Absolute Ruhe im Ursprungstal Pfitschtal
Absolute Ruhe im Ursprungstal Pfitschtal, Bild: © Klaus Peterlin

Vielfalt in und um Sterzing

Mit der neuen 10er Gondel hinauf auf Sterzings Hausberg, dem Rosskopf

von Susanne Reuter

Die neue 10er Gondel am Rosskopf in Sterzing. In ca. 7 Minuten ist man am Gipfel.
Die neue 10er Gondel am Rosskopf in Sterzing. In ca. 7 Minuten ist man am Gipfel, Bild: © Martin Schaller

Das Ski- und Wandergebiet Rosskopf liegt nur wenige Minuten vom Zentrum der Sterzinger Innenstadt entfernt und bringt die Gäste seit der Wintersaison 2022-2023 mit einer neuen 10er Gondel von der Firma Leitner hinauf auf fast 2.200 Meter Höhe. Sie schafft den Höhenunterschied von knapp 900 m auf einer Länge von 2.549 Metern mit einer Geschwindigkeit von 6,0 m/sec in ca. 7 Minuten. Pro Stunde können bis zu 2.300 Personen befördert werden. Weiteres Plus: Sie ist barrierefrei. Skier, Snowboard, Schlitten und Kinderwagen können problemlos transportiert werden. In nur 10 Monaten Bauzeit wurde eine neue Talstation errichtet und eine neue Gondelbahn komplett neu installiert. Ende Januar 2023 wurde sie nun im feierlichen Rahmen eingeweiht.

Oben angekommen, kann der Gast im Winter zwischen Ski alpin mit ca. 20 Pistenkilometern mit Talabfahrt nach Sterzing, Winterwanderungen zu 7 verschiedenen Hütten oder einem weiteren, besonderen Vergnügen für Jung und etwas älter wählen: Mit 10 Kilometern befindet sich direkt bei der Bergstation die längste beschneite und beleuchtete Rodelbahn Italiens. 

  • Von Norden kommend Anreise über Brennerautobahn (A13, A22), Ausfahrt Sterzing oder bis dorthin mit dem Zug.
  • Alles rund um die Kleinstadt im Norden Südtirols: sterzing.com. Umfangreiches Material erhältlich bei der Touristeninformation, Stadtführungen buchbar.
  • Ski-, Freizeit- und Wandergebiet Rosskopf: rosskopf.com
  • Ein Muss in der Adventszeit: Weihnachtsmarkt in Sterzing: weihnachtsmarkt-sterzing.com

Der wirklich geniale Rodelspaß durch eine Waldlandschaft zieht sich über 900 Höhenmeter hinunter zur Talstation im Ort. Kurzentschlossene können sich den Schlitten an der Talstation ausleihen. Jeden Freitagabend ist Nachrodeln möglich.

Das Outdoorrevier Rosskopf punktet mit weiteren Attraktionen während der schneefreien Monate: Esel, Ziegen und Böcke, Berghasen, Lamas und Alpakas sind im ‚Rossy Park‘ zuhause und möchten bestaunt und gestreichelt werden. Während der Sommermonate kann man sich zudem zum ‚Lama-Trekking‘ anmelden.  Auf einer Länge von 1.300 Metern und mit einer Neigung von durchschnittlich 20 Prozent bis maximal 56 Prozent können auf der neuen Sommerrodelbahn flotte Geschwindigkeiten erreicht werden. Gestartet wird von der Bergstation des Panoramaliftes. Etwa 300 Höhenmeter bergab schlängelt sich das beliebte Familienvergnügen.

Kamen zur feierlichen Einweihung zusammen: Das Team rund um das Projekt Neubau der Talstation und Installation der neuen Bergbahn.
Kamen zur feierlichen Einweihung zusammen: Das Team rund um das Projekt Neubau der Talstation und Installation der neuen Bergbahn, Bild: © Susanne Reuter

Das ursprüngliche Pfitscher Tal

Wer es ganz still mag, zieht sich ins Pfitscher Tal zurück.  Winterwanderer, Schneeschuhgeher oder Langläufer wie ich finden im nahegelegenen Ursprungstal

(Val di Vizze) ideale Voraussetzungen. Das Hochtal auf knapp 1500 m Höhe ist in meinen Augen ein echter Geheimtipp. Kurz hinter St. Jakob liegt das Ende des Tals und damit ist die Region entsprechend wenig frequentiert. Ich empfinde die Stille hier als absoluten Luxus, außer dem gelegentlichen Läuten der Kirchturmuhr und dem Gleitgeräusch meiner Langlaufskier ist hier absolut nichts zur hören. In den Sommermonaten ist das Tal ein idealer Ausgangspunkt für leichte Wanderrouten bis anspruchsvolle Touren ins hochalpine Gelände. Und ganz neu: Der Klettersteig Ölberg bei Afens in Pfitsch erfreut die trittsicheren und schwindelfreien Kraxler mit einer ca. 550 m Kletterlänge. Die passende Ausrüstung kann im Hochseilgarten „Skytrek“ in Sterzing ausgeliehen werden. Ein unvergessliches Erlebnis für Geübte ist die Bergtour zum Hochfeiler auf 3510 Meter. Übrigens endet hier im Pfitschtal bzw. in Sterzing auch der beliebte Weitwanderweg ‚Alpenüberquerung‘, der am Tegernsee startet und durchs Zillertal führt. Auf dem Rückweg Richtung Sterzing entdecke ich den Graushof in Afens, eine kleine idyllisch gelegene Pension mit Gasthaus, deren traditionellen Südtiroler Köstlichkeiten und italienischen Spezialitäten begeistern.

Reich an Geschichte: Sterzing

Idyllisch: Der Weihnachtsmarkt in Sterzing
Idyllisch: Der Weihnachtsmarkt in Sterzing, Bild: © Alex Filz

Die meisten kennen die Alpinstadt auf 948 Metern wohl nur vom Vorbeifahren. Die Bergbahn, die auf den Rosskopf führt, kreuzt die Autobahn, kurz darauf folgt die Ausfahrt. Dabei ist Sterzing wirklich einen Besuch wert: Ausgestattet mit einem mittelalterlichen Handelsprivileg begann die malerische Fuggerstadt am Südhang der wichtigen Brennerroute ihren Aufstieg. Damals wählten viele Unternehmer die Stadt als Firmensitz. Ihre Häuser ließen sie im Patrizier-Stil gestalten oder gleich neu bauen. Mit den prächtigen Bürgerhäusern, malerischen Einkaufsstraßen, mittelalterlichen Plätzen und einer hübschen Bergkulisse zählt Sterzing im Norden Südtirols zu den schönsten Kleinstädten Italiens. Der Zwölferturm ist das Wahrzeichen der Stadt. Er trennt die Altstadt von der Neustadt und ist mit 46 Metern das höchste Gebäude im Ort. Der Turm wurde zwischen 1468 und 1472 über dem Stadtdurchgang erbaut und als oberes Stadttor genutzt. Das war zu einer Zeit, als das nahe Silberbergwerk im Ridnauntal der Gegend zu Wohlstand verhalf, und die Stadt Sterzing ihren Aufschwung als Fuggerstadt erlebte. Über dem Torbogen erinnern heute noch zwei Marmortafeln an die Grundsteinlegung durch Herzog Sigismund von Österreich im Jahre 1469. 1867 brannte der gotische Spitzhelm ab, daraufhin wurde er durch den heutigen steinernen Treppengiebel ersetzt. Das vor kurzem im Turm installierte Glockenspiel mit 25 Glocken der Glockengießerei Grassmayr hat ebenfalls eine besondere Geschichte:  Die Wirkung und Kunst des Glockenklangs wird vom ältesten Familienbetrieb Österreichs laufend weiterentwickelt und als Geheimnis bereits in der 14 Generation weitervererbt. Der Sterzinger Musiker und Komponist Josef Haller komponierte für das neue Glockenspiel ein eigenes Stück mit Ensemblebegleitung, das während der Advents- und Weihnachtszeit aufgeführt wird. Täglich werktags um 17 Uhr erfreuen sich Besucher über ein kleines Glockenspiel.

Das Wahrzeichen von Sterzing: der Zwölferturm
Das Wahrzeichen von Sterzing: der Zwölferturm, Bild: ©Susanne Reuter

Unweit entfernt befindet sich das Rathaus mit dem gotischen Ratssaal, erbaut 1468, in dem heute noch der Stadtrat tagt. Es zeugt ebenfalls vom Wohlstand des 15. Jahrhunderts, als der Bergbau seine Blütezeit erlebte. In diesem vollständig ausgetäfelt und nur über einen Kachelofen zu heizenden historischen ‚Sala Storica‘ steht übrigens der Tisch, an dem Andreas Hofer* im November 1809 das Ende der Freiheitskämpfe entschied. Der Tisch stand damals in einem Gasthaus in Sterzing, mit in der Runde saßen seine Mitstreiter Haspinger und Speckbacher.

Ebenfalls einen Besuch wert ist die Heilig-Geist-Kirche. 1399 erbaut, zählt sie zu den besterhaltenen gotischen Kirchen Südtirols. Der farbenfrohe Freskenzyklus Hans von Bruneck stammt aus dem Jahre 1415 und stellt Verkündigung, Ölberg, Judaskuss, Christus vor Pilatus, Dornkrönung, Kreuztragung und Auferstehung sowie an der Westwand das Jüngste Gericht dar.

Im Süden der Stadt finden wir das Deutschhaus, in dem sich das Multscher- und das Stadtmuseum befindet. Der Ulmer Hans Multscher schuf Mitte des 15. Jahrhunderts für die Pfarrkirche den Altar, Teile davon sind dort ausgestellt. Heute zählt der Deutsche Orden in Südtirol mehr als zwei Dutzend Priester und Brüder und mehr als 40 Schwestern. Im Stadtmuseum sind auf Gemälden die Stadt und Umgebung sowie Ausschnitte aus der Geschichte des Deutschen Orden zu sehen. „Unsere liebe Frau im Moos“, die Stadtpfarrkirche, ist ein weiteres Juwel Sterzings. Sie zählt zu den größten Kirchen Tirols und mit der mehr als 32 Meter hohen Außenfassade gilt sie als höchster sakraler Bau zwischen München und Verona.