Die Lofoten – Sehnsuchtsziel mit Stille und Weite

Lofoten, Olenilsoya

Die Lofoten, das Archipel nördlich des Polarkreises, sind eine ebenso wilde wie stille Schönheit. Von der rund 160 Kilometer langen Inselkette Norwegens weiß man, dass die Sommer dort nur sehr kurz und die Winter sehr lang sind. Aber die Menschen, denen die Lofoten zur Heimat geworden sind, haben sich mit der Natur und ihrer herben Idylle längst arrangiert. Und in den Nächten der kalten Jahreszeit schauen sie noch immer gebannt zum Firmament, wenn dort das Polarlicht ein mystisches Himmelsfeuer entfacht. Die Lofoten zählen zu den Perlen des nördlichsten Landes des europäischen Kontinents. Mit spektakulären Landschaften, die sich erheben in einem Meer voller Wunder mit Orcas, Buckel- und Finnwalen.

Aberglaube in einer „Märchenwelt“

Von den Lofoten sagt man, dass in dieser Region im hohen Norden Eile so etwas wie ein Fremdwort sei. Gemächlich geht es zu zwischen den schroffen Felswänden, die den Stürmen des Atlantiks trotzen und wo die wildschäumenden Flüsse und Wasserfälle unter den Strahlen der Sonne wie Diamanten glänzen. So oder so ähnlich hat die norwegische Schauspielerin Liv Ullmann ihre Heimat gesehen. Und für den Polarforscher Fridjof Nansen waren die Lofoten eine „Märchenwelt“ oder auch ein „Land zum Träumen“. Zweifellos gilt das nicht nur für die Zeit, wenn die Sonne nach ihrem langen Winterschlaf auf die Lofoten zurück kehrt und für weniger als einen Monat nicht mehr am Himmel verschwindet. Einem norwegischen Aberglaube zufolge geht für jeden Einwohner der Inselgruppe immer dann ein Wunsch in Erfüllung, wenn er nach dem Winter zum ersten Mal die Sonne erblickt.

Lofoten – Inselhüpfen mit Tunneln und Brücken

Lofoten, Narvik
Blick auf Narvik, Bild: Michal Knitl / shutterstock

Wer von Narvik aus die Lofoten ansteuert, darf sich auf ein interessantes Inselhüpfen freuen. Denn die felsigen Erhebungen im Meer sind durch ein weit verzweigtes unterseeisches Tunnelsystem und dank vieler Brücken mühelos zu erreichen. Das gilt für die Vesteralen ebenso wie für die Lofoten. Um auf die Insel Austvagoya zu gelangen, bedient sich der Besucher einer Fähre. In Storvagan vermittelt das Lofot Aquarium intensive Einblicke zum Leben in den Tiefen des Meeres. Die Ausstellung „Koexistanz im Ozean“ sucht dabei intensiv nach Lösungen, wie die Fischindustrie und die Erdölgewinnung nebeneinander existieren können. Ein Anziehungspunkt für die Familien ist aber auch das Robbenbecken, wo die dort lebenden Seehunde zweimal täglich gefüttert werden.

Henningsvaer – „Venedig des Nordens“

Henningsvaer
Henningsvaer, Bild: Harvepino / shutterstock

Zu den interessantesten und größten Holzkirchen Norwegens zählt die Lofotenkathedrale von Vagan. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist mit ihrem heutigen Aussehen im neugotischen Stil einer jener Orte, an denen die Fischer um göttlichen Beistand bitten, wenn sie die Anker ihrer Schiffe lichten. Die faszinierende Magie des Nordens entfaltet sich auf den südlichen Schären der Lofoten – insbesondere im Fischerdorf Henningsvaer mit seinen historischen Seehäusern und den zahlreichen Fischerhütten. Der kleine Ort hat sich im Laufe der Jahre den Beinamen „Venedig des Nordens“ redlich verdient, und wer sich vom kleinen Hafenbecken dieser Idylle nähert, der bewegt sich fast immer auf wackeligen Bohlenstegen. Im Sommer trocknet hier der berühmte Dorsch als Stockfisch an hölzernen Gestellen.

Das Wikinger-Museum in Borg

In der Zeitspanne zwischen 500 und 1000 nach Christi Geburt war die Region um Borg auf Vestvagoya der Sitz einer Dynastie mächtiger Häuptlinge der Wikinger. Das einstige Haus der Herrscher wurde in einem Museum rekonstruiert. Wissenschaftler haben ermittelt, dass dort in der Blütezeit der Wikinger rund 1.800 Menschen in rund hundert Höfen lebten. Sie alle erfreuten sich offensichtlich nicht nur an der grandiosen Umgebung sondern vor allem an den klimatischen Bedingungen durch den warmen Golfstrom. Im Hafen des Museums ist auch der Nachbau des berühmten Gokstadschiffes aus dem 9. Jahrhundert zu besichtigen. Wer den Ort Borg besucht, der taucht ein in eine der interessantesten geschichtlichen Perioden der Lofoten.

Wenn hoch oben die Seeadler kreisen

Die Lofoten sind ein Paradies für Menschen, die gut zu Fuß sind und die ihre Eindrücke von dieser Inselgruppe als Wanderer in sich aufnehmen. Doch wer diese Region bereist, der wird auch als Angler beglückt, wenn hoch über den Köpfen die Seeadler kreisen und sich das „Petri Heil“ überraschend schnell an den fischreichen Gewässern einstellt. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Lofoten auch deshalb zu einem interessanten touristischen Anziehungspunkt entwickelt, weil sich selbst in den kleinsten Orten gute Pensionen oder auch Ferienwohnungen finden. Tradition und ein gemütlichen Ambiente pflegen hier ein angenehmes Nebeneinander. Dies ist ohne jeden Zweifel ein Sehnsuchtsziel im Nordmeer. Und dies nicht nur zur Sonnenwende in den Wochen des Sommers sondern auch dann, wenn sich zwischen den Zeiten bei den Urlaubern auf den Lofoten das Gefühl einstellt, endlich einmal so richtig durchatmen zu können. Dank der Weite, der Stille und der unfassbaren Größe dieser eindrucksvollen Landschaft.

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