Die ostafrikanischen Komoren-Inseln liegen abgelegen zwischen Mosambik und Madagaskar im Indischen Ozean. Das Inselarchipel zählt zu den unbekanntesten Reisezielen Afrikas und wird bislang nur von wenigen internationalen Touristen besucht. Wer die Komoren bereist, entdeckt ursprüngliche Dörfer, tropische Landschaften, aktive Vulkane, Korallenriffe und kilometerlange Sandstrände. Die Temperaturen liegen ganzjährig meist zwischen 24 und 32 Grad Celsius und sorgen für ein tropisch-warmes Klima.
Die vier Hauptinseln des Archipels waren einst französische Kolonie. Heute bilden Grande Comore, Anjouan und Mohéli die Union der Komoren, während Mayotte als französisches Übersee-Département zu Frankreich gehört und zugleich Teil der Europäischen Union ist. Trotz ihrer landschaftlichen Schönheit verfügen die Komoren nur über eine begrenzte touristische Infrastruktur. Gerade deshalb gelten sie bei Individualreisenden und Naturfreunden als echter Geheimtipp.
Die ärztliche Versorgung auf den Komoren entspricht nicht europäischem Standard. Reisende sollten sich vorab gut vorbereiten, eine passende Auslandskrankenversicherung abschließen und aktuelle Reise- und Gesundheitshinweise beachten.
Allgemeines über die Komoren
Die Insulaner sind Nachkommen eingewanderter Araber, Inder, Bantu, Madagassen und Südsee-Bewohner – viele ihrer Vorfahren waren einst Sklaven. Sie sind für ihre Gastfreundschaft und ihre Küche bekannt, die von afrikanischen, indonesischen, französischen und indischen Einflüssen geprägt ist.
Viele Komorer leben vom Fischfang oder von der Landwirtschaft. Auf den Märkten werden Reis, Mais, Kochbananen, Süßkartoffeln und Maniok verkauft. Auf Plantagen wachsen wichtige Exportprodukte wie Vanille, Gewürznelken und Ylang-Ylang.
Ylang-Ylang liefert das duftende Öl, das für Kosmetika und die Parfumherstellung wichtig ist.
Ein Reiseziel fernab des Massentourismus
Während viele Inseln im Indischen Ozean längst stark touristisch geprägt sind, haben sich die Komoren ihre Ursprünglichkeit weitgehend bewahrt. Große Hotelanlagen sind selten, stattdessen prägen kleine Pensionen, familiengeführte Unterkünfte und traditionelle Dörfer das Bild. Besucher erhalten dadurch authentische Einblicke in den Alltag der Bevölkerung.
Die Komoren werden oft als „Parfüminseln“ bezeichnet. Das liegt an den großen Anbauflächen von Ylang-Ylang, Vanille und Gewürznelken. Vor allem das Öl der Ylang-Ylang-Blüte wird weltweit für die Herstellung hochwertiger Parfums verwendet.
Auf den Komoren herrschen strenge Sitten
Auf den Komoren geht es in vielen Bereichen traditionell und religiös geprägt zu. Reisende sollten auf zurückhaltende Kleidung achten, besonders außerhalb von Hotels und Stränden. Schultern und Knie sollten möglichst bedeckt sein.
Während des Ramadans ist besondere Rücksichtnahme wichtig. Essen, Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit sollten tagsüber vermieden werden. Alkohol ist nur eingeschränkt erhältlich, meist in Hotels oder touristischen Einrichtungen.
Grande Comore – Die Hauptstadt begeistert mit exotischem Flair

Die größte und nördlichste Insel des Archipels ist Grande Comore. Hier befindet sich auch der internationale Flughafen, auf dem die meisten Reisenden ankommen. Die Hauptstadt Moroni ist das politische, wirtschaftliche und religiöse Zentrum der Union der Komoren.
Weiße Moscheen, enge Gassen, kleine Geschäfte und lebhafte Märkte prägen das Stadtbild. Besonders sehenswert ist die Freitagsmoschee „Ancienne Mosquée du Vendredi“, die direkt am Meer liegt und zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt gehört.
Der kunterbunte Volo-Volo-Markt lädt zum Feilschen ein. Neben Obst, Gemüse und Gewürzen finden Besucher Schmuck, Textilien und handgeschnitzte Holzarbeiten. Vom Hafen aus verkehren Schiffe zu den anderen Inseln des Archipels.
Am Abend lohnt sich ein Spaziergang entlang der Küste. Dann treffen sich viele Einheimische am Meer, und die Sonne versinkt über dem Indischen Ozean.
Auf Grande Comore spuckt der Karthala manchmal Lava
Eine Straße entlang der Küste umrundet die Insel, während das Landesinnere deutlich schwerer zugänglich ist. Nahe Moroni finden Urlauber schöne Strände und Unterkünfte – von einfachen Bungalows bis zu komfortableren Hotels.
Von Moroni aus lohnt sich eine geführte Tour zum Vulkan Karthala. Mit rund 2.361 Metern ist er der höchste Berg der Komoren und einer der aktivsten Vulkane Afrikas. Mehrtägige Wanderungen zum Kraterrand bieten eindrucksvolle Ausblicke auf die Insel und den Ozean.
Nach Eruptionen in den Jahren 2005 und 2006 kam es auch 2007 wieder zu vulkanischer Aktivität. Wer eine Tour plant, sollte sich daher immer vorab über die aktuelle Sicherheitslage informieren.
Lebende Fossile im Wasser vor der Insel Mohéli

Unter Kennern gilt Mohéli als die ursprünglichste Insel der Komoren. Sie liegt rund 85 Kilometer südlich von Grande Comore und ist die kleinste der drei Inseln der Union der Komoren. Die Hauptstadt Fomboni ist überschaubar und ruhig.
Flora und Fauna sind außergewöhnlich: Es gibt bunte Schmetterlinge, Riesenschildkröten, Flughunde und Lemuren. Naturfreunde schwärmen zudem von seltenen Vogelarten und der unberührten Küstenlandschaft.
Im tiefen Meer vor Mohéli leben Quastenflosser, eine urzeitliche Fischart, die oft als „lebendes Fossil“ bezeichnet wird. Die Gewässer rund um die Insel gehören zu den spannendsten Naturregionen des westlichen Indischen Ozeans.
Der Mohéli Nationalpark
Ein besonderes Naturhighlight ist der Mohéli Nationalpark. Er wurde eingerichtet, um die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der Insel zu schützen. Das Schutzgebiet umfasst sowohl Land- als auch Meeresflächen und gilt als eines der wichtigsten Naturschutzgebiete der Komoren.
Vor den Küsten Mohélis leben Meeresschildkröten, Delfine und gelegentlich sogar Dugongs, auch als Seekühe bekannt. Zwischen Juli und Oktober können Besucher mit etwas Glück Buckelwale beobachten, die in den warmen Gewässern ihre Jungen zur Welt bringen.
Besonders rund um Nioumachoua und die vorgelagerten Inselchen finden Reisende traumhafte Strände, klare Lagunen und gute Möglichkeiten zum Schnorcheln.
Plantagen und Kolonialbauten auf der Parfuminsel Anjouan

75 Kilometer östlich von Mohéli liegt Anjouan, die zweitgrößte Insel der Union der Komoren. Ihre Hauptstadt ist der alte Handelsort Mutsamudu mit terrassenförmig angelegten Häusern, engen Gassen und kolonialen Gebäuden.
Anjouan wird häufig als die grünste Insel des Archipels bezeichnet. Die Landschaft wird von schroffen Bergen, tiefen Tälern, Wasserfällen und üppiger Vegetation geprägt. In den fruchtbaren Tälern liegen Plantagen, auf denen Ylang-Ylang, Jasmin, Zimt, Nelken, Basilikum und Vanille angebaut werden.
Sehenswert sind die architektonischen Relikte aus der Kolonialzeit. Das Gebiet rund um Pomoni im Süden von Anjouan gilt als beliebte Urlaubsregion, während Moya zu den schönsten Sandstränden der Insel zählt.
Wanderungen durch das bergige Hinterland bieten eindrucksvolle Ausblicke über die Insel und das Meer. Aufgrund der teils einfachen Infrastruktur sollten Ausflüge jedoch gut geplant werden.
Ein Hauch von Frankreich auf Mayotte
Mayotte ist die vierte große Insel des Archipels. Sie ist bei Frankreich geblieben und wird deshalb nicht zur Union der Komoren gezählt.
Mayotte besteht aus mehreren Inseln, wobei Grande Terre und Petite Terre die wichtigsten sind. Die Hauptstadt Mamoudzou liegt auf Grande Terre, der Flughafen befindet sich dagegen auf Petite Terre.
Mayotte unterscheidet sich in vielen Bereichen deutlich von den übrigen Komoren. Durch die Zugehörigkeit zu Frankreich verfügt die Insel über eine modernere Infrastruktur, ein besser ausgebautes Gesundheitswesen und europäische Standards in vielen Lebensbereichen.
Die Lagune von Mayotte gehört zu den größten geschlossenen Lagunen der Welt und wird von einem fast 200 Kilometer langen Korallenriff geschützt. Dadurch ist die Insel ein hervorragendes Ziel für Taucher, Schnorchler und Naturfreunde.
Rund um Mayotte lassen sich Meeresschildkröten, Delfine, tropische Fische und zwischen Juli und Oktober auch Buckelwale beobachten. Die meisten Bewohner auf den Komoren sprechen Komorisch, auf Mayotte und in vielen offiziellen Bereichen ist Französisch besonders wichtig.
Tauchen und Schnorcheln auf den Komoren
Die Gewässer rund um die Komoren gehören zu den artenreichsten Regionen des westlichen Indischen Ozeans. Korallenriffe, Steilwände und vulkanische Unterwasserlandschaften bieten ideale Bedingungen für Taucher und Schnorchler.
Besonders Mohéli und Mayotte gelten als hervorragende Ziele für Unterwasserbeobachtungen. Neben bunten Rifffischen können Taucher Meeresschildkröten, Rochen, Delfine und mit etwas Glück sogar Walhaie beobachten.
Da der Tauchtourismus bislang nur wenig entwickelt ist, erleben Besucher die Unterwasserwelt oft fernab großer Besucherströme. Gleichzeitig sollten Reisende ihre Touren möglichst bei erfahrenen lokalen Anbietern buchen, da Infrastruktur und Sicherheitsstandards je nach Insel unterschiedlich sein können.
Beste Reisezeit für die Komoren
Die beste Reisezeit für die Komoren liegt zwischen Mai und Oktober. In diesen Monaten herrscht Trockenzeit mit angenehmen Temperaturen und vergleichsweise geringer Luftfeuchtigkeit. Die Bedingungen eignen sich ideal für Wanderungen, Strandaufenthalte und Tauchgänge.
Zwischen November und April ist Regenzeit. Dann steigen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit, außerdem kann es zu kräftigen tropischen Niederschlägen kommen. Gleichzeitig zeigt sich die Vegetation besonders üppig und grün.
Wer während der Regenzeit reist, sollte flexibler planen und mögliche Einschränkungen durch Wetter, Straßenverhältnisse oder Bootsverbindungen berücksichtigen.
Kulinarische Spezialitäten der Komoren
Die Küche der Komoren vereint afrikanische, arabische, indische und französische Einflüsse. Fisch und Meeresfrüchte stehen auf vielen Speisekarten ebenso wie Reis, Kochbananen, Maniok, Brotfrucht und Kokosnüsse.
Gewürze wie Vanille, Nelken, Zimt und Kardamom verleihen vielen Gerichten ein charakteristisches Aroma. Beliebt sind gegrillter Fisch, Currys, Kokosreis sowie süße Desserts mit tropischen Früchten.
Auf den Märkten werden frische Mangos, Papayas, Ananas und Bananen angeboten. Die kulinarische Vielfalt gehört zu den oft unterschätzten Highlights einer Reise auf die Komoren.
Praktische Hinweise für Reisen auf die Komoren
Die Komoren sind kein klassisches Pauschalreiseziel. Wer den Inselstaat besucht, sollte Geduld, Flexibilität und Abenteuerlust mitbringen. Fähren, Inlandsflüge und Straßenverbindungen können unregelmäßig sein.
Unterkünfte reichen von einfachen Pensionen bis zu wenigen komfortableren Hotels. Eine frühzeitige Planung ist empfehlenswert, besonders wenn mehrere Inseln kombiniert werden sollen.
Reisende sollten sich vor der Abreise über Einreisebestimmungen, Gesundheitsvorsorge, Impfungen und aktuelle Sicherheitshinweise informieren. Aufgrund der begrenzten medizinischen Versorgung ist eine gute Reiseapotheke sinnvoll.
Gerade wer authentische Reiseziele fernab des Massentourismus sucht, findet auf den Komoren jedoch ein außergewöhnliches Inselparadies mit viel Natur, Kultur und Ursprünglichkeit.









