Heidelberg – Wo schon so mancher sein Herz verlor

Heidelberg

Fast alle Amerikaner auf einem Deutschlandbesuch setzen an die Spitze der Wunschliste zwei Ziele: Neuschwanenstein und Heidelberg. „Romantic Germany“ und die Stadt am Neckar – das ist in Übersee ein und dasselbe. Die Stadt Heidelberg ist der Inbegriff deutscher Romantik.

Wer beim Blick aus der Ebene die Kette der Odenwaldberge vor sich hat, erkennt schon von Weitem jene Lücke zwischen dem Heiligenberg und dem Königsstuhl. Wie wuchtige Eckpfeiler stehen die beide Berge an den Seiten – Wächter einer großen Landschaft. Hier verlässt der Neckar sein Tal. Beim Näherkommen verzaubert ein großartiger Auftakt und eine mitreißende Melodie: Heidelberg! Der Ruf der viel besungenen Stadt kommt nicht von ungefähr. Dem Charme „Alt Heidelbergs“ erliegt der Besucher auf Anhieb.

Stadt der Romantik mit der schönsten Ruine Deutschlands

Viele Städte gelten als romantisch, aber keine hat dieses Attribut so sehr verdient wie Heidelberg. Der Poet Friedrich Hölderlin war derart fasziniert von der alten Neckarstadt, dass er im Jahre 1800 eine Hymne an Heidelberg verfasste. Unzählige Gelehrte, Dichter und Musiker des 19. Jahrhunderts wurden vom Zauber der Stadt gebannt.

Heidelberg, Schloss
Das Heidelberger Schloss, Bild: anyaivanova / shutterstock

Dass die Heidelberger Altstadt einen Besuch wert ist, muss man sich nicht erst von den amerikanischen Touristen erzählen lassen. Goethe besuchte die Stadt nicht weniger als achtmal, Eichendorff ließ sich hier entscheidend inspirieren, Hölderlin widmete ihr eine Ode; aber auch Mark Twain, Victor Hugo, Gottfried Keller und viele berühmte Namen sind mit dieser Stadt verbunden. Tag und Nacht bewegt sich vom Karlstor durch die Hauptstraße Heidelbergs ein Strom von Touristen aus aller Welt. Hier steht das älteste Bürgerhaus der Stadt, das „Haus zum Ritter“, welches im Jahre 1592 alle Zerstörungen überstand. Wenige Schritte weiter offeriert sich die berühmte Heidelberger Universität, erbaut 1712/28, mit der prächtigen Aula im ersten Stock. Den Kerker im Hinterhaus beschmierten und verzierten einst Studenten mit martialischen Malereien. Ebenfalls sehenswert ist die Heiligenkirche aus dem Jahre 1400. Sie blieb bei der Stadtzerstörung teilweise erhalten. Ihr Glockenturm und das hohe gotische Kirchenschiff überragen die Häuser des Stadtkerns, der im Zweiten Weltkrieg völlig unzerstört blieb. Östlich der Kirche liegt das repräsentative Rathaus der Stadt (1701- 03). Schon bald erreicht man nach wenigen Schritten über den Fischmarkt die Alte Brücke mit zwei barocken Tortürmen.

Heidelberg will gesehen, auf Schusters Rappen studiert und über Wanderungen durch seine Gassen erlebt werden. Während einem Bummel durch die längste Fußgängerzone Europas schweifen die Blicke immer wieder durch die reizvollen Seitengassen hin zum Heidelberger Schloss.

Was wäre die Stadt Heidelberg ohne das Schloss?

Über den Dächern der Altstadt erhebt sich am Hang die ausgedehnte Schlossanlage, die Heidelbergs Stadtansicht so unverwechselbar macht. Die einstige Burg aus dem 12. Jahrhundert wurde nach 1356 zur Residenz umgebaut. Heidelbergs Geschichte ist eng mit der Geschichte der Herrscher auf dem Schloss verbunden. Von dort aus bestimmten die Kurfürsten und Pfalzgrafen über fünf Jahrhunderte die Geschicke des Landes. Sie prägten entscheidend das bauliche Gesicht der Stadt am Neckar. Seit den Zerstörungen 1689 und 1693 ist die Schlossanlage eine Ruine.
Der Schriftsteller Mark Twain erwähnte einst: „Um gut zu wirken muss eine Ruine den richtigen Standort haben. Dieser hier hätte nicht günstiger gelegen sein können.“ Das Schloss erhebt sich auf der Nordseite des Königsstuhls und thront über den pittoresken Häusern und Gassen der Heidelberger Altstadt. Neben einer bezaubernden Aussicht, lockt es mit historischen Anekdoten. Der Anblick zur Stadt, zum Rhein- und Neckartal erfährt von der großen Schlossterrasse einen Höhepunkt. Weit ragt die Terrasse in das Tal hinein. Dabei können die Ost- und Nordfront der Residenz gut übersehen werden. So auch die Alte Brücke und die Stadt mit ihren Kirchen.

Tipp: Seit 1926 laden die jährlich stattfindenden Schlossfestspiele zu unterschiedlichen Aufführungen ein.

Wiederbelebter Glanz alter Zeiten – die nostalgische Museumslandschaft Heidelbergs

Heidelberg, Alte Brücke
Die Alte Brücke (Karl-Theodor-Brücke) in Heidelberg, Bild: Sergey Dzyuba / shutterstock

Heidelberg ist nicht nur die Stadt der Dichter und Romantik, sondern bietet eine Vielzahl von Museen.
Zunächst verweilen die Besucher auf ihrer Museumstour noch am Schloss. Denn hier befinden sich im Friedrichsbau originalgetreue Wohnbereiche unterschiedlicher Jahrhunderte. Im Kaminzimmer als auch im grünen oder weißen Zimmer kann wertvolles Mobiliar aus der Vergangenheit bewundert werden. Eines der schönsten Museen ist das Deutsche-Apothekenmuseum im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses. Das Museum zeigt eine einzigartige pharmazeutische Sammlung aus mehreren Jahrhunderten. Die Sammlung wartet mit eindrucksvollen Exponaten auf, welche die ganze historische Bandbreite des Apothekenwesens in anschaulicher Weise darstellen. Ganz in der Nähe befindet sich das Carl Bosch Museum. Es präsentiert das Wirken des Chemikers und Nobelpreiträgers Carl Bosch.

In der heimeligen Altstadt liegen unzählige Museen dicht beieinander. Zu empfehlen ist ein Besuch im Museum für Sakrale Kunst und Liturgie. Es beherbergt Werke der kirchlichen Kunst des 17. – 19. Jahrhunderts. Viel Interessantes zur Geschichte der Universität, die im Jahre 1386 von Kurfürst Ruprecht I. gegründet wurde, bietet das Universitätsmuseum. Unweit davon präsentiert das Antikenmuseum eine der eindrucksvollsten archäologischen Universitätssammlungen Deutschlands. Nicht zuletzt erinnert das Kurpfälzische Museum an den ursprünglichen Sitz der kurpfälzischen Reichsfürsten. Es gewährt wunderbare Einblicke in die Geschichte, Kunst und Religion einer alten Region.

Als skurrilstes Museum Deutschlands präsentiert sich das Verpackungsmuseum Heidelberg. Zu sehen sind originelle und kreativ gestaltete Höhepunkte aus der mehr als 200-jährigen Verpackungskultur.

Unvergesslich: Heidelberg bei Nacht! Im matten Schein der Laternen findet die Stadt zu ihrem ursprünglichen Antlitz zurück. Alt-Heidelberg wirkt mittelalterlich und gotisch wie zu Zeiten seiner mächtigen Kurfürsten.

Das Atmosphärische der Stadt kann nur mit verliebten Augen und wachen Sinnen erfahren werden. Was bleibt, ist eine wertvolle Rückerinnerung. Wie Goethe einst huldigte: „Heidelberg wiederzusehen muss ganz wunderbar sein, nur daran zu denken bringt mich in einen ganz eigenen Zustand.“

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