Montag, Juni 1, 2020
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Chios – Eine Insel abseits der Touristenströme

Chios ist die fünftgrößte griechische Insel und liegt im Norden der Ägäis nur wenige Kilometer von der türkischen Küste entfernt. Sie ist touristisch noch nicht überlaufen, was auch daran liegen mag, dass die Anreise mit dem Flugzeug in der Regel nur mit Zwischenlandung in Athen erfolgen kann. Von April bis Mitte Oktober ist es angenehm warm und trocken. In den Monaten Juli und August sorgt ein stetiger Wind aus Richtung Norden dafür, dass es nicht zu heiß wird.

Die traumhafte Landschaft im nördlichen Teil der Insel ist überwiegend gebirgig mit kleinen, malerischen Dörfern und abgelegenen Stränden. In der Inselmitte liegen fruchtbare Ebenen, die Richtung Süden in eine Hochebene übergehen. In der Umgebung von Chios-Stadt finden sich viele Olivenhaine und Weinberge. Es gibt über fünfzig Strände mit klarem Wasser, einige sogar in der Nähe von Chios-Stadt.

Agios Ididoros, Chios
Die Kirche Agios Ididoros auf Chios, Bild: Milan Gonda / shutterstock

In regelmäßigen Abständen finden sich an der Küste runde Wachtürme. Ursprünglich wurden etwa 50 von Ihnen errichtet, um die Einwohner rechtzeitig vor Angriffen feindlicher Schiffe zu warnen. Jeder Turm befindet sich in Sichtweite seiner beiden Nachbarn, so dass Meldungen in Form von Rauchsignalen oder Feuern schnell Verbreitung fanden.

Auf der Insel finden sich viele Tavernen und Restaurants, in denen viel Fisch in vielen Varianten serviert wird. In Tavernen wählt man zusammen verschiedene Speisen aus, die in der Tischmitte platziert werden und von denen sich jeder nach Belieben bedienen kann. In Restaurants dagegen ist es üblich, das jeder Gast für sich ein Hauptgericht bestellt. Während sich das Angebot der Restaurants eher an Touristen richtet, trifft man in den Tavernen viele Einheimische.

Chios-Stadt und Umgebung

Der Fährhafen von Chios-Stadt bietet viele Verbindungen in die Ägäis und auf das griechische Festland. Von hier aus verkehrt auch eine Fähre zum türkischen Festland, die für Tagesausflüge ins nahe gelegene Cesme genutzt werden kann. An der Hafenpromenade liegen aneinander gereiht zahlreiche Cafés, die zum Verweilen einladen und am Wochenende bis spätnachts geöffnet haben. Richtung Norden fällt der Blick auf vier historische Windmühlen, eines der Wahrzeichen von Chios.

Nördlich vom Hafen liegt die gewaltige Festung der Stadt mit byzantinischen und genuesischen Bauelementen. Von hier aus führt eine Gang zum Giustiniani-Palast aus dem 14. Jahrhundert. Er ähnelt ebenfalls einer Festung und befindet sich in der Nähe vom Eingangstor der Stadtmauer von Chios. Das Gebäude beherbergt wechselnde Ausstellungen genuesischer und byzantinischer Kunst.

Chios
Bild: Nejdet Duzen / shuterstock

In Chios-Stadt gibt es diverse Clubs, die bis frühmorgens geöffnet haben. Auf der Shoppingmeile reihen sich zahlreiche Geschäfte aneinander. Die Preise sind vergleichsweise günstig, da auch viele griechische Touristen hier einkaufen.

Drei Kilometer südlich von Chios-Stadt liegt das Tal von Kambos mit seinen ausgedehnten Zitronenplantagen. Hier finden sich zahlreiche sehenswerte Herrenhäuser. Sie sind aus rotem Stein erbaut und vereinigen in Ihrer Bauweise italienische und orientalische Elemente.

Das touristische Zentrum der Insel liegt etwa fünf Kilometer südlich von Chios-Stadt um Karfas Beach. Der feine, flach abfallende Sandstrand ist ideal für einen Familienurlaub mit Kindern. Um den Strand herum gruppieren sich neben Tavernen und Shops die meisten Hotels und Pensionen der Insel.

Das berühmteste der zahlreichen Klöster der Insel ist Nea Moni. Es stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Der achteckige Dom ist reich mit Marmor verziert und in der Nähe des Altars finden sich bedeutende Mosaike. Von hier führt ein Weg zu dem benachbarten Höhlenkloster, wo einst drei Einsiedler gelebt haben, denen Nea Moni seine Entstehung verdankt.

Anavatos ist ein verlassenes Dorf etwa 15 Kilometer westlich von Chios-Stadt, dessen Ruinen aus byzantinischer Zeit in schwer zugänglicher Lage über einer Schlucht eng beieinander stehen. Es handelt sich um eine der Hauptattraktionen der Insel und der Ausblick über die umliegende Landschaft ist atemberaubend.

Mastix und bemalte Dörfer

Im Süden der Insel wird traditionell das Naturharz Mastix gewonnen, das zur Herstellung von Ouzo, Süßigkeiten und neuerdings auch Bier Verwendung findet. Die Ernte geschieht durch Einritzen der Baumrinde des Pistazienbaumes, so dass man Mastix auch als Tränen von Chios bezeichnet. Das getrocknete Harz wird im Herbst von den Bauern aufgesammelt und weiterverarbeitet.

Die so genannten Mastixdörfer Mesta, Olymbi, Vessa, Pyrgi und Armolia sind für ihre originell gestalteten Häuserfassaden berühmt. Die Fassaden wurden erst weiß und dann grau gestrichen und anschließend die geometrischen schwarz-weißen Xysta-Muster per Hand eingraviert. Diese Dörfer liegen meist weit vom Meer entfernt und bilden mit ihren dicht aneinander gebauten Häusern nach außen hin eine regelrechte Stadtmauer, durch die es jeweils nur einen Zugang gibt. Der besseren Verteidigung diente ein Labyrinth aus engen, mit Stein gepflasterten Gassen, vielen Bogengängen und Gewölben. In Pyrgi ist noch der Wachturm im Zentrum erhalten, in dem sich die Bewohner bei einem Angriff in Sicherheit bringen konnten.


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