Steile Berghänge, grüne Täler, schwarze Vulkanstrände und kleine Orte, die sich an die Küste schmiegen: Madeira ist landschaftlich außergewöhnlich abwechslungsreich. Die portugiesische Atlantikinsel lässt sich deshalb am besten erkunden, wenn man nicht nur in Funchal bleibt, sondern sich mehrere Tage Zeit für den Norden, Westen und das bergige Inselinnere nimmt.
Madeira gehört zu Portugal, liegt geografisch aber deutlich näher an der afrikanischen Küste als am portugiesischen Festland. Das ganzjährig vergleichsweise milde Klima hat der Insel gemeinsam mit ihrer üppigen Vegetation den Beinamen „Blumeninsel“ eingebracht.
Wer Madeira mit dem Mietwagen erkundet, erlebt auf relativ kurzen Strecken erstaunliche Unterschiede. Während an der Südküste die Sonne scheint, können wenige Kilometer weiter im Gebirge Wolken hängen. Hinter dem nächsten Tunnel öffnet sich dann möglicherweise wieder der Blick auf den tiefblauen Atlantik. Gerade diese schnellen Wechsel gehören zum Reiz der Insel.
Funchal – Madeiras lebendige Hauptstadt

Für die meisten Madeira-Reisenden beginnt der Urlaub in Funchal. Die Hauptstadt liegt an der Südküste und zieht sich vom Meer weit die Berghänge hinauf. Mit Abstand ist sie die größte Stadt der Insel und gleichzeitig der Ort mit dem umfangreichsten Angebot an Restaurants, Geschäften, Museen und Hotels.
Einen ersten Rundgang beginnt man am besten im Zentrum. Sehenswert sind die Kathedrale Sé, die Avenida Arriaga und die Uferpromenade. Östlich davon liegt die Zona Velha, die Altstadt rund um die Rua de Santa Maria. Viele Haustüren wurden hier von Künstlern gestaltet, Restaurants stellen am Abend ihre Tische in die schmalen Straßen.
Ein interessanter Stopp ist der Mercado dos Lavradores. Die historische Markthalle ist längst selbst eine Touristenattraktion. Verkauft werden Blumen, Gemüse und tropische Früchte. Bei exotischen Früchten sollte man allerdings durchaus auf die ausgezeichneten Preise achten – einige Stände richten ihr Angebot sehr deutlich auf Besucher aus.
Von der Altstadt fährt die Seilbahn hinauf nach Monte. Bereits während der Fahrt verändert sich die Perspektive auf Funchal: Häuser ziehen sich an den Hängen hinauf, dahinter liegt der Atlantik. In Monte befinden sich unter anderem der Monte Palace Tropical Garden und die Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte.
Wer möchte, fährt von dort mit einer weiteren Seilbahn zum Botanischen Garten. Der Jardim Botânico da Madeira wurde 1960 eröffnet und beherbergt auf rund acht Hektar eine umfangreiche Pflanzensammlung.
Eine ganz andere Sehenswürdigkeit ist das CR7 Museum. Es erinnert daran, dass Cristiano Ronaldo auf Madeira geboren wurde. Fußballfans finden dort Pokale und zahlreiche Erinnerungsstücke aus seiner Karriere.
Câmara de Lobos – Fischerboote und Poncha

Nur wenige Kilometer westlich von Funchal liegt Câmara de Lobos. Rund um die kleine Bucht liegen bunte Fischerboote, dahinter steigen die Häuser an den Hängen empor. Der Ort ist deutlich touristischer als früher, hat sich aber einen Teil seiner ursprünglichen Atmosphäre erhalten.
Bekannt wurde Câmara de Lobos auch durch Winston Churchill. Der ehemalige britische Premierminister verbrachte mehrfach Zeit auf Madeira und malte 1950 die Bucht des Fischerortes.
Câmara de Lobos gilt außerdem als einer der Orte, an denen man Poncha probieren kann. Das traditionelle Getränk wird klassisch aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitronensaft zubereitet. Inzwischen existieren zahlreiche Varianten mit unterschiedlichen Fruchtsäften.
Oberhalb der Stadt liegt mit Cabo Girão eines der bekanntesten Ausflugsziele Madeiras. Vom Aussichtspunkt mit gläserner Plattform blickt man über die steile Küste und den Atlantik.
Ponta do Sol – Sonnenseite Madeiras
Weiter westlich liegt Ponta do Sol. Der kleine Küstenort besitzt ein kompaktes historisches Zentrum und eine von hohen Berghängen eingerahmte Bucht.
Ponta do Sol ist kein Ort, für den man eine lange Sehenswürdigkeitenliste benötigt. Gerade darin liegt sein Reiz. Entlang der Uferpromenade befinden sich Restaurants und Cafés, während sich hinter dem Ort terrassenförmig angelegte Felder die Hänge hinaufziehen.
Der Name bedeutet übersetzt „Sonnenspitze“. Die Südwestküste gehört tatsächlich zu den sonnenreicheren Bereichen Madeiras. Dadurch eignet sich Ponta do Sol auch gut als Standort für Reisende, die eine ruhigere Alternative zu Funchal suchen.
Porto Moniz und seine natürlichen Meerwasserbecken

Ganz im Nordwesten liegt Porto Moniz. Bekannt ist der Ort vor allem für seine natürlichen Meerwasserbecken, die zwischen schwarzem Vulkangestein entstanden sind. Durch Öffnungen und über die Felsen gelangt immer wieder frisches Atlantikwasser in die Becken.
Gerade an warmen und ruhigen Tagen gehört ein Bad zu den besonderen Erlebnissen einer Madeira-Reise. Bei starkem Wellengang können die Bedingungen dagegen völlig anders aussehen. Absperrungen und Sicherheitshinweise vor Ort sollte man deshalb ernst nehmen.
Es gibt sowohl ausgebaute Schwimmbecken mit Infrastruktur als auch die ursprünglicher wirkenden Cachalote-Becken. Wer nicht baden möchte, kann von der Uferpromenade aus das Zusammenspiel von Brandung und schwarzem Lavagestein beobachten.
Porto Moniz eignet sich außerdem als Ausgangspunkt für Touren in den Nordwesten der Insel und auf die Hochebene Paul da Serra.
Seixal – schwarzer Strand vor grünen Bergen
Zwischen São Vicente und Porto Moniz liegt Seixal. Der Ort ist in den vergangenen Jahren vor allem durch seinen schwarzen Sandstrand bekannt geworden.
Die Praia do Porto do Seixal bietet eine Kulisse, die kaum zum klassischen Bild einer portugiesischen Badeinsel passt. Dunkler Vulkansand trifft auf den Atlantik, während unmittelbar dahinter steile grüne Berghänge aufragen. Bei tief hängenden Wolken wirkt die Landschaft beinahe dramatisch.
Seixal besitzt außerdem natürliche Badebecken. Wer die Nordküste entlangfährt, sollte für den Ort etwas Zeit einplanen und ihn nicht nur vom Aussichtspunkt oberhalb der Straße fotografieren.
Zum klassischen Badeurlaub eignet sich Madeira generell nur eingeschränkt. Gerade deshalb sind Orte wie Seixal interessant: Die Strände sind weniger wegen endloser Sandflächen als wegen ihrer Landschaft außergewöhnlich.
São Vicente – Madeira zeigt seine grüne Seite
São Vicente liegt in einem tief eingeschnittenen Tal an der Nordküste. Rund um den Ort steigen dicht bewachsene Berghänge auf, kleine Häuser verteilen sich bis weit hinauf in die Landschaft.
Im Zentrum steht die barocke Pfarrkirche Igreja de São Vicente. Viel Zeit braucht man für den Ortskern nicht. Interessanter ist die Lage: São Vicente eignet sich hervorragend als Zwischenstopp auf einer Tour durch den Norden und als Ausgangspunkt für Fahrten ins Inselinnere.
Besonders nach Regenfällen zeigt sich, weshalb Madeira als ausgesprochen grüne Insel gilt. Dann laufen an den steilen Berghängen zahlreiche kleine Wasserfälle hinab.
Santana und die berühmten strohgedeckten Häuser

Santana im Norden Madeiras ist vor allem für seine Casas Típicas bekannt. Die kleinen dreieckigen Häuser mit ihren steilen Strohdächern und farbenfrohen Fassaden gehören zu den bekanntesten Fotomotiven der Insel.
Die Bauweise hatte einen praktischen Hintergrund. Das steile Dach ließ Regen schnell ablaufen und bot gleichzeitig Schutz vor der Witterung. Einige der erhaltenen Häuser können heute besichtigt werden.
Man sollte Santana allerdings nicht auf diese Fotomotive reduzieren. Die gesamte Gemeinde liegt in einer ausgesprochen abwechslungsreichen Landschaft. Seit 2011 ist Santana UNESCO-Biosphärenreservat; das Schutzgebiet umfasst sowohl Land- als auch Meeresflächen.
Für Wanderer ist die Gegend besonders interessant. Einige der bekanntesten Wege Madeiras liegen im Norden und im angrenzenden Bergland. Vor einer Wanderung sollte man allerdings grundsätzlich prüfen, ob der jeweilige Weg geöffnet ist. Wetter, Steinschlag und Bauarbeiten können auf Madeira kurzfristig zu Sperrungen führen.
Curral das Freiras – Dorf im Talkessel
Kaum ein Ort verdeutlicht die zerklüftete Topografie Madeiras besser als Curral das Freiras. Das „Nonnental“ liegt tief im Inselinneren und ist nahezu vollständig von hohen Bergen umgeben.
Schon die Anfahrt ist eindrucksvoll. Noch spektakulärer ist der Blick vom Aussichtspunkt Eira do Serrado oberhalb des Ortes. Von dort schaut man tief hinunter auf das Dorf und die terrassierten Hänge.
Curral das Freiras ist für den Anbau von Kastanien bekannt. Auf Speisekarten und in kleinen Geschäften findet man deshalb Kastaniensuppe, Kuchen, Likör und weitere Produkte.
Wer ausschließlich an der Küste unterwegs ist, bekommt von Madeira nur einen Teil zu sehen. Ein Abstecher nach Curral das Freiras zeigt, wie abgeschieden manche Täler der Insel trotz der heute hervorragend ausgebauten Straßen lange Zeit waren.
Machico – hier begann die portugiesische Besiedlung

Machico besitzt für Madeira eine besondere historische Bedeutung. Hier gingen 1419 die portugiesischen Seefahrer João Gonçalves Zarco und Tristão Vaz Teixeira an Land. Das Gebiet gehörte anschließend zu den ersten besiedelten Teilen der Insel.
Spuren dieser Geschichte finden sich bis heute im Zentrum. Sehenswert sind die spätgotisch und manuelinisch geprägte Pfarrkirche, die Capela dos Milagres und das Forte de Nossa Senhora do Amparo.
Die heutige Capela dos Milagres steht an einem historisch besonders bedeutenden Platz: An dieser Stelle soll 1419 die erste Messe Madeiras gefeiert worden sein. Der ursprüngliche Kirchenbau wurde allerdings 1803 bei einer schweren Überschwemmung zerstört; die heutige Kapelle entstand anschließend an derselben Stelle.
Machico besitzt zudem etwas, das auf Madeira vergleichsweise selten ist: einen hellen Sandstrand. Der Sand der Praia de Machico wurde aufgeschüttet. Dadurch bietet die geschützte Bucht gerade Familien eine interessante Alternative zu den steinigen und schwarzen Stränden vieler anderer Küstenorte.
Porto da Cruz – zwischen Adlerfelsen und Zuckerrohr
An der Nordostküste liegt Porto da Cruz. Über dem kleinen Ort erhebt sich der markante Penha d’Águia, der Adlerfelsen, der die Landschaft zwischen Porto da Cruz und Faial prägt.
Die Gegend ist eng mit dem Zuckerrohranbau verbunden. In Porto da Cruz befindet sich noch eine historische Zuckerrohrfabrik, in der Rum hergestellt wird. Damit erinnert der Ort an einen Wirtschaftszweig, der für Madeira über Jahrhunderte von großer Bedeutung war.
Porto da Cruz ist außerdem bei Surfern bekannt. Durch seine Lage an der Nordküste unterscheidet sich das Meer hier deutlich von den geschützteren Bereichen rund um Funchal.
Welcher Ort auf Madeira eignet sich als Urlaubsort?
Welcher Standort am besten passt, hängt stark davon ab, wie man Madeira erleben möchte. Funchal bietet die größte Auswahl an Restaurants, Hotels und Unterhaltung und ist ideal für Reisende, die abends gerne zu Fuß unterwegs sind.
Câmara de Lobos und Ponta do Sol verbinden eine kleinere Ortsgröße mit einer guten Lage an der sonnigeren Südküste. Wer dagegen vor allem wandern und die grüne Nordseite kennenlernen möchte, kann über São Vicente oder Santana nachdenken.
Porto Moniz ist landschaftlich reizvoll, liegt für tägliche Ausflüge in den Osten allerdings relativ abgelegen. Bei einer Rundreise ist der Ort dagegen eine hervorragende Station für ein oder zwei Nächte.
Wie kommt man auf Madeira am besten von Ort zu Ort?
Wer möglichst viel von der Insel sehen möchte, ist mit einem Mietwagen besonders flexibel. Die Entfernungen sehen auf der Karte gering aus, durch Berge, Tunnel und kurvenreiche Nebenstraßen können Fahrten aber länger dauern als erwartet.
Das Straßennetz wurde in den vergangenen Jahrzehnten erheblich ausgebaut. Moderne Schnellstraßen und zahlreiche Tunnel verbinden heute Regionen, für die früher wesentlich längere Fahrzeiten nötig waren.
Trotzdem lohnt es sich, gelegentlich die Hauptstraßen zu verlassen. Einige der schönsten Ausblicke findet man auf älteren Küsten- und Bergstraßen. Dabei sollte man allerdings auf Sperrungen achten und nicht blind jedem Routenvorschlag des Navigationssystems folgen.
Auch ohne Mietwagen lässt sich Madeira bereisen. Busse verbinden Funchal mit vielen Orten der Insel, zusätzlich werden zahlreiche organisierte Tagesausflüge angeboten. Für abgelegenere Ausgangspunkte von Wanderungen ist die Planung ohne Auto allerdings aufwendiger.
Wie viele Tage braucht man für Madeira?
Für eine erste Madeira-Reise sollte man mindestens eine Woche einplanen. Damit lassen sich Funchal, die Nordküste, der Westen und einige Wanderungen miteinander kombinieren, ohne jeden Tag ausschließlich im Auto zu verbringen.
Zehn bis vierzehn Tage sind ideal, wenn neben den bekannten Sehenswürdigkeiten auch kleinere Orte, mehrere Wanderungen und ruhige Tage am Meer auf dem Programm stehen.
Madeira ist keine besonders große Insel. Gerade das verleitet dazu, zu viel in einzelne Tage zu packen. Dabei sind es häufig die ungeplanten Stopps an Aussichtspunkten, kleinen Küstenorten und Wanderwegen, die am Ende besonders in Erinnerung bleiben.
Die wichtigsten Fragen zu Madeiras Orten
Welches ist der schönste Ort auf Madeira?
Das hängt vom persönlichen Geschmack ab. Funchal bietet das meiste Stadtleben, Câmara de Lobos besitzt eine schöne Fischerbucht und Seixal beeindruckt mit schwarzem Strand und grünen Bergen. Für spektakuläre Landschaften sind außerdem Curral das Freiras und die Nordküste rund um São Vicente interessant.
Welcher Ort auf Madeira eignet sich für den ersten Urlaub?
Funchal und die südliche Umgebung sind für den ersten Aufenthalt besonders praktisch. Von hier lassen sich viele Teile der Insel gut erreichen und gleichzeitig gibt es am Abend eine große Auswahl an Restaurants und Bars.
Wo ist Madeira am sonnigsten?
Die Süd- und Südwestküste ist im Allgemeinen sonniger und trockener als der Norden. Orte wie Ponta do Sol und Calheta sind deshalb als Urlaubsstandorte beliebt. Durch die ausgeprägten Höhenunterschiede kann das Wetter auf Madeira allerdings innerhalb weniger Kilometer wechseln.
Wo gibt es auf Madeira Sandstrand?
Natürliche lange Sandstrände sind auf der Vulkaninsel selten. In Machico und Calheta gibt es aufgeschüttete helle Sandstrände. Seixal besitzt dagegen einen natürlichen schwarzen Sandstrand. Wer einen klassischen langen, goldfarbenen Sandstrand sucht, findet diesen auf der Nachbarinsel Porto Santo.
Kann man Madeira ohne Mietwagen erkunden?
Ja, insbesondere wenn man in Funchal wohnt. Viele Orte sind per Bus erreichbar und für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten werden organisierte Touren angeboten. Mit einem Mietwagen ist man bei Wanderungen und abgelegenen Aussichtspunkten jedoch deutlich flexibler.
Welche Orte sollte man auf Madeira unbedingt besuchen?
Für eine erste Reise sind Funchal, Câmara de Lobos, Porto Moniz, Santana und mindestens ein Ort an der Nordküste empfehlenswert. Dazu sollte man einen Ausflug ins bergige Inselinnere einplanen, beispielsweise nach Curral das Freiras.
Lohnt sich Porto Moniz?
Ja, insbesondere wegen der vulkanischen Meerwasserbecken und der Landschaft der Nordwestküste. Porto Moniz lässt sich als Tagesausflug besuchen, eignet sich aber auch als Übernachtungsstation bei einer Rundreise über Madeira.


