Dresden – vom Mythos Pracht, der nicht vergeht

Dresden, Neumarkt

In einem weiten Talkessel der oberen Elbe liegt die weltweite Berühmtheit Dresden. Reisende fühlen sich in südlichere Gefilde versetzt, wenn sie der Elbe stromabwärts folgen. An den Hängen staffeln sich Rebterrassen und hinter Obstbäumen lugen gepflegte Anwesen hervor. „Elbflorenz“ ist der schmückende Beiname einer Stadt, die auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblickt. Umgeben von einer lieblichen Szenerie, begeistert Dresden im südländisch anmutenden Elbtal mit unzähligen Schätzen. Wenn sich Brühlsche Terrasse, Schloss, Hofkirche, Semperoper und Augustusbrücke in der Elbe spiegeln, bietet sich ein ergreifendes Panorama.

Mit Dresden verbinden sich drei Assoziationen: der Aufstieg der Stadt während ihrer Blütezeit unter August dem Starken, die Zerstörung Dresdens in der Bombennacht 1945 und schließlich der ermutigende Wiederaufbau, vor allem nach der Vereinigung der beiden Staaten.

Im Dreiklang von Kunst, Geschichte und Natur

Dresden
Bild: canadastock / shutterstock

Im Schutze der in 1200 errichteten Burg auf dem Taschenberg ging die sorbische Siedlung „Nisani“ hervor. Diese wuchs zum erstmalig 1206 erwähnten „Dreszdany“ heran. Als Residenz der Albertinischen Linie gewann Dresden zunehmend an Gewicht, vorangetrieben von Kurfürst Moritz, der Dresden im Jahre 1547 zur Hauptstadt des Kurfürstentums machte. Zwischen 1694 und 1783 durchlebte die Stadt das „Augusteische Zeitalter“ – glanzvoll wie verschwenderisch.

Wasser und Architektur waren für August den Starken zusammengehörige Größen seit seinem Venedig-Erlebnis. Er wollte den Zauber der Lagunenstadt nördlich der Alpen wiederholen: Die Augustusbrücke als neuer Rialto, die Elbe als Canal Grande und die Schlösser am Fluss, welche er mit seiner Prunkgondel leicht erreichen konnte – kurz: die Dresdner Antwort auf venezianische Paläste. Indes war seine Bauleidenschaft längst nicht gestillt. Wie an einer Perlenkette aufgereiht, ließ August der Starke von fähigen Architekten in der Stadt und an den Ufern der Elbe beeindruckende Schlösser bauen.
Im Augustinischen Zeitalter entstanden die meisten Bauten, die Dresdens Weltruhm zur „Elbflorenz“ begründeten. Dresden wurde zu einer Perle höfischen Barocks.

Bis zu dem Tag, als die zauberhafte Stadt in einer Feuerhölle versank: „Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens. Ich habe den Untergang Dresdens persönlich erlebt. Ich stehe am Ausgangstor meines Lebens und beneide meine toten Geisteskameraden, denen dieses Erlebnis erspart geblieben ist.“ schrieb damals Gerhart Hauptmann. Am Aschermittwoch 1945 – Deutschland liegt bereits am Boden – löschen die beiden Bomberwellen das alte, an Kunstdenkmälern reiche Dresden aus. Es sterben über 35.000 Menschen. Militärisch ohne Sinn erklärte dieser Anschlag den Untergang Dresdens.

Majestätische Bauwerke und die schönste aller Stadtsilhouetten vernichtet? Mit Entsetzen, vor den rauchenden Trümmern stehend, erklären die Bürger ihre Stadt für verloren.
Doch wenige Jahre nach dem Feuersturm richtet sich Dresden in seiner alten Pracht wieder auf.

Dresden. Auferstanden aus Ruinen – Trümmersteine im neuen Glanz

Dresden, Elbe
Blick auf die Elbe in Dresden, Bild: RastoS / shutterstock

Das, was Künstler und Dichter einst ins Schwärmen geraten ließ, findet man heute nicht mehr. Im Inferno der Bombennacht wurde die Altstadt fast völlig zerstört, und die Narben heilen nur langsam. Nach großen Mühen ist heute wieder einiges zu erahnen vom früheren barockem Glanz der Elbestadt.

Der Aufbau der Frauenkirche, einst Ruine und Mahnmal über die Opfer des Bombenkrieges, ist sichtbares Zeichen der Versöhnung. Das Gotteshaus war einst Deutschlands bedeutendster protestantischer Kirchenbau. Während Zwinger, Schloss und Semperoper bereits in Schutt und Asche liegen, steht die Kirche noch genau einen Tag und rettet 300 Schutzsuchenden das Leben. Den hohen Temperaturen war der Sandstein nicht gewachsen, einen Tag später stürzt der Kirchenbau in sich zusammen. Dresdens Herzstück konnte im Jahre 2005 erneut geweiht werden. Heute trägt das barocke Gotteshaus eine große Symbolkraft und wirkt wie ein Triumph über den Tod.

Dresden, Semperoper
Die Semperoper, Bild: TTstudio / shutterstock

Auch die Semperoper war 1945 völlig ausgebrannt. Was der Betrachter heute sieht, ist eine Rekonstruktion aus dem Jahre 1985. Jedoch sei die Akustik besser als die der Mailänder Scala – so berichten viele hier aufgetretene Künstler.

Schwer zerstört wurde auch der Zwinger, das Meisterwerk europäischer Barockarchitektur. In den Wiederaufbau, der 1964 abgeschlossen war, steckte die damalige SED-Regierung erhebliche Summen, um den devisenträchtigen Tourismus anzukurbeln.

Der Zwinger – Meisterwerk der Weltkultur

Dresden, Zwinger
Der Zwinger, Bild: leoks / shutterstock

Vielleicht nirgendwo sonst in der abendländischen Baugeschichte gelang eine so einzigartige Verbindung zwischen festlicher Architektur und beschwingter, fantasiereicher Plastik wie in den Pavillons und Galerien des Zwingers. Putten, Bögen und Säulen schmücken eines der originellsten Meisterwerke. Einst war das Gelände ein Festplatz für höfische Spiele und von einfachen Holzbauten umgeben. Erst 1770 gab August der Starke den Auftrag für einen festen Bau, an seinen späteren Hofarchitekten Matthäus Daniel Pöppelmann. Der Zwinger war nicht zu Wohnzwecken errichtet worden. Er sollte allein den repräsentativen Ansprüchen August des Starken gerecht werden. Heute zieht das berühmteste Bauwerk Dresdens die Besucher wie ein Magnet in seinen Bann. Mit dem Zwinger setzte der Sachsenkönig dem höfischen Barock ein einzigartiges Denkmal.

Dresden – stolze Sachsenmetropole mit Kunstwerken von einem unermesslichen Wert

Wer heute die Stadt besucht, braucht Tage, um die Museen gebührend zu würdigen. Im Zwinger sind gleich mehrere Museen und Sammlungen untergebracht.

  • Der Wallpavillon ist das Juwel des Zwingers. Im Scheitel der westwärts gerichteten Bogengalerie erreicht die Ausdruckskraft, der von Permoser geschaffenen Figurenpracht, ihren Glanzpunkt. Hinter dem Pavillon befindet sich das herrlich verspielte Nymphenbad.
  • Rechts vom Kronentor beherbergt das Tierkundemuseum das Skelett einer vor 300 Jahren ausgestorbenen Seekuh.
  • In der Galeriehälfte links vom Kronentor kann man die in 1717 gegründete Porzellansammlungvon August dem Starken bewundern.
  • Die größte deutsche Sammlung von Globen sowie die älteste Rechenmaschine der Welt lohnen einen Besuch im Mathematisch-Physikalischen Salon.
  • In der Gemäldegalerie „Alte Meister“ sind bedeutende Werke der europäischen Malerei des 15.-18. Jahrhunderts, darunter Raffaels „Sixtinische Madonna“ zu besichtigen.
  • Die Rüstkammer beherbergt die Prunkwaffensammlung der sächsischen Kurfürsten aus dem 16.-17. Jahrhundert.
Dresden, Weihnachtsmarkt
Der Dresdener Weihnachtsmarkt gilt als einer der schönsten Deutschlands, Bild: Feel good studio / shutterstock

An den Zwinger grenzt der Theaterplatz. Hier schlägt das Herz des historischen Dresdens
und die Prachtbauten reichen sich die Hand. Dominant beherrscht die Semperoper das Areal. Unweit befinden sich Schloss und Hofkirche. Vom 110 Meter hohen Hausmannsturm des Schlosses genießt man einen herrlichen Ausblick auf den Theaterplatz. Die Altstädter Wache und das Taschenbergpalais ergänzen das Ensemble. Vorbei an der Hofkirche, gelangt man auf den „Balkon Europas“. Die Brühlsche Terrasse, die sich über dem Elbufer auf den Resten der Dresdner Festungsanlagen erstreckt, ist einziger erhaltener Zeuge der mächtigen Wehranlage aus dem 16. Jahrhundert. Hier flanieren Besucher aus allen Kontinenten und lassen ihre Blicke über die dahinfließende Elbe mit ihren imposanten Dampfschiffen auf die andere Elbseite mit der Dresdner Neustadt schweifen. Auf der Brühlschen Terrasse, im Albertinum, erwartet Kunstfreunde die Gemäldegalerie „Neue Meister“ mit Kunstwerken von der Romantik bis zur Gegenwart. Publikumsmagnet ist das Grüne Gewölbe, nur wenige Meter vom Albertinum entfernt – eine funkelnde Schatulle und die reichhaltigste Schatzkammer der Welt.
Vom Albertinum ist es nicht weit zum Neumarkt, der bis zum Februar 1945 der wohl malerischste Platz Dresdens war. Den Neumarkt dominiert die wieder errichtete Frauenkirche. Mit ihrer berühmten Steinkuppel prägt sie die Stadtsilhouette.

Östlich der Altstadt erstreckt sich der Große Garten aus dem Jahre 1676 mit Freilichtbühne, Puppentheater, Zoo, Botanischen Garten und einem Parktheater. Den Mittelpunkt bildet das Gartenpalais mit dem Palaisteich und den Kavaliershäusern. Besonders eindrucksvoll wirken die der griechischen Sagenwelt entlehnten Skulpturen.

Von der Altstadt erreicht man über die Augustusbrücke den Neustädter Markt, beherrscht von dem Reiterstandbild August dem Starken.

In eine Oase großbürgerlicher Architektur führt die berühmteste Brücke Dresdens – das „Blaue Wunder“. Die mächtige Eisenkonstruktion wurde zwischen 1891 und 1893 erbaut und verbindet die Orte Löschwitz und Blasewitz. Ein fantastisches Panorama liegt dem zu Füßen, der mit der Schwebebahn zum Stadtteil Oberloschwitz hochfährt.

Ebenfalls sehenswert: das Deutsche Hygiene-Museum mit einer enormen Ausstrahlung und die „Gläserne Manufaktur“, ein Beweis für die internationale Anziehungskraft Dresdens als Wirtschaftsstandort.

Wer von Dresden nicht genug bekommen kann, darf sich gern noch umschauen. In der unmittelbaren Umgebung locken Radebeul – der Sterbeort des geistigen Vaters von Winnetou, Schloss Moritzburg, der Waldpark mit Wildgehege und nicht zuletzt das entzückende Städtchen Stolpe, welches malerisch auf einer Basaltkuppel liegt und das tragische Schicksal der Gräfin von Cosel teilt.

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