Wo alles begann – eine Reise durch den US-Bundesstaat Pennsylvania

Pennsylvania, Gründerstaat der USA
Pennsylvania, der Gründerstaat der USA, Bild: Cenz07 / shutterstock

In den Vereinigten Staaten von Amerika weiß jedes Kind, was am 4. Juli 1776 in Pennsylvanias größter Stadt Philadelphia geschah. In der dortigen „Hall of Independence“ (Unabhängigkeitshalle) wurde an diesem Tag die maßgeblich vom späteren US-Präsidenten Thomas Jefferson verfasste Unabhängigkeitserklärung der USA unterzeichnet.

In ihr proklamierten 13 englische Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent ihre Loslösung vom britischen Mutterland. Pennsylvania gilt daher als Geburtsstätte der Vereinigten Staaten von Amerika, wie wir sie heute kennen, und trägt auch den Beinamen „State of Independence“ (Staat der Unabhängigkeit). Nur elf Jahre später, am 17. September 1787, wurde übrigens am selben Ort auch die neue Verfassung der Vereinigten Staaten unterzeichnet. Heute ist die Hall of Independence Teil des UNESCO Weltkulturerbes und außerdem auf der Rückseite des US-amerikanischen 100 Dollar-Scheins abgebildet.

Geschichte, Kultur, Innovation – das ist Philadelphia

Independance Hall
Independance Hall in Philadelphia, Bild: Sean Pavone / shutterstock

Doch Philadelphia bietet noch viel mehr! Weitere Sehenswürdigkeiten sind etwa die berühmte Freiheitsglocke, Symbol der amerikanischen Demokratie, die nur wenige Meter neben der Hall of Independence zu finden ist. Oder die wahrscheinlich berühmteste Treppe Amerikas hinauf zum Philadelphia Museum of Art, dessen 72 Stufen einst Sylvester Stallone als „Rocky“ erstürmte. Oben angekommen sollte man, anders als Rocky damals, auch die Ausstellungen des Museums besuchen. Über 240.000 Exponate aus den verschiedensten Kunstrichtungen wollen bestaunt werden. Weitere Museen und Galerien, wie das Rodin Museum oder die Pennsylvania Academy of Fine Arts, sind ebenfalls einen Besuch wert. Doch in Philadelphia muss man nicht ins Museum gehen, um Kunst zu erleben. Die Metropole gilt auch als Welthauptstadt der Wandmalerei, „Mural Arts“ genannt. Mehr als 4000 solcher Wandmalereien sind in der gesamten Stadt verteilt an Hauswänden und Mauern zu finden.

Darüber hinaus erwartet den Besucher ein reiches Angebot an Kultur, außergewöhnlichem Essen und natürlich (fast) unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten. Denn im gesamten Staat Pennsylvania werden, anders als im Rest der USA, keine Steuern auf den Verkauf von Kleidung und Schuhen erhoben. So ist einkaufen hier besonders geldbeutelschonend und macht Philadelphia mit seinen vielen Geschäften und Boutiquen zu einem wahren Shoppingparadies. Wer eine Pause braucht, kann in einem der unzähligen Straßencafés entspannen oder gleich den Reading Terminal Market besuchen. Der älteste noch betriebene Bauernmarkt der USA bietet mit seinen fast einhundert Ständen eine gewaltige Auswahl an verschiedenen Spezialitäten aus aller Welt.

Grün und Fußgängerfreundlich: Philadelphia ist seiner Zeit voraus

Erkunden sollte man das alles am besten zu Fuß. Für die autobegeisterten USA ist das sicher ungewöhnlich. Aber „Philly“, wie Philadelphia von den Einheimischen liebevoll genannt wird, verfügt über das größte öffentliche Stadtparksystem der Welt und ist damit nicht nur die grünste Stadt der USA, sondern wurde auch mehrfach als besonders fußgängerfreundlich ausgezeichnet.

Auch für Familien geeignet: Pennsylvanias wunderschöne Natur erleben

Doch auch abseits der großen Städte ist Pennsylvania eine Reise wert und vor allem für Wanderer ein echtes Eldorado. Endlose Wälder, sanfte Hügel, Wasserfälle und Seen prägen das ländliche Pennsylvania. Zahlreiche Wildnistrails in verschiedenen Längen laden ein, die Flora und Fauna zu entdecken. Sie sind meist gut ausgebaut und daher auch für Familien mit Kindern bestens geeignet. Besonders schön präsentieren sich die ausgedehnten Laubwälder während des „Indian Summer“.

In den Monaten September und Oktober verfärben sich die Blätter der Bäume und lassen die Wälder in warmen Gelb- und Rottönen erstrahlen. Seinen Namen verdankt Pennsylvania übrigens genau diesen Wäldern – und einem Mann namens William Penn. Dieser bekam 1681 vom englischen König ein größeres Gebiet in der amerikanischen Wildnis übertragen und wurde zum dortigen Gouverneur ernannt. Aus seinem Namen „Penn“ und dem lateinischen Wort für Wald „Silva“ wurde schließlich Pennsylvania.

Tradition entdecken und erhalten: die Amish People

William Penn selbst war Quäker und verfügte entsprechend weitgehende Religionsfreiheit in seinem neuen Staat, was zahlreiche Anhänger religiöser Minderheiten anlockte, die in ihren europäischen Heimatländern unterdrückt oder verfolgt wurden. Die bekannteste Gruppe sind sicher die „Amish People“. Diese wanderten ab 1709 von Süddeutschland und der Schweiz nach Amerika aus und ließen sich vorwiegend im liberalen Pennsylvania nieder. Noch heute leben ihre Nachfahren dort nach den Regeln der Glaubensgemeinschaft und sind bekannt für ihren weitestgehenden Verzicht auf moderne Technik und Medien. In den Dörfern und auf den Bauernhöfen der Amish kann man mehr über ihre Lebensweise erfahren. Auch ihre Sprache hat sich als „Pennsylvania Dutch“ bis heute erhalten. Hierbei handelt es sich nicht um Holländisch, sondern um einen deutschen Dialekt, den man, wenn man sonst Hochdeutsch spricht, mit ein wenig Konzentration ganz gut verstehen kann.

Ein besonderes Erlebnis: die Klangsteine von Upper Black Eddy

Ringing Rocks County Park Pennsylvania
Ringing Rocks County Park, Bild: Jim Bogosian / shutterstock

Etwa 70 Kilometer nördlich von Philadelphia liegt der kleine Ort Upper Black Eddy. Doch nicht der Ort selbst ist eine Attraktion, sondern der nahegelegene Ringing Rocks County Park. Auf einer Fläche von etwa drei Hektar erstreckt sich dort ein riesiges Findlingsfeld. Das Besondere: wenn man mit einem Hammer auf einen der Steine schlägt, erklingen verschiedene Töne. Allerdings erzeugen nur etwa ein Drittel der Steine Töne, die für den Menschen wahrnehmbar sind. Alle anderen erzeugen Tonhöhen, die für das menschliche Gehör zu tief sind. Warum die Klänge überhaupt entstehen, konnte übrigens bis heute nicht vollständig geklärt werden. Wer möchte, kann bei seinem Besuch einen Hammer mitbringen und sein eigenes „Rock“- Konzert geben.

Abwechslungsreiches Pennsylvania – immer eine Reise wert

Vor allem in Philadelphia und Pittsburgh findet sich ein riesiges kulturelles Angebot, wie etwa Museen, Konzerte, Veranstaltungen und die Möglichkeit, US-amerikanische Geschichte hautnah zu erleben. Darüber hinaus gibt es unzählige Restaurants und beste Einkaufsmöglichkeiten. Außerhalb der Zentren laden 121 State Parks zum familienfreundlichen Wandern, Kajaken oder Radfahren ein. In Pennsylvania kommt wirklich jeder voll auf seine Kosten!