Mittwoch, November 25, 2020
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Erlebnisreiche Zeitreise entlang der Route 66

Eine Fahrt entlang der legendären Route 66 bietet Abenteuer, einen Hauch Nostalgie und jede Menge Fotomotive. Dieser geschichtsträchtigen Reise gelingt der Spagat zwischen Eindrücken unserer modernen geschäftigen Welt und der Zeit des Aufbruchs im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. „Go West!“ hiess es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für viele Farmer und Glücksritter. Die Route 66 war eine der ersten befestigten Querverbindungen, die sie dafür benutzen konnten. Mit Planwagen oder motorisiert gelangten sie vom Michigansee im Bundesstaat Illinois an die verheißungsvolle Westküste in Kalifornien.

Fast 4.000 km lang war die einspurige und kurvenreiche Strecke. Heute wird diese Originalroute „Mother Road“ genannt. Sie ist nicht vollständig zusammenhängend befahrbar, doch die Umfahrungen nehmen wir als Reisende gerne in Kauf. Der Schwer- und Berufsverkehr benutzt schon lange die geraderen, mehrspurigen Interstate Highways. Ein Glück für den Touristen! So lassen sich auf der „Mutter aller amerikanischen Straßen“ in Ruhe die Vielfältigkeit des Landes und die wechselhafte Geschichte seiner Einwohner entdecken.

Erhöhter Herzschlag am Startpunkt und variantenreiche Zeitplanung

USA, Chicago
Blick auf Chicagos Skyline, Bild: Rudy Balasko / shutterstock

Ein leicht beschleunigter Puls und viel Vorfreude stellen sich am Startpunkt ein. Das Schild mit der Inschrift „Begin Historic Route 66“ steht in Chicago inmitten von Hochhäusern auf der East Adams Street zwischen der Michigan und der Wabash Avenue. Das Schild hängt hoch oben, um nicht in die Hände von begeisterten Souvenirjägern zu fallen. Der genaue Startpunkt wurde innerhalb zweier Häuserblocks mehrmals verschoben, als vor Jahren in mehreren Straßen der Einbahnverkehr eingeführt wurde. Vor unserem Road Trip gibt es in Chicago schon allerhand zu sehen, sei es die luxuriöse Magnificent Mile, ein Blick von der Aussichtsplattform des John Hancock Wolkenkratzers oder eine Vorstellung in einem der zahlreichen Theater. Von der eigenen Hotelunterkunft oder von der Autovermietungsstelle fahren wir am Tag des Aufbruchs in Richtung Cicero und fädeln damit automatisch auf die Route 66 ein.

Die Dauer, der vom Reiseanbieter organisierten oder selbst geplanten Tour, kann stark variieren. Wer nur beschränkte Zeit und Mittel zur Verfügung hat, absolviert eine der interessanten Teilstrecken. Besonders beliebt ist der Weg von Seligman in Richtung Westen. Für die ganze Strecke von Chicago nach Los Angeles rechnet man ungefähr 10 Tage, abhängig von der Anzahl Abstecher und Pausen. Eine gute Idee ist, wenn sich zwei Fahrer abwechseln. Immerhin führt der Road Trip durch acht Bundesstaaten und die Straße schlängelt sich in New Mexico und Arizona bis auf die Höhe von über 2.000 Metern. Das Vorhaben ist also kein Pappenstiel. Für Chicago und Los Angeles, egal in welche Richtung die Strecke absolviert wird, sollte zusätzlich mindestens je ein voller Tag für Sehenswürdigkeiten und für die Akklimatisierung eingeplant werden.

Route 66 – Von Illinois ins Land des roten Mannes

Die pulsierende Metropolregion Chicagos in Richtung Südwesten verlassend, passieren wir mit dem Auto oder Motorrad die Stadt Cicero. Hierher verlegte Al Capone sein kriminelles Imperium, um den Polizeibehörden von Chicago zu entgehen. Capone ging gerne ins Casino in Joliet, diese Stadt durchqueren wir nach einstündiger Fahrt, von Chicago aus gerechnet. Die Route 66 verlässt nun dicht besiedeltes Gebiet. Die Zeit verrinnt langsamer, während Farmen, riesige Weizenfelder und idyllische Dörfer vorbeiziehen. Wir befinden uns in einer der fruchtbarsten Getreideanbauregionen und Viehzuchtgebiete der USA. In Springfield, der Hauptstadt von Illinois, gibt es viel über den Präsidenten Abraham Lincoln zu erfahren, sein ehemaliges Wohnhaus mit der Adresse „413 South Eighth Street“ kann besichtigt werden.

St. Louis, Route 66
St. Louis, Bild: Rudy Balasko / shutterstock

Die nächste Etappe führt über den breiten Mississippi nach St. Louis im Bundesstaat Missouri. Die Bevölkerung dieser Stadt besteht zur Hälfte aus Weißen und zur Hälfte aus Afroamerikanern. Sehenswert ist die flussnahe Gedenkstätte „Gateway Arch“ mit einem 192 Meter hohen begehbaren Torbogen und einem unterirdischen Besucherzentrum. Auf sanft ansteigenden Hügeln geht die Reise weiter in Richtung und durch Oklahoma, zu Deutsch: „Das Land des roten Mannes“. Hier beginnt das zwanglose Gleiten auf dem Asphalt mit wenig Gegenverkehr.

Wir sehen Wassertürme am Straßenrand, Steppenlandschaft, traumhafte Sonnenuntergänge und hören Country Songs im Radio, um nur einige der stimmungsvollen Eindrücke zu nennen. Nach der Begegnung mit dem restaurierten blauen Wal von Catoosa, einem Wahrzeichen des US-Highway 66, grüßt Oklahoma City. Auf dem Bricktown-Kanal werden Stadt-Rundfahrten mit Wassertaxis angeboten. Wer lieber das Rasante sucht, ist im Vergnügungspark Frontier City mit seinen schnellen Achterbahnen und abwechslungsreichen Liveshows am richtigen Platz.

In den Boden gerammte Cadillacs und Wüstenhochland

Das 58 Meter hohe „Groom Cross“ ist die erste Sehenswürdigkeit auf der trockenen Hochebene im Staate Texas. Steve Thomas hat das Kreuz als Kontrast zu den vielen erotischen Anzeigetafeln auf der Interstate aufgestellt. Etwas später erreichen wir einige Kilometer westlich von Amarillo nicht nur den geografischen Mittelpunkt der ursprünglichen Route 66, sondern auch die berühmte Cadillac Ranch, die schon in mehreren Musikvideos zu sehen war. Es handelt sich dabei um ein Feld mit zur Hälfte eingegrabenen Heckflossen-Modellen aus den 50er-Jahren. Die Künstlergruppe Ant Farm aus San Francisco wollte mit diesem Kunstwerk tiefgründige Botschaften über die Freiheiten, die das Automobil hervorbrachte, visualisieren. Der Besucher wird ermuntert, auf den mit Graffiti bemalten Cadillacs eigene Farbspuren zu hinterlassen.

Beim Ort Glenrio wird die Grenze zu New Mexico und zu einer neuen Zeitzone (Mountain Time) überschritten. Glenrio ist fast verlassen, der Ortschaft wurde mit dem Bau der Interstate seine wirtschaftliche Grundlage entzogen. Nach der Weiterfahrt erreichen wir die schnellwachsende, größte Stadt in New Mexico, Albuquerque. Sie wurde als spanische Kolonie im Wüstenhochland gegründet. Die Altstadt zieren noch einige historische Lehmgebäude. Weiter westlich kommt der Übergang zum Bundesstaat Arizona. Der 1949 errichtete Handelsposten Yellowhorse Indian Trading Post ist ein empfohlener Stopp, um nach originellen Souvenirs Ausschau zu halten.

Vom Hochgebirge hinunter in die Stadt der Engel

Route 66, Kalifornien
Die Route 66 in Kalifornien, Bild: AR Pictures / shutterstock

Wir erreichen Flagstaff. Dieser Wintersportort auf 2106 Metern nennt sich das „Tor zum Grand Canyon“. Die Umgebung wurde durch Vulkane geprägt. Ein Abstecher von hier zum nördlich gelegenen Grand Canyon National Park ist möglich. Die Distanz beträgt 120 km, plus Rückfahrt. Nähere Sehenswürdigkeiten sind der 15 km entfernte Walnut-Canyon und der Meteoritenkrater Barringer. Das nächste Ziel auf der Route gilt als Muss: der Ort Seligman. Die Ortschaft nennt sich selbst „Geburtsstätte der historischen Route 66“ und ist eine wahre Pilgerstädte für Fans. Der Friseur von Seligman, der erfolgreich gegen den Niedergang seines Ortes kämpfte, hat seinen Salon längst in einen florierenden Souvenirshop verwandelt.

Durch atemberaubende Landschaften, über den kurvenreichen Sitgreaves-Pass und vorbei an der alten Goldgräberstadt Oatman gelangen wir zum Colorado River und schließlich in den Bundesstaat Kalifornien. In Needles müssen wir unsere Uhren der Pazifischen Zeitzone anpassen. Der Flaschengarten in „Elmer Long’s Bottle Tree Ranch“ ist vielleicht die letzte persönliche, nicht überlaufende und historisch wirkende Sehenswürdigkeit, bevor uns langsam wieder die moderne und schnelllebige Welt mit den Fangarmen einer Millionenstadt umschließt. Die Route 66 endet technisch westlich von Los Angeles an den sonnigen Piers von Santa Monica, aber nicht bevor sie bei jedem Fahrer und Beifahrer einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

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