfe diente. Aus kaiserlicher Zeit stammen das Postamt und das Conservationshaus, wo das Informationszentrum untergebracht ist und das sich als kulturelles Zentrum der Insel versteht. Wanderungen durchs Wattenmeer sind nach wie vor ein Highlight der Gäste, die Jahr für Jahr auf Norderney ihr Urlaubsdomizil buchen. Eine Attraktion für Musik-Enthusiasten ist alljährlich die Veranstaltung „Summertime“, wo sich die Stars aus Pop, Rock und Klassik ein Stelldichein geben.

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