Freitag, November 27, 2020
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Galicien – Reise in ein anderes Spanien

Die Region Galicien im Nordwesten der Iberischen Halbinsel gehört zu Spanien, aber sie ist doch ganz anders. Statt mit Fiesta, Paella und Flamenco besticht der Landstrich mit seiner Natürlichkeit: Raue Küsten, uralte Dörfer und weite Wälder prägen das Bild. Die wenigen großen Städte sind ein lebendiger Kontrast. Galicien ist vor allem als Ziel des Jakobsweges bekannt. Doch die Gegend wartet auch an vielen anderen Stellen mit malerischen Landschaften und geschichtsträchtigen Orten auf.

Meer und Ursprünglichkeit

Galicien ist geprägt vom Meer. Die rund 1.500 Kilometer lange Küste bietet eine interessante Mischung aus steilen Klippen und langen Sandstränden. Eine Besonderheit sind die vielen fjordähnlichen Buchten, die hier Rías heißen. Die Rías Baixas im Süden laden mit flachem Wasser zum Baden ein, die nördlichen Rías Altas beeindrucken dagegen mit ihren hohen Felswänden. Entlang der gesamten Küste gibt es zahlreiche kleine Fischerorte. Fischfang und Muschelzucht dienen vielen Menschen hier nach wie vor als Lebensgrundlage. Davon zeugen unzählige Holzflöße, an denen die Muscheln wachsen.

Auch das Landesinnere zeigt sich ursprünglich. In den kleinen Dörfern fallen die mit Schiefer gedeckten Steinhäuser auf. Häufig haben sie als Nebengebäude einen Korn- oder Maisspeicher, den Hórreo. Abseits der Orte bestimmen weitläufige Waldbestände das Landschaftsbild. Im Osten Galiciens stellen die hohen Berge der Cordillera Cantábrica die natürliche Grenze zum restlichen Spanien dar.

So abwechslungsreich wie die Landschaft sind auch das Klima und die Küche. Durch die Lage am Atlantik gibt es viel Regen, Wind und Nebel. Das erinnert an andere Küstenregionen Westeuropas wie die Bretagne. Die Küche wird bestimmt von Fisch und Meeresfrüchten, die in Frische und Vielfalt ihresgleichen suchen. Vor allem Muschelliebhaber kommen auf ihre Kosten. Miesmuscheln, Jakobsmuscheln, Schwertmuscheln, Entenmuscheln, Austern – hier gibt es alles was das Herz begehrt. Auch die Felder tragen ihren Teil zur Küche bei. Die Galicier sind stolz auf ihre regionalen Kartoffeln, den Mais und den Käse. Ein Geheimtipp ist der beliebte regionale Weißwein Albariño.

Viele Menschen in der Autonomen Region sprechen im Alltag übrigens noch Galicisch. Aber die allermeisten Einheimischen können sich auch bestens auf Spanisch oder in anderen Sprachen verständigen.

Galicien: Lebendige Städte mit langer Geschichte

Santiago de COmpostela, Galicien
Die Kathedrale von Santiago de Compostela, Bild: artem evdokimov / shutterstock

Die Städte Galiciens bilden einen Gegenpol zur sonst eher ländlichen Prägung. Dort finden sich imposante Kathedralen, belebte Flaniermeilen und renommierte Universitäten.

Die galicische Hauptstadt Santiago de Compostela ist Endstation des beliebten Jakobsweges. Dort holen sich die Pilger ihre Pilgerurkunde in der Kathedrale ab. Das Gotteshaus gehört, wie die lebendige Altstadt, zum Weltkulturerbe. In der Hafenstadt A Coruña pulsiert ebenfalls das Leben. Auf den ausgedehnten Strandpromenaden lässt es sich ausgezeichnet flanieren. Das Wahrzeichen der Stadt, der Herkulesturm, stammt noch aus der Römerzeit und ist der älteste noch betriebene Leuchtturm der Welt.

Ein weiteres römisches Bauwerk ist die mehr als zwei Kilometer lange Stadtmauer in Lugo. Deren Tore und Türme fügen sich auf beeindruckende Weise in das heutige Stadtbild ein. Auch die Stadt Ourense wurde von den Römern gegründet. Sie nutzten bereits die heißen Quellen, die noch heute überall in der Gegend aus dem Boden sprudeln. Einige der Thermalquellen befinden sich im Park As Burgas im Zentrum der Stadt.

Pontevedra, Galicien
Das malerische Dorf Potevedra, Bild: Jose Carlos Castro Antelo / shutterstock

Zu den schönsten spanischen Städten zählt Pontevedra. Der Ort liegt malerisch am Ufer der Ría de Pontevedra. Die historischen Bürgerhäuser und Arkadengänge sowie die vielen gemütlichen Plätze und engen Gassen versetzen den Besucher in eine andere Zeit. In der Nähe liegt Vigo, die größte Stadt und wirtschaftliches Zentrum Galiciens. Sehenswert sind dort das alte Fischerviertel O Berbés und die Festung O Castro. Wer die auf einem Hügel gelegene Anlage erklimmt, wird mit wunderschönen Ausblicken auf die Stadt und die Ría de Vigo belohnt.

Traumstrände und Keltendörfer

Abseits der Städte gibt es in Galicien unzählige Orte, die einen Ausflug wert sind. So liegt vor der Küste von Vigo die zauberhafte Inselgruppe Illas Cíes. Diese unbewohnten Eilande wurden von den Römern „Inseln der Götter“ genannt. Dort tummeln sich Seevögel, Delfine und Wale. Der mehr als einen Kilometer lange Traumstrand Praia de Rodas lockt mit weißem Pulversand. Wer es etwas sportlicher mag, der kann das Naturparadies auf einem der markierten Wanderwege bewundern. Da die Besucherzahl auf den Inseln begrenzt ist, empfiehlt es sich, frühzeitig eine Genehmigung für den Zutritt einzuholen.

Kap Fisterra, Galicien
Kap Fisterra, Bild: Noradoa / shutterstock

Beim Kap Fisterra und dem nahe gelegenen Strand von Langosteira zeigt der Atlantik seine raue Seite. Der Küstenabschnitt wird Costa da Morte (Todesküste) genannt, weil dort früher viele Schiffe zwischen Sturm und Klippen zerschellt sind. Fisterra gilt als inoffizielles Ende des Jakobsweges. Viele Pilger wandern noch die etwa 100 Kilometer von Santiago de Compostela bis zum Kap. Mit diesem Abschnitt und dem offiziellen Teil führt der Jakobsweg insgesamt gut 250 Kilometer durch Galicien. Wer der Menge an Pilgern aus dem Weg gehen will, der findet viele Alternativen. Die verschiedenen Nebenrouten des Jakobsweges sind deutlich ruhiger und ebenso interessant. Wunderschöne Ausblicke gewähren auch der Wanderweg O Camiño dos Faros entlang der Küste oder eine Tour durch die Weinbauregion Ribeira Sacra.

An vielen Stellen zeigt Galicien seine jahrtausendealte Geschichte. Die ältesten Zeugnisse sind die Dolmen-Steingräber aus prähistorischer Zeit, die in der Region verstreut liegen. Von der Besiedlung durch die Kelten stammen die Grundmauern der alten Castro-Dörfer, etwa die gut erhaltenen Anlagen in A Guarda und in Castro de Rei. Beeindruckend ist auch das Steindorf O Cebreiro, auf einem Höhenzug am Beginn des galicischen Jakobsweges gelegen. Dieser Ort mit nur 100 Einwohnern versprüht mit seinen keltischen Hütten (Pallozas) und der präromanischen Kirche eine magische Atmosphäre. Das gilt auch für die weitläufige Klosteranlage Oseira im Zentrum Galiciens. Sie vereint Architekturstile von der Romanik bis zum Barock und wird wegen ihrer Größe als galicisches El Escorial bezeichnet.

Vielfältige Erlebnisse für jeden Geschmack

Wandern auf berühmten Wegen oder abseits ausgetretener Pfade, Entspannung an einsamen Stränden, Ausflüge in eine uralte Geschichte und lebendige Städte – Galicien überzeugt mit unglaublicher Vielfalt. Die Region zwischen Meer und Bergen bietet auf Schritt und Tritt atemberaubende Natur und Zeugnisse aus der Vergangenheit. Eine hervorragende Meeresküche und bodenständige Menschen machen das Erlebnis perfekt. So bleibt die Reise in Spaniens grünen Nordwesten noch lange in positiver Erinnerung.

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