Amman – auf den Spuren der Bibel und alter Wege der Karawanen

Amman, Jordanien
Blick auf die Hauptstadt Amman und den Herkulestempel, Bild: mbrand85 / shutterstock

Am Schnittpunkt historischer Karawanenwege liegt auf biblischem Boden eine der interessantesten Metropolen des Nahen Ostens: Amman. Jordaniens Hauptstadt blickt zurück auf eine lange Geschichte der Besiedelung. Rom wurde auf sieben Hügeln gebaut, doch Amman breitete sich im Laufe der Jahrhunderte immer weiter aus und umfasst heute sogar 19 Hügel. Die Stadt ist stolz auf ihre Historie, sie gibt sich arabisch und gleichzeitig aufgeklärt. Wer dort mit offenen Augen über die Boulevards bummelt, der spürt einen Hauch von Lebensfreude. Und dies in der unmittelbaren Nachbarschaft von Syrien, wo nun schon sehr lange ein Bürgerkrieg tobt und von Israel, mit dem sich Jordanien eine weithin befriedete Grenze teilt.

Graziöse Minarette im weißen Häusermeer

Amphittheater Amman
Das römische Amphittheater, Bild: Fabio Nodari / shutterstock

„Jebels“ nennen die Menschen in Amman ihre neunzehn Hügel, die von einem weißen Häusermeer überzogen sind und aus dem hier und da die graziösen Minarette der Moscheen emporragen. Hier regiert der jüngste Spross aus der Dynastie der Haschemiten, und nicht wenige Einwohner von Amman sind stolz auf ihr Könighaus und verstehen sich als Teil der herrschenden Familie. Architektonische Wunder sucht man in dieser Stadt vergeblich, denn ein Erdbeben zerstörte im Jahr 1927 zahlreiche geschichtlich bedeutende Zeugnisse des Altertums. Geblieben ist eine jahrzehntelange Auflage der Behörden: Alle Häuser müssen mit dem für Jordanien typischen Sandstein verkleidet sein. Inzwischen haben viele eindrucksvolle Villen die traditionellen Häuser aus Lehm verdrängt.

„Philadelphia“ – Stadt der „Brüderlichen Liebe“

Zweifellos ist der Hügel mit der Zitadelle das Herz der alten Stadt. Diese Festungen wurden im Laufe der Zeit immer wieder umgebaut, in Kriegen zerstört und dann erweitert. Ihre Wurzeln fand die Zitadelle bereits im 2. Jahrhundert nach Christi. Damals war Amman noch ein Teil des römischen Imperiums – hier waren Legionen stationiert und hier regierte der römische Stadthalter mit harter Hand. Sehr oft weckte dieser Teil als Fixpunkt der Handelsstraßen, die nach Ägypten, Syrien oder Mesopotamien führten, die Begierden der Nachbarn. Alexander der Große eroberte die Stadt, und sie war von Mazedoniern besetzt. Deren König gab Amman den Namen „Philadelphia„, was mit „Brüderliche Liebe“ zu übersetzen ist. Dort blühte der Handel, und die Stadt war Mittelpunkt des Kalifat.

Sammelbecken für Flüchtlinge aus der Nachbarschaft

Zwei Millionen Menschen leben heute in Amman. Dies war auch ein Sammelbecken von Flüchtlingen aus Palästina, dem Libanon, Irak und Syrien. Und so zählt die Hauptstadt Jordaniens nicht nur zu den ältesten sondern auch zu den am schnellsten wachsenden Metropolen weltweit. Wer die Geschichte Ammans verstehen will, der sollte sich intensiv mit der besagten Zitadelle auf dem Jebel el Qala’a beschäftigen, denn diese war gleichermaßen ein religiöses und ein militärisches Zentrum. Sehenswert ist dort unter anderem der Tempel des Herkules, den die Römer zwischen 162 und 166 nach Christi errichteten. Fotogen ist die „Steinerne Hand“, die einst Teil einer 17 Meter hohen Statue war. Eindrucksvoll ist aber auch der Ausblick auf das Römische Theater, das sich durch eine faszinierende Akkustik auszeichnet und noch immer für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird.

Die verwinkelten Gassen der Altstadt

König Abdullah Moschee, Amman
König Abdullah Moschee, Bild: kravka / shutterstock

Die König Hussein Bin Talal Moschee ist das größte islamische Gotteshaus des Landes. Auch sie wurde auf einem der zahlreichen Hügel Ammans errichtet, ist mit ihren majestätischen Minaretten unübersehbar und wurde mit goldenen Ornamenten, Böden aus edlem Marmor und wertvollen Teppichen ausgestattet. Die Staatsmoschee Jordaniens beherbergt auch ein Museum und eine Bibliothek mit historischen Zeugnissen. Die Kultur der arabischen Hemisphäre prägt das Bild dieser Stadt. Insbesondere das der Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und eindrucksvollen Gebäuden. Eine Visite des traditionellen Souk ist ein „Muss“ bei einem Aufenthalt in Amman. In den zahlreichen erstklassigen Restaurants wird die gesamte Palette der nahöstlichen Speisen den Gourmets aus aller Welt präsentiert. Die Altstadt versteht sich aber auch als Ort der Musik, des Tanzes und der Kunst.

Luxus in Al Sweifieh und der Duft der Gewürze

Wer sich Amman als Ziel einer Shopping-Tour ausgesucht hat, der wird womöglich Gefallen daran finden, im Basar mit den Händlern zu feilschen. Ein wenig abseits der belebten Rainbow Street, am höchsten Teil der Stadt, trifft der Besucher auf den sogenannten „Goldmarkt“, wo stets edle Schmuckstücke offeriert werden und wo die Preise günstiger sind als in Europa. Überrascht ist so mancher Tourist, wenn er durch das Viertel Al Sweifieh bummelt, denn dort trifft er auf Luxusartikel aller Art in Modeboutiquen und modernen Geschäften. Die Märkte der Stadt sind eine Art Kontrapunkt zum Glanz dieses vornehmen Viertels. Hier regiert der Duft der Gewürze, und auch dort gehört das Feilschen zwischen den Händlern und den Käufern zum Alltag. Man sollte sich nicht scheuen, sich den Gepflogenheiten anzuschließen. Allerdings gebietet es nach arabischer Sitte der Respekt, dass nur der handelt, der auch kaufen möchte.

Die blaue Kuppel der König-Abdullah-Moschee

Ein böhmisch-deutscher Architekt setzte sich in Amman ein Denkmal. Jan Cejka baute zwischen 1982 und 1989 die König-Abdullah-Moschee, die mit ihrer gigantischen blauen Kuppel zu einem Wahrzeichen der jordanischen Hauptstadt geworden ist. Allerdings ist der eindrucksvollste Blick auf die Moschee nur Männern vorbehalten. Sie sitzen dann mit ihren Wasserpfeifen an den Fenstern im Arab League Cafè und schauen hinab auf das lebhafte Treiben vor der Moschee. Judentum, Christentum und Islam – drei Religionen berufen sich auf das Alte Testament. Und hier, in Jordanien, haben die Überlieferungen ihren Ursprung. Auch in Amman sind die Spuren des Glaubens allgegenwärtig.

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