Donnerstag, August 13, 2020
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Kasachstan sieht seine Zukunft im Tourismus

Als 2006 die US-amerikanische Mockumentary „Borat – Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen“ des britischen Komikers und Schauspielers Sacha Noam Baron Cohen internationale Kinoerfolge feierte, drohte das kasachische Außenministerium zunächst mit einer Klage wegen der offensichtlichen, wenn auch klar erkennbar satirisch zugespitzten Herabwürdigung des mit über 2,7 Millionen km² Fläche weltweiten größten Binnenstaats.

Schnell erkannte die Regierung des mit nur 18,3 Millionen Einwohnern dünn besiedelten zentralasiatischen Landes jedoch das immense Werbepotenzial der Filmfigur für den eigenen Fremdenverkehr und nachdem sich die Zahl der von ausländischen Gästen beantragten Touristen-Visa nach dem Kinostart von „Borat“ in kürzester Zeit verzehnfacht hatte, bedankte man sich sogar bei dessen Darsteller für die unerwartete Hilfestellung.

Staatliche Zuwendungen sollen den Fremdenverkehr in Zukunft deutlich ausbauen

Scharyn-Nationalpark, Kasachstan
Der Scharyn-Nationalpark, Bild: Andrey Bocharov / shutterstock

In der Tat hat sich der Tourismus in den letzten beiden Jahrzehnten von einer Nische zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Kasachstan entwickelt. Kamen etwa im Jahr 2000 nicht einmal 1,5 Millionen Besucher in das Land, waren es 2012 bereits über 4,8 Millionen, 2016 zählte man schon gut 6,5 Millionen Gäste. 2014 wurde vom kasachischen Kabinett der sog. „Tourism Industry Development Plan 2020“ mit einem Investitionsvolumen von 4 Milliarden US-Dollar für den umfangreichen Ausbau der touristischen Infrastruktur und der Schaffung von ca. 300.000 neuen Arbeitsplätzen in der Branche verabschiedet. Im Zuge dessen wurden im selben Jahr auch die Visabestimmungen für die Einreise deutlich vereinfacht, so brauchen EU-Bürger und deutsche Staatsangehörige heute lediglich einen Reisepass, jedoch kein Visum mehr für ihren bis zu 30-tägigen Aufenthalt in Kasachstan.

Ein englischer Prinz hat einem alten sowjetischen Skiort zu neuem Ruhm verholfen

Shymbulak, Kasachstan
Der Wintersportort Shymbulak, Bild: remizovka / shutterstock

Experten und Kenner begrüßten diese Initiative der kasachischen Regierung einhellig als schon länger überfälligen Schritt in die richtige Richtung, um das sowohl landschaftlich als auch kulturell so interessante, vielseitige und reizvolle Land dem internationalen Publikum endlich ein wenig näher zu bringen. Eine gewisse Bekanntheit erlangte Kasachstan auch durch den Skiurlaub, den der Angehörige des englischen Königshauses Prince Harry dort im Winter 2014 mit seiner inzwischen ehemaligen Freundin Cressida Bonas verbrachte. Der traditionsreiche Wintersportort Shymbulak gut 25 Kilometer südlich der Stadt Almaty im äußersten Südosten des Landes war schon zu Zeiten der Zugehörigkeit zur UdSSR Austragungsort diverser Skiwettbewerbe und Trainingslager der Olympiamannschaft. Im Rahmen des oben erwähnten Tourismusplans soll Shymbulak in Zukunft verstärkt als Ziel für wohlhabende Winterurlauber aus Ländern wie China und Indien beworben werden.

Almaty – Die historische Stadt an der Seidenstraße

Dieses Vorhaben erscheint alleine schon aufgrund der Nähe zur altehrwürdigen, mit über 1,8 Millionen größten und ehemaligen kasachischen Hauptstadt Almaty recht sinnvoll. Das heutige, knapp 700 km² große Stadtgebiet war archäologischen Funden zufolge schon vor über 2.000 Jahren dauerhaft besiedelt. Almaty war durch seine geografische Lage an der legendären Seidenstraße bis zum 16. Jahrhundert auch in Europa bekannt, in der seit 1993 neu benannten „Stadt der Äpfel bzw. Apfelbäume“ befinden sich noch heute viele sehenswerte Bauwerke und Museen sowie Sakralbauten und Theater. Zu diesen gehören der 1983 erbaute 371 Meter hohe Fernsehturm auf dem 1.130 Meter hohen Hausberg Kök-Töbe, die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale von 1907 und die Nikolaus-Kathedrale von 1908. Gerne von Gästen der Stadt besucht werden auch das „Zentrale Staatliche Museum der Republik Kasachstan“ mit über 300.000 Exponaten, das 1979 gegründete „Staatliche Museum der Künste“ mit 22.000 Kunstgegenständen und das 2013 wieder eröffnete „Museum für Volksmusikinstrumente“ mit aktuell über 1.200 Instrumenten aus Kasachstan und rund 40 weiteren Ländern.

Für rasante Fahrten auf dem langen Fluss ist die riesige Felsschlucht wie gemacht

In der umliegenden, 224.000 km² großen Provinz Almaty gibt es für an Natur und Kultur interessierte Besucher Kasachstans ebenfalls viel zu sehen und entdecken. Im amtlichen Verwaltungssitz Taldyqorghan leben aktuell gut 145.000 Einwohner, hier werden vor allem das Heimatkundemuseum und das benachbarte Schansugurow-Museum häufig besichtigt. Die bis zu über 4.500 Jahre alten Felszeichnungen in Tamgaly gehören seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der kleine Grenzort Dostyk kann für Reisen nach China genutzt werden. Die bis zu über 3.000 Meter hohen Gebirge rund um die Stadt Talghar sind unter Wanderern populär. Architektonisch eher stark chinesisch als russisch oder kasachisch beeinflusst zeigt sich die von 1887 bis 1892 erbaute Moschee in der Stadt Scharkent. Als berühmtestes Naturdenkmal der Region Almaty gilt der knapp 90 Kilometer lange „Charyn Canyon“, der wegen seines Erscheinungsbilds häufig mit dem US-amerikanischen „Grand Canyon“ verglichen und in den letzten Jahren auch verstärkt für Wildwasserfahrten mit Schlauchbooten genutzt wird.

Wo sich der sagenumwobene Kriegsfürst Dschingis Khan sein Essen kochen ließ

Die in der Sonne rot leuchtende, raue und schroffe Felsenschlucht ist auch Teil des nach ihr benannten, gut 127.000 Hektar großen Nationalparks. Insgesamt gibt es in Kaschastan aktuell 13 Nationalparks, von denen sich die Gebiete Altyn-Emel, Dschongghar-Alatau, Ile-Alatau, Kolsai-Seen sowie Sairam-Ugam und Tarbaghatai gleichermaßen im Südwesten des Landes befinden. Im Norden liegen hingegen die Nationalparks Bajanaul, Bujratau und Burabai sowie Kökschetau und Qarqaraly, ganz im Osten der mit fast 644.000 Hektar Fläche landesweit größte Nationalpark Katon-Karagai. Bekannte Attraktionen im Altyn-Emel-Nationalpark sind die sog. roten und weißen Berge Aktau und Katutau sowie eine historische Kochstelle des mythisch verklären einstigen Mongolenführers Dschingis Khan. Im Nationalpark Bajanaul liegen drei in den Sommermonaten viel besuchte Seen, nördlich des Nationalparks Dschongghar-Alatau der als Vogelschutzgebiet ausgewiesene, 2.650 km² große Alakölsee. Im gut 112.000 Hektar großen Qarqaraly-Nationalpark im Zentrum Kasachstans sind die beiden Seen Baceen und Shaitankol bei den Einheimischen beliebte Ausflugsziele.

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