Der Mythos hinter dem Namen der Großen Antillen
Die Großen Antillen gehören zu den bekanntesten Inselregionen der Karibik. Der Ursprung ihres Namens führt jedoch weit zurück in eine Zeit, in der europäische Seefahrer große Teile des Atlantiks noch nicht kannten. Eine besondere Rolle spielt dabei die sagenumwobene Insel „Antilia“.
Antilia, auch als „Ilha das Sete Cidades“ – Insel der sieben Städte – bekannt, tauchte im 15. Jahrhundert auf europäischen Seekarten auf. Der Legende nach sollte sie irgendwo westlich der Iberischen Halbinsel im Atlantik liegen. Tatsächlich hat diese Phantominsel vermutlich nie existiert. Auf Karten wurde sie dennoch über Jahrzehnte hinweg eingezeichnet.
Nach der Entdeckung Amerikas verschwand Antilia nach und nach von den Seekarten. Ihr Name blieb jedoch erhalten und wurde schließlich auf die karibischen Inseln übertragen. Daraus entwickelte sich die heute gebräuchliche Bezeichnung „Antillen“.
Die Großen Antillen: das Herz der nördlichen Karibik
Als Christoph Kolumbus im Oktober 1492 die Bahamas erreichte und wenig später auch Hispaniola und Kuba ansteuerte, begann für die Karibik eine tiefgreifende historische Umwälzung. Die europäischen Entdeckungs- und Eroberungsfahrten veränderten die Region dauerhaft und führten zur spanischen Kolonisierung großer Teile der Inselwelt.
Heute werden die Antillen in Große und Kleine Antillen unterteilt. Zu den Großen Antillen zählen vor allem Kuba, Hispaniola, Jamaika und Puerto Rico. Je nach geografischer Definition werden auch die Cayman Islands und Navassa Island hinzugerechnet.
Die Inselgruppe vereint einige der abwechslungsreichsten Reiseziele der Karibik. Tropische Strände, Gebirge, Regenwälder, historische Kolonialstädte und eine außergewöhnliche kulturelle Vielfalt prägen die Region.
Kuba: die größte Insel der Großen Antillen

Mit einer Fläche von rund 110.000 km² ist Kuba die mit Abstand größte Insel der Großen Antillen. Kaum eine andere Karibikinsel verbindet Geschichte, Kultur, Landschaft und politische Entwicklung auf vergleichbare Weise.
Kuba stand mehrere Jahrhunderte unter spanischer Kolonialherrschaft. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg endete diese 1898. Die Republik Kuba entstand 1902, blieb in den folgenden Jahrzehnten jedoch stark vom Einfluss der USA geprägt. Mit der kubanischen Revolution von 1959 begann schließlich eine neue Epoche in der Geschichte des Landes.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion geriet Kuba Anfang der 1990er-Jahre in eine schwere Wirtschaftskrise. Der internationale Tourismus gewann in dieser Zeit erheblich an Bedeutung und entwickelte sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor.
Für Reisende bietet Kuba weit mehr als Badeurlaub. Die Hauptstadt Havanna begeistert mit ihrer historischen Altstadt, farbenfrohen Fassaden, amerikanischen Oldtimern und einer lebendigen Musikszene. Santiago de Cuba gilt als kulturelles Zentrum im Osten der Insel. Sehenswert sind außerdem Cienfuegos, Santa Clara und Trinidad. Letzteres zählt mit seinem historischen Zentrum und dem Valle de los Ingenios zum UNESCO-Welterbe.
Cayman Islands: Traumstrände, Tauchen und eine berühmte Legende
Die Cayman Islands bestehen aus Grand Cayman, Little Cayman und Cayman Brac. Die drei Inseln liegen südlich von Kuba und nordwestlich von Jamaika und sind heute ein britisches Überseegebiet.
Christoph Kolumbus sichtete die Inselgruppe 1503 während seiner vierten Reise nach Amerika und bezeichnete sie wegen der zahlreichen Meeresschildkröten zunächst als „Las Tortugas“. Der heutige Name entwickelte sich später aus einer Bezeichnung für die in der Region vorkommenden Kaimane beziehungsweise Krokodile.
Eng mit der Geschichte der Cayman Islands verbunden ist das sogenannte „Wreck of the Ten Sail“. Im Februar 1794 liefen zehn Schiffe eines britischen Konvois vor Grand Cayman auf ein Riff. Inselbewohner beteiligten sich an der Rettung zahlreicher Passagiere und Besatzungsmitglieder.
Einer bis heute erzählten Legende zufolge soll sich unter den Geretteten ein Mitglied der britischen Königsfamilie befunden haben. König Georg III. habe den Bewohnern daraufhin dauerhafte Steuerfreiheit gewährt. Historische Belege für einen solchen königlichen Erlass existieren allerdings nicht.
Heute sind die Cayman Islands sowohl als internationales Finanzzentrum als auch als exklusives Reiseziel bekannt. Besonders beliebt sind der Seven Mile Beach auf Grand Cayman, die Sandbank Stingray City sowie der Queen Elizabeth II Botanic Park. Taucher und Schnorchler finden rund um die Inseln zahlreiche Korallenriffe und geschützte Meeresgebiete.
Jamaika: Reggae, Blue Mountains und karibische Strände

Mit einer Fläche von knapp 11.000 km² ist Jamaika die drittgrößte Insel der Großen Antillen. Sie liegt südlich von Kuba und westlich von Hispaniola.
Landschaftlich ist Jamaika ausgesprochen abwechslungsreich. Das Inselinnere wird von Bergen und dicht bewachsenen Hochlandregionen geprägt. Im Osten erheben sich die Blue Mountains auf mehr als 2.200 Meter. Die Region ist weltweit für den hochwertigen Jamaica Blue Mountain Coffee bekannt.
An den Küsten erwarten Urlauber zahlreiche Strände und Ferienorte. Montego Bay zählt zu den wichtigsten touristischen Zentren der Insel. Weitere bekannte Ziele sind Negril, Ocho Rios und Port Antonio. Wasserfälle, tropische Vegetation und Flüsse machen auch das Inselinnere zu einem interessanten Ausflugsziel.
International ist Jamaika vor allem für seine Musik bekannt. Reggae entwickelte sich in den 1960er-Jahren auf der Insel und wurde nicht zuletzt durch Bob Marley weltweit populär. Eng mit der jamaikanischen Kultur verbunden ist außerdem die Rastafari-Bewegung, die in den 1930er-Jahren auf Jamaika entstand und Religion, Musik und gesellschaftliche Identität der Insel nachhaltig beeinflusst hat.
Navassa Island: eine unbewohnte Insel zwischen Haiti und Jamaika
Navassa Island unterscheidet sich deutlich von den klassischen Urlaubszielen der Großen Antillen. Die nur rund 5,4 km² große Insel liegt zwischen Haiti und Jamaika und ist unbewohnt.
Im 19. Jahrhundert wurde Navassa wegen ihrer Phosphatvorkommen wirtschaftlich interessant. Auf Grundlage des amerikanischen Guano Islands Act erhoben die Vereinigten Staaten 1857 Anspruch auf die Insel. Der Phosphatabbau wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingestellt.
Heute wird Navassa von den Vereinigten Staaten verwaltet, gleichzeitig erhebt Haiti Anspruch auf die Insel. Große Teile stehen unter Naturschutz. Der Zugang ist stark eingeschränkt, weshalb Navassa für den normalen Tourismus keine Rolle spielt.
Die abgelegene Insel besitzt jedoch eine bemerkenswerte Tier- und Pflanzenwelt. Gerade aufgrund ihrer Isolation konnten sich dort verschiedene seltene und teilweise endemische Arten erhalten.
Hispaniola: eine Insel, zwei Staaten

Mit einer Fläche von rund 76.000 km² ist Hispaniola nach Kuba die zweitgrößte Insel der Großen Antillen. Heute teilen sich zwei Staaten die Insel: Haiti im Westen und die Dominikanische Republik im Osten.
Vor der europäischen Kolonisierung lebten auf Hispaniola indigene Bevölkerungsgruppen, insbesondere Taíno. Mit der Ankunft der Spanier ab 1492 begann eine dramatische Veränderung der Insel. Krankheiten, Gewalt und Zwangsarbeit führten innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem massiven Rückgang der indigenen Bevölkerung.
In den folgenden Jahrhunderten wurde Hispaniola zum Schauplatz kolonialer Auseinandersetzungen zwischen Spanien und Frankreich. Der westliche Teil entwickelte sich zur französischen Kolonie Saint-Domingue. Aus ihr entstand nach einer erfolgreichen Revolution 1804 der unabhängige Staat Haiti. Seit 1844 bestehen mit Haiti und der Dominikanischen Republik zwei unabhängige Staaten auf Hispaniola.
Touristisch haben sich beide Teile der Insel sehr unterschiedlich entwickelt. Die Dominikanische Republik gehört heute zu den bekanntesten Urlaubszielen der Karibik. Besonders beliebt sind Punta Cana und Bávaro im Osten, Puerto Plata im Norden sowie Samaná und Las Terrenas auf der gleichnamigen Halbinsel. Auch Bayahibe, Cabarete und die historische Hauptstadt Santo Domingo sind attraktive Reiseziele.
Haiti verfügt ebenfalls über eindrucksvolle Landschaften, historische Stätten und Strände, spielt im internationalen Tourismus jedoch eine wesentlich geringere Rolle.
Puerto Rico: karibische Kultur trifft auf amerikanische Einflüsse

Puerto Rico liegt im Osten der Großen Antillen und verbindet karibische, spanische und US-amerikanische Einflüsse. Auf der Hauptinsel und den kleineren vorgelagerten Inseln leben rund 3,2 Millionen Menschen.
Puerto Rico war mehr als vier Jahrhunderte spanische Kolonie und kam 1898 infolge des Spanisch-Amerikanischen Krieges unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten. Seit 1917 besitzen in Puerto Rico geborene Menschen grundsätzlich die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Die Insel ist jedoch kein US-Bundesstaat, sondern ein nicht inkorporiertes Außengebiet der Vereinigten Staaten.
Amtliche Währung ist der US-Dollar. Spanisch dominiert den Alltag und prägt gemeinsam mit englischen und karibischen Einflüssen die Kultur.
Für Urlauber bietet Puerto Rico eine interessante Mischung aus Stränden, historischen Städten und tropischer Natur. Zu den bekanntesten Küstenabschnitten zählen Flamenco Beach auf Culebra, Crash Boat Beach bei Aguadilla sowie die Strände rund um Rincón und Condado.
Ein Höhepunkt jeder Reise ist die Hauptstadt San Juan. Die historische Altstadt Viejo San Juan mit ihren farbenfrohen Häusern, engen Gassen und mächtigen Festungsanlagen gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Karibik.
Im Inselinneren und abseits der Städte zeigt Puerto Rico eine ganz andere Seite. Sehenswert sind unter anderem das weitläufige Höhlensystem des Río Camuy sowie El Yunque im Nordosten. Der tropische Regenwald mit Wasserfällen, Wanderwegen und üppiger Vegetation zählt zu den eindrucksvollsten Naturlandschaften der Insel.
Welche Insel der Großen Antillen eignet sich für welchen Urlaub?
Die Großen Antillen sind so vielseitig, dass sich die einzelnen Inseln für ganz unterschiedliche Reisearten eignen. Kuba verbindet historische Städte, Kultur und Strände, während Jamaika besonders für seine Musik, seine Berglandschaften und seine Badeorte bekannt ist. Die Dominikanische Republik bietet eine große Auswahl an klassischen Strand- und Resorturlauben.
Puerto Rico eignet sich gut für Reisende, die einen Karibikurlaub mit einer guten touristischen Infrastruktur, Naturerlebnissen und historischen Sehenswürdigkeiten verbinden möchten. Die Cayman Islands sprechen insbesondere Badeurlauber, Taucher und Schnorchler an.
Gerade diese Unterschiede machen die Großen Antillen zu einer der abwechslungsreichsten Regionen der Karibik: Nur wenige Flugstunden voneinander entfernt warten Inseln mit ganz eigener Geschichte, Kultur, Landschaft und Atmosphäre.
Häufige Fragen zu den Großen Antillen
Welche Inseln gehören zu den Großen Antillen?
Zu den Großen Antillen gehören vor allem Kuba, Hispaniola mit Haiti und der Dominikanischen Republik, Jamaika und Puerto Rico. Je nach geografischer Definition werden auch die Cayman Islands und Navassa Island zur Inselgruppe gezählt.
Was ist die größte Insel der Großen Antillen?
Kuba ist mit einer Fläche von rund 110.000 km² die größte Insel der Großen Antillen und zugleich die größte Insel der gesamten Karibik. Danach folgt Hispaniola mit rund 76.000 km².
Was ist der Unterschied zwischen den Großen und Kleinen Antillen?
Die Großen Antillen liegen überwiegend im nördlichen und westlichen Teil der Karibik und umfassen die großen Inseln Kuba, Hispaniola, Jamaika und Puerto Rico. Die Kleinen Antillen bilden dagegen einen langen Inselbogen im Osten der Karibik. Zu ihnen gehören unter anderem Guadeloupe, Martinique, Barbados, Grenada und St. Lucia.
Welche Insel der Großen Antillen eignet sich am besten für Urlaub?
Das hängt von der gewünschten Reiseart ab. Kuba verbindet Kultur, historische Städte und Strände. Jamaika ist für Reggae, tropische Landschaften und Badeorte bekannt. Die Dominikanische Republik bietet zahlreiche Strände und Resorts, während Puerto Rico Natur, Kultur und eine gut ausgebaute touristische Infrastruktur verbindet. Die Cayman Islands sind besonders bei Tauchern und Schnorchlern beliebt.
Wann ist die beste Reisezeit für die Großen Antillen?
Für viele Reiseziele der Großen Antillen gelten die trockeneren Monate von Dezember bis April als besonders angenehm. Zwischen Juni und November liegt die atlantische Hurrikansaison. Das bedeutet nicht, dass Reisen in dieser Zeit grundsätzlich ungeeignet sind, allerdings können tropische Stürme und stärkere Niederschläge auftreten.
Woher kommt der Name Antillen?
Der Name wird häufig mit der sagenumwobenen Insel Antilia in Verbindung gebracht, die bereits vor der europäischen Entdeckung Amerikas auf verschiedenen Seekarten eingezeichnet war. Nachdem die Karibikinseln in Europa bekannt geworden waren, wurde die Bezeichnung in abgewandelter Form auf die Inselgruppe übertragen.


















