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Ruinen des Minoischen Palastes und Dorfes von Phaistos
Ruinen des Minoischen Palastes und Dorfes von Phaistos, Bild: LouieLea / shutterstock

Kreta-Geheimtipp: Der Palast von Phaistos

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Einst errichteten die Minoer an der kretischen Südküste den Palast von Phaistos (Festós). Die Palastanlage galt nach Knossos auf der Insel als das zweitwichtigste Machtzentrum. Es war Wohnsitz, Handelszentrum und Begegnungsstätte für kultische Zeremonien zugleich. Die Architektur lässt erahnen, dass die minoische Kultur außergewöhnlich hoch entwickelt war.

Der Palast von Phaistos – Reisetipp für Geschichtsfans

Mystische Orte, Museen, Klöster und Ruinen – Kreta hat viel Sehenswertes zu bieten. Zu den schönsten Sehenswürdigkeiten gehört neben dem Palast von Zakrós und dem Palast von Knossos auch der minoische Palast von Phaistos.

Der Palast von Phaistos ist eine der wichtigsten archäologischen Stätten Kretas und ein Muss für alle Geschichtsinteressierte. Für diese ist es ein unvergessliches Erlebnis, den großen Zentralhof, die große Treppe, die königlichen Gemächer und die unscheinbare Stelle, an der man den sagenhaften Diskos von Phaistos fand, zu besichtigen.

Der größte Vorteil für Reisende ist die relativ kurze Flugdauer nach Kreta. Mit einem Direktflug sind Urlauber aus Deutschland innerhalb von zwei bis drei Stunden auf der Insel (je nach Anbieter und Abflugort). Phaistos gilt als Geheimtipp für Kreta-Besucher. Der Ort ist weniger überlaufen als Knossos und bietet eine wunderschöne Umgebung.

Die Geschichte des minoischen Palastes von Phaistos

Es wird angenommen, dass der Höhenrücken und die Messara-Ebene bereits ab etwa 4000 v. Chr. besiedelt waren. Die ältesten Fundstücke aus der Region stammen aus der Zeit um 3000 v. Chr. König Minos selbst soll es gewesen sein, der einst die Siedlung gründete.

In der Altpalastzeit zwischen 1900 und 1700 v. Chr. blühte die minoische Kultur auf. Damit wurde auch in Phaistos in der Zeit 1900 v. Chr. der erste Palast errichtet. Dieser war ebenso bedeutsam wie Knossos. Die Palastanlage befand sich auf einem Höhenrücken über der Messara-Ebene in der Nähe der Südküste und erstreckte sich über eine Fläche von 8.400 Quadratkilometern.

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Auf einem Nachbarhügel, etwa zwei Kilometer nordwestlich von Phaistos, stand eine weitere minoische Palastanlage. Weil die minoische Bezeichnung nicht bekannt war, wurde sie nach einer byzantinischen Kirche, der „Agia Triada“, benannt. Ein gepflasterter Pfad verband die beiden Paläste miteinander.

Um 1700 v. Chr. zerstörte ein Erdbeben die Palastanlage, die unmittelbar danach wiederaufgebaut wurde. Der Neubau wurde jedoch nie vollendet. Zur gleichen Zeit entstand im benachbarten Ort Agia Triada ein neuer Palast, der besser ausgestattet war. Deshalb nehmen Historiker an, dass sich Agia Triada als neues Machtzentrum etablierte, während Phaistos weiterhin als wirtschaftliches und kultisches Zentrum bestehen blieb.

Ausgrabungsarbeiten in Phaistos ab 1900

Kreta
Kreta ist mit seiner traumhaften Landschaft für viele Menschen ein Traumziel, Bild: arturasker / shutterstock

Im Jahr 1900 begann die Italienische Archäologische Schule unter der Leitung von Luigi Pernier und Professor Frederico Halbherr mit den ersten Ausgrabungsarbeiten im Gebiet um Phaistos. Um Teile des vorigen und neuen Palastes von Phaistos freilegen zu können, mussten die Archäologen Überbauungen, die in späteren Epochen darüber errichtet wurden, abreißen. Die meisten der vorhandenen Gebäudereste gehörten zur neuen Palastanlage. Mit dem Gebäude des oberen Hofes und dem griechischen Rhea-Tempel blieben einige der Gebäude aus der nachminoischen Zeit erhalten.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges führte Doro Levi die Ausgrabungsarbeiten fort. Er konzentrierte sich in erster Linie auf den alten Palast von Phaistos und verschiedene Stadtbereiche. Später wurden die Arbeiten auf die Umgebung des Hügels, auf dem der Palast thronte, und die Häuser ausgeweitet, die an dessen Abhängen nach der Zerstörung der Palastanlage errichtet wurden.

Anders als in Knossos haben in Phaistos bisher nur Konservierungsarbeiten stattgefunden, jedoch keine Restaurierungen. Bis heute dauern die Ausgrabungen an, während der Palastbereich für Besucher geöffnet wurde. Die frühere Unterkunft der Archäologen, die sich oberhalb der Palastanlage befindet, hat man zu einem Touristenpavillon umfunktioniert.

Der Diskos von Phaistos

Ein besonderer Fund aus dem Jahr 1908 war eine gebrannte Tonscheibe – der Diskos von Phaistos. Die Tonscheibe hat einen Durchmesser von 16 Zentimetern, ist zwei Zentimeter dick und weist auf beiden Seiten spiralförmig angeordnete Bildzeichen auf.

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Zur Bedeutung der Zeichen auf der Tonscheibe ranken sich die wildesten Theorien. Zahlreiche Historiker versuchten bereits, das Geheimnis der Scheibe zu lösen. Die einen vermuteten eine Hieroglyphensammlung, die anderen meinten, eine Buchstaben- oder Silbensprache zu erkennen. Wiederum andere dachten an einen Jahrtausendkalender oder eine astronomische Karte. Manche interpretierten sogar eine Anleitung zum Liebesspiel hinein. Je nach Lösungsansatz sei der Inhalt in Minoisch, Urgriechisch, der früheren kleinasiatischen Generalsprache Luwisch oder einer „außerirdischen“ Sprache verfasst worden.

Obwohl die Tonscheibe in einem Berg aus Keramik und Schutt in einem Vorratsraum im alten Palast von Phaistos gefunden wurde, ist bis heute nicht klar, woher und aus welcher Zeit sie tatsächlich stammt. Pernier datierte seinen Fund auf 1700 v. Chr. Der Diskos von Phaistos kann heute neben vielen weiteren Fundstücken aus Phaistos im Archäologischen Museum in Iraklio (Heraklion) besichtigt werden.

Fazit: Phaistos ist der schönste der minoischen Paläste

Kreta ist die größte Insel Griechenlands und ein beliebtes Reiseziel. Die Mittelmeer-Insel bietet ihren Besuchern eine reizvolle Landschaft mit einer spezifischen Flora und Fauna. Vier Gebirgsketten durchziehen die Insel: das Dikti-Gebirge, das Ida-Gebirge, die weißen Berge (Lefka Ori) und das kleine Thripti-Gebirge. Das Klima ist sowohl im Sommer als auch im Winter moderat. Kreta ist bei Urlaubern nicht zuletzt wegen der rund 300 Sonnentage im Jahr so beliebt. Aber auch in Sachen Kultur hat die Insel einiges zu bieten.

Neben dem Palast von Knossos befindet sich eine weitere, besonders geschichtsträchtige Sehenswürdigkeit auf der Insel: der Palast von Phaistos, auch Phaestos oder Festós genannt. Er befindet sich im zentralen Süden Kretas am östlichen Ausläufer des Kastri-Hügels an der fruchtbaren Messara-Ebene. Mit seiner imposanten Konstruktion und fortschrittlichen architektonischen Komposition gilt Phaistos als der typischste und schönste aller minoischen Paläste. Die Ruinen der früheren minoischen Siedlung sind erhalten geblieben und können heute von geschichtsinteressierten Kreta-Besuchern ganzjährig besichtigt werden.