Schottland Highlands Roadtrip: Route & Tipps

Schottland Highlands Roadtrip: Route & Tipps

Schon hinter Glasgow wird die Landschaft weiter, wilder und überraschend leer. Ein Schottland Highlands Roadtrip ist keine Reise, die man im Eiltempo abhakt: Hinter fast jeder Kurve warten ein stilles Loch, ein Tal voller Heidekraut oder eine Burg auf einem Felsen. Wer sich Zeit nimmt, erlebt Schottland von seiner intensivsten Seite – mit wechselhaftem Wetter, herzlicher Pub-Kultur und Straßen, die selbst zum Reiseziel werden.

Warum die Highlands perfekt für eine Rundreise sind

Die schottischen Highlands verbinden Naturerlebnisse, Geschichte und kleine Orte auf eine Weise, die Individualreisende begeistert. Morgens wandern Sie zwischen dramatischen Bergflanken, mittags probieren Sie Fisch und Chips in einem Hafenort und am Abend sitzen Sie vielleicht mit einem lokalen Whisky am Kamin eines B&B. Diese Nähe der Erlebnisse macht den Roadtrip so besonders.

Gleichzeitig verlangen die Highlands eine realistische Planung. Die Entfernungen auf der Karte wirken oft kurz, doch viele Straßen sind schmal, kurvenreich und führen durch einsame Regionen. Für 100 Kilometer können schnell zwei Stunden Fahrzeit zusammenkommen. Weniger Stationen bedeuten deshalb meist mehr Urlaub.

Die beste Route für 7 bis 10 Tage

Für die erste Reise bietet sich eine Rundroute ab Edinburgh oder Glasgow an. Beide Städte sind gut erreichbar und haben eine große Auswahl an Mietwagen. Edinburgh punktet mit seiner historischen Altstadt, Glasgow mit der schnellen Anbindung in den Westen. Planen Sie, wenn möglich, eine Übernachtung in der Ankunftsstadt ein, bevor Sie sich an den Linksverkehr gewöhnen.

Tag 1 und 2: Loch Lomond, Glencoe und Fort William

Von Glasgow führt die Fahrt zunächst zum Loch Lomond. Das Gebiet eignet sich ideal für einen entspannten Auftakt mit kurzen Spaziergängen am Wasser. Danach wird die Kulisse dramatischer: Das Tal von Glencoe gehört zu den eindrucksvollsten Landschaften des Landes. Grüne Hänge, dunkle Felsen und schnell ziehende Wolken schaffen eine Atmosphäre, die selbst bei Regen beeindruckt.

Übernachten können Sie in Glencoe, Ballachulish oder Fort William. Fort William ist praktisch, wenn Sie am nächsten Tag zum Glenfinnan-Viadukt möchten. Der berühmte Eisenbahnviadukt ist besonders dann reizvoll, wenn ein Zug die geschwungene Brücke passiert. Rechnen Sie in der Hauptsaison mit vielen Besuchern und kommen Sie früh.

Tag 3: Über Skye oder entlang der Westküste

Kilt Rock Wasserfall, Skye
Der Kilt Rock Wasserfall, Bild: Lukassek / shutterstock

Ab Fort William haben Sie zwei gute Optionen. Die Isle of Skye ist spektakulär und für viele Reisende ein Höhepunkt. Die Fahrt dorthin führt über die Brücke bei Kyle of Lochalsh oder, je nach Route, mit einer Fähre. Auf Skye warten markante Felsformationen, Wasserfälle und zerklüftete Küsten.

Die Alternative ist die ruhigere Westküste Richtung Arisaig und Mallaig. Weiße Sandstrände mit Blick auf vorgelagerte Inseln zeigen eine unerwartet helle, fast tropisch wirkende Seite Schottlands. Bei Sonne ist diese Strecke ein Traum, bei Nebel hat sie ihren eigenen rauen Zauber. Wer nur sieben Tage Zeit hat, sollte sich für Skye oder die nördliche Küstenroute entscheiden, statt beides zu erzwingen.

Tag 4 und 5: Isle of Skye mit Zeit für Wetterwechsel

Skye verdient mindestens zwei Nächte. Beliebte Ziele sind die Landschaft am Quiraing, der Old Man of Storr, die Fairy Pools und der Leuchtturm bei Neist Point. Doch nicht jede Wanderung passt zu jedem Tag: Wind, Regen und schlechte Sicht können die Bedingungen rasch verändern. Halten Sie Ihre Tagesplanung bewusst flexibel.

Gerade auf Skye lohnt es sich, früh am Morgen oder später am Nachmittag unterwegs zu sein. Dann sind Parkplätze leichter zu finden und die Aussichtspunkte ruhiger. Abseits der bekannten Fotostopps führen kleine Straßen zu einsamen Buchten, Schafweiden und Dörfern, in denen das Tempo merklich langsamer ist.

Tag 6 und 7: Loch Ness, Cairngorms und zurück nach Edinburgh

Von Skye geht es über Eilean Donan Castle in Richtung Inverness und Loch Ness. Das Schloss liegt fotogen auf einer kleinen Insel und ist ein guter Zwischenstopp, auch wenn es selten ganz leer ist. Loch Ness selbst ist riesig und landschaftlich schön, doch für viele Reisende sind die weniger bekannten Seen der Highlands sogar reizvoller.

Im Cairngorms National Park ändert sich die Landschaft erneut. Weite Hochflächen, Kiefernwälder und klare Flüsse prägen die Region. Orte wie Aviemore oder Pitlochry eignen sich für die letzte Übernachtung. Auf dem Rückweg nach Edinburgh können Sie durch Perthshire fahren, wo Schlösser, kleine Destillerien und sanfte Täler einen angenehmen Kontrast zu den wilden West Highlands bilden.

Mit drei zusätzlichen Tagen lässt sich die Route hervorragend erweitern: etwa über die abgelegene Halbinsel Applecross, nach Ullapool oder entlang einzelner Abschnitte der North Coast 500. Die komplette North Coast 500 ist jedoch für eine kurze Reise zu ambitioniert. Wer sie entspannt erleben möchte, sollte mindestens zehn bis vierzehn Tage einplanen.

Mietwagen und Fahren: Das sollten Sie wissen

Linksverkehr klingt zunächst ungewohnt, ist aber nach den ersten Kilometern meist gut machbar. Wählen Sie einen Wagen, mit dem Sie sich sicher fühlen. Ein kleineres Modell ist auf den engen Straßen oft angenehmer als ein großer SUV. Automatik kann besonders am Anfang entlasten, kostet aber häufig mehr und sollte früh reserviert werden.

Viele Straßen in den Highlands sind sogenannte Single-Track Roads. Sie haben nur eine Fahrspur und regelmäßige Ausweichbuchten. Fahren Sie vorausschauend, nutzen Sie die Buchten zum Begegnen und lassen Sie schnellere Fahrzeuge freundlich passieren. Nicht in die Ausweichbucht rückwärts hineinzufahren, wenn sie auf Ihrer Seite liegt, gehört zur üblichen Fahrpraxis.

Tanken Sie rechtzeitig. Zwischen größeren Orten können Tankstellen selten sein, und auch Mobilfunkempfang ist nicht überall verlässlich. Laden Sie Karten für die Offline-Nutzung herunter und verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf die angezeigte Ankunftszeit Ihres Navis. In den Highlands ist der Weg oft schöner, aber langsamer als gedacht.

Reisezeit, Wetter und passende Kleidung

Mai, Juni und September gelten als besonders gute Monate für die Highlands. Die Tage sind lang, viele Straßen und Wanderwege gut erreichbar, und es ist meist weniger voll als im Hochsommer. Im Juli und August blüht die Landschaft intensiv, allerdings steigen Preise und Besucherzahlen. Zudem können die kleinen Stechmücken, die Midges, an windstillen Abenden sehr lästig werden.

Der Herbst bringt leuchtende Farben und eine ruhigere Stimmung, doch das Wetter kann deutlich unbeständiger sein. Im Winter sind die Highlands beeindruckend, aber manche Straßen und Wanderwege erfordern Erfahrung, passende Ausrüstung und einen flexiblen Plan.

Packen Sie Kleidung im Zwiebelprinzip: eine wasserdichte Jacke, feste Schuhe, wärmende Schichten und einen kleinen Tagesrucksack. Auch im Sommer gehören Mütze und Regenhülle ins Gepäck. Das Wetter wechselt schnell – manchmal mehrmals zwischen Frühstück und Nachmittagsspaziergang.

Übernachten: B&B, Cottage oder Hotel?

Bed-and-Breakfast-Unterkünfte sind für einen Highlands-Roadtrip besonders passend. Sie liegen oft in kleinen Orten, bieten ein kräftiges Frühstück und ermöglichen nette Gespräche mit Gastgebern, die ihre Region kennen. Hotels sind eine gute Wahl, wenn Ihnen Restaurant, Bar und verlässlicher Komfort wichtig sind. Selbstversorger-Cottages lohnen sich vor allem bei längeren Aufenthalten oder für Familien.

In der Hauptsaison sollten Sie Unterkünfte auf Skye, in Glencoe und rund um Fort William früh buchen. Wer spontaner reisen möchte, findet eher im Frühjahr, Herbst oder in weniger bekannten Orten freie Zimmer. Planen Sie dabei nicht nur nach Sehenswürdigkeiten, sondern auch nach Fahrzeiten: Eine günstige Unterkunft weit außerhalb kann jeden Urlaubstag unnötig verkürzen.

Rücksicht macht den Roadtrip besser

Die Highlands sind kein Freizeitpark, sondern ein sensibler Lebensraum mit kleinen Gemeinden, Weidetieren und teils begrenzter Infrastruktur. Bleiben Sie auf markierten Wegen, nehmen Sie Müll wieder mit und blockieren Sie keine Einfahrten oder Passing Places. Wildcampen ist in Schottland unter klaren Regeln möglich, aber kein Freifahrtschein für Feuerstellen, Übernachtungen auf Privatflächen oder das Hinterlassen von Spuren.

Besonders schön wird die Reise, wenn Sie nicht nur Aussichtspunkte sammeln. Halten Sie in einem Dorfcafé, kaufen Sie bei lokalen Produzenten ein oder lassen Sie sich im Pub erzählen, welche Wanderung bei der aktuellen Wetterlage wirklich lohnt. Dann wird aus einer Fahrt durch schöne Landschaft ein Schottland-Erlebnis, das lange nach der Rückreise nachklingt.

Lassen Sie auf Ihrer Route bewusst Platz für den ungeplanten Stopp: für einen Regenbogen über dem Loch, einen Strand ohne Menschen oder ein Tal, das auf keiner Wunschliste stand. Genau dort beginnt oft das eigentliche Highlands-Gefühl.

Vorheriger ArtikelDie besten Wellnesshotels in den Alpen
PatrickJullien
Seit September 2018 betreibe ich das Online-Reisemagazin reisemagazin-online.com. Hierbei berichte ich über Destinationen weltweit und schreibe ausführliche Artikel über die Reiseziele welche ich persönlich besucht habe. Gerne füge ich diesen Beiträgen noch eigene Fotos hinzu. Seit dem Jahr 2019 bin ich Mitglied im bdfj, dem Bundesverband der Fachjournalisten (www.bdfj.de)