Der Name Capri steht für steile Felsküsten, tiefblaues Meer, elegante Villen und spektakuläre Aussichtspunkte. Die kleine Insel im Golf von Neapel gehört zu den bekanntesten Reisezielen in Italien und lässt sich sowohl als Tagesausflug als auch für einen längeren Aufenthalt besuchen.
Capri liegt vor der Sorrentinischen Halbinsel im Tyrrhenischen Meer und ist per Fähre unter anderem von Neapel und Sorrent erreichbar. Trotz ihrer überschaubaren Fläche bietet die Insel erstaunlich viel: die berühmte Blaue Grotte, die Faraglioni-Felsen, historische Villen, kleine Buchten, Wanderwege und den Monte Solaro als höchsten Punkt der Insel.
Wer Capri nur mit Luxusgeschäften und prominenten Besuchern verbindet, kennt deshalb nur eine Seite der Insel. Schon wenige Schritte abseits der wichtigsten Plätze zeigt sich eine deutlich ruhigere Landschaft aus Gärten, Felsen, mediterraner Vegetation und schmalen Wegen.
Capri – kleine Insel mit großer Geschichte

Die Schönheit Capris wurde schon in der Antike geschätzt. Besonders eng ist die Geschichte der Insel mit den römischen Kaisern Augustus und Tiberius verbunden. Augustus ließ auf Capri bauen und nutzte die Insel als Rückzugsort. Sein Nachfolger Tiberius verbrachte einen erheblichen Teil seiner späteren Regierungszeit auf Capri.
Mehrere römische Villen entstanden auf der Insel. Die bekannteste ist die Villa Jovis im Osten Capris. Die Ruinen liegen auf einem Felsplateau hoch über dem Meer und vermitteln noch heute einen Eindruck von den Dimensionen der ehemaligen Kaiserresidenz.
In späteren Jahrhunderten wechselte Capri mehrfach seine Herrscher und entwickelte sich schließlich im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einem Treffpunkt für Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle aus ganz Europa.
Zu den bekanntesten Bewohnern gehörte der schwedische Arzt und Schriftsteller Axel Munthe. In seinem 1929 erschienenen Buch „Das Buch von San Michele“ beschrieb er sein Leben auf Capri. Seine Villa San Michele in Anacapri gehört heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Insel.
Die Blaue Grotte – Capris berühmteste Höhle

Kaum eine Sehenswürdigkeit wird so eng mit Capri verbunden wie die Grotta Azzurra, die Blaue Grotte. Ihren Namen verdankt sie dem intensiven blauen Licht im Inneren.
Der Effekt entsteht durch Sonnenlicht, das unterhalb der Wasseroberfläche in die Höhle gelangt. Dadurch scheint das Wasser von unten zu leuchten.
Der Eingang zur Grotte ist nur knapp über der Wasseroberfläche hoch. Besucher steigen deshalb in kleine Ruderboote um und müssen sich während der Einfahrt zurücklehnen.
Ob ein Besuch möglich ist, hängt stark von Wind und Wellengang ab. Bei ungünstigen Bedingungen bleibt die Grotte geschlossen. Wer Capri hauptsächlich wegen der Blauen Grotte besucht, sollte deshalb damit rechnen, dass eine Besichtigung nicht garantiert werden kann.
Monte Solaro – der höchste Punkt von Capri
Mit 589 Metern ist der Monte Solaro die höchste Erhebung der Insel. Vom Gipfel eröffnet sich ein eindrucksvolles Panorama über Capri, den Golf von Neapel und die umliegende Küstenlandschaft.
Ausgangspunkt für die bequemste Auffahrt ist Anacapri. Von dort führt ein Sessellift hinauf auf den Monte Solaro. Während der Fahrt schweben die Besucher über Gärten, Häuser und mediterrane Vegetation.
Oben angekommen lohnt es sich, etwas Zeit für die verschiedenen Aussichtspunkte einzuplanen. Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über das Meer bis zum Festland.
Nicht verwechselt werden sollte der Sessellift mit der Funicolare di Capri. Die Standseilbahn verbindet den Hafen Marina Grande mit Capri-Stadt und ist für viele Besucher das erste Verkehrsmittel nach der Ankunft auf der Insel.
Die Faraglioni – das Wahrzeichen von Capri

Die Faraglioni gehören zu den bekanntesten Fotomotiven Capris. Die drei markanten Felsen ragen unmittelbar vor der Südostküste aus dem Meer.
Der küstennächste Felsen wird Faraglione di Terra beziehungsweise Stella genannt. Daneben liegen Faraglione di Mezzo und Faraglione di Fuori, der auch als Scopolo bezeichnet wird.
Besonders auffällig ist der natürliche Felsbogen im mittleren Faraglione. Kleine Ausflugsboote können bei geeigneten Bedingungen durch diese Öffnung hindurchfahren.
Einen schönen Blick auf die Felsen bietet unter anderem die Umgebung der Giardini di Augusto. Noch näher kommt man den Faraglioni bei einer Bootstour rund um Capri.
Capri-Stadt und die berühmte Piazzetta
Capri besitzt zwei Gemeinden: Capri und Anacapri. Obwohl beide nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, unterscheiden sie sich deutlich.
Capri-Stadt ist der mondänere Teil der Insel. Im Mittelpunkt steht die Piazza Umberto I, die fast überall nur „Piazzetta“ genannt wird. Cafés und Restaurants säumen den kleinen Platz, der seit Jahrzehnten als gesellschaftlicher Treffpunkt der Insel gilt.
Von der Piazzetta führen schmale Gassen durch das Zentrum. Neben kleinen Geschäften finden sich hier auch zahlreiche internationale Luxusmarken.
Wer dem Trubel entgehen möchte, muss häufig nur einige Minuten weitergehen. Da große Teile des Zentrums für den normalen Autoverkehr nicht zugänglich sind, lässt sich die Umgebung gut zu Fuß erkunden.
Anacapri – die ruhigere Seite der Insel

Anacapri liegt höher als Capri-Stadt und wirkt vielerorts etwas ruhiger. Kleine Plätze, weiß gekalkte Häuser und schmale Straßen bestimmen das Ortsbild.
Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist die Villa San Michele. Axel Munthe ließ sie Ende des 19. Jahrhunderts an der Stelle einer älteren Kapelle errichten. Heute können Besucher das Haus und die Gärten besichtigen. Besonders eindrucksvoll ist der Blick über den Golf von Neapel.
Ebenfalls sehenswert ist die Kirche San Michele Arcangelo. Bekannt ist sie vor allem für ihren kunstvollen Majolikaboden aus dem 18. Jahrhundert.
Von Anacapri startet außerdem der Sessellift auf den Monte Solaro. Dadurch lässt sich ein Besuch des Ortes gut mit der Fahrt auf den höchsten Berg Capris verbinden.
Giardini di Augusto und Via Krupp
Zu den schönsten Aussichtspunkten nahe Capri-Stadt gehören die Giardini di Augusto. Von den terrassenförmig angelegten Gärten bietet sich ein weiter Blick auf die Faraglioni und die steile Küstenlandschaft.
Von hier ist auch die berühmte Via Krupp zu sehen. Der historische Serpentinenweg wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt und überwindet mit zahlreichen engen Kurven den Höhenunterschied zwischen dem Gebiet unterhalb der Augustusgärten und Marina Piccola.
Ob der Weg vollständig begehbar ist, sollte vor Ort geprüft werden, da es aufgrund der steilen Felswände immer wieder zu zeitweisen Sperrungen kommen kann.
Villa Jovis – auf den Spuren von Kaiser Tiberius
Wer sich für die römische Vergangenheit Capris interessiert und gerne zu Fuß unterwegs ist, sollte die Villa Jovis besuchen. Die Ruinen der kaiserlichen Villa liegen im Osten der Insel auf einem mehr als 300 Meter hohen Felsen.
Von Capri-Stadt führt ein längerer Fußweg zur Anlage. Autos fahren hier nicht, sodass bereits der Weg Teil des Ausflugs ist.
Die Villa Jovis gehörte zu mehreren römischen Villenanlagen auf Capri und wird eng mit Kaiser Tiberius verbunden. Von dem hoch gelegenen Gelände bietet sich ein weiter Blick über das Meer und den Golf von Neapel.
Capri vom Wasser aus erleben
Eine Bootsfahrt rund um Capri zeigt die Insel aus einer völlig anderen Perspektive. Vom Wasser werden die Dimensionen der steilen Felswände besonders deutlich.
Viele Touren starten in Marina Grande und führen an Grotten, kleinen Buchten und den Faraglioni vorbei. Je nach Tour und Wetterbedingungen kann auch ein Besuch der Blauen Grotte eingeplant werden.
Wer nur einen Tag auf Capri verbringt, muss allerdings Prioritäten setzen. Eine Inselrundfahrt, Blaue Grotte, Monte Solaro und mehrere längere Spaziergänge lassen sich nicht immer sinnvoll in wenige Stunden packen.
Essen auf Capri – von Ravioli Capresi bis Insalata Caprese
Auch kulinarisch hat die Insel einige Spezialitäten zu bieten. Zu den bekanntesten gehören Ravioli Capresi, gefüllte Teigtaschen, die traditionell unter anderem mit Käse und Kräutern zubereitet werden.
Weltbekannt ist die Insalata Caprese aus Tomaten, Mozzarella und Basilikum. Auch Fisch und Meeresfrüchte spielen auf den Speisekarten eine wichtige Rolle.
Zum Abschluss bietet sich eine Torta Caprese an. Der typische Schokoladen-Mandel-Kuchen wird ohne klassisches Weizenmehl zubereitet und stammt der Überlieferung nach von Capri.
Auch Wein wird auf der Insel angebaut. Unter der Herkunftsbezeichnung Capri DOC werden lokale Weine produziert.
Wann ist die beste Reisezeit für Capri?
Die meisten Besucher kommen zwischen Frühjahr und Herbst nach Capri. Besonders voll wird die Insel während der Sommermonate und an Wochenenden, wenn zu den Urlaubsgästen zahlreiche Tagesbesucher vom Festland hinzukommen.
Wer Capri ruhiger erleben möchte, findet im Frühjahr und Herbst häufig angenehmere Bedingungen. Die Temperaturen eignen sich dann auch besser für Wanderungen und längere Spaziergänge.
Unabhängig von der Jahreszeit lohnt es sich, möglichst früh auf die Insel überzusetzen. Viele Tagesgäste treffen erst im Laufe des Vormittags ein.
Praktische Tipps für einen Besuch auf Capri
Anreise: Capri besitzt keinen Flughafen und ist nur über das Meer erreichbar. Fähren und Schnellboote verkehren unter anderem von Neapel und Sorrent.
Marina Grande: Hier kommen die meisten Fähren an. Vom Hafen gelangt man unter anderem mit der Funicolare nach Capri-Stadt.
Monte Solaro: Der Sessellift startet in Anacapri und nicht in Capri-Stadt.
Blaue Grotte: Die Öffnung hängt von Wetter und Seegang ab. Eine Besichtigung lässt sich daher nicht sicher einplanen.
Schuhe: Auf Capri werden viele Strecken zu Fuß zurückgelegt. Bequeme Schuhe sind deshalb empfehlenswert.
Tagesausflug: Für einen Tag sollte man sich auf einige wenige Sehenswürdigkeiten konzentrieren. Wer auch am frühen Morgen und am Abend etwas von der Insel erleben möchte, profitiert von mindestens einer Übernachtung.
Capri zwischen Felsen, Geschichte und Mittelmeer
Capri ist weit mehr als ein mondäner Treffpunkt im Golf von Neapel. Römische Ruinen, historische Villen, mediterrane Gärten und spektakuläre Felslandschaften machen die kleine Insel überraschend vielseitig.
Während sich rund um die Piazzetta und Marina Grande zeitweise viele Besucher drängen, findet man auf Wanderwegen, in Anacapri und an abgelegeneren Aussichtspunkten auch ruhigere Seiten der Insel.
Die Faraglioni, die Blaue Grotte und der Blick vom Monte Solaro sind die berühmten Motive Capris. Mindestens ebenso reizvoll ist es jedoch, die Insel zu Fuß zu erkunden und dabei zwischen Gärten und alten Mauern immer wieder neue Ausblicke auf das Tyrrhenische Meer zu finden.










