Reiseführer Island Ringstraße für 10 Tage

Reiseführer Island Ringstraße für 10 Tage

Die Ringstraße führt einmal rund um Island – vorbei an schwarzen Stränden, dampfenden Erdspalten, Gletscherlagunen und Wasserfällen, die sich scheinbar hinter jeder Kurve verbergen. Dieser Reiseführer für Islands Ringstraße hilft dir, die Route realistisch zu planen: mit genügend Zeit für große Naturmomente und ohne den Druck, jeden Halt im Eiltempo abhaken zu müssen.

Wie viele Tage für Islands Ringstraße sinnvoll sind

Die Ringstraße, auf Isländisch Route 1, ist knapp 1.330 Kilometer lang. Rein rechnerisch lässt sie sich in wenigen Tagen umrunden. Als Reiseerlebnis wäre das jedoch schade: Viele der eindrucksvollsten Orte liegen nicht direkt an der Straße, und Wetter, Fotostopps oder eine spontane Wanderung verlängern jeden Fahrtag.

Für einen ersten Roadtrip sind zehn Tage ein sehr guter Rahmen. Damit bleibt Zeit für die wichtigsten Regionen, ohne dass du täglich stundenlang im Auto sitzt. Acht Tage funktionieren, wenn du auf einzelne Abstecher verzichtest und lange Etappen akzeptierst. Mit zwei Wochen wird die Reise deutlich entspannter – besonders für Familien, Wanderfreunde oder Reisende, die die Westfjorde, die Halbinsel Snæfellsnes oder das Hochland ergänzen möchten.

Die klassische Runde verläuft im Sommer meist im Uhrzeigersinn. So folgen nach dem lebhaften Südwesten zunächst die Südküste und ihre bekannten Highlights. Wer dem Besucherandrang am Golden Circle zuerst ausweichen möchte, kann aber ebenso gut gegen den Uhrzeigersinn starten. Entscheidend ist weniger die Fahrtrichtung als eine Route mit Luft für Umwege und Schlechtwetter.

Reiseführer Island Ringstraße: Die Route in 10 Etappen

Tag 1: Reykjavík und Golden Circle

Island, Reykjavík
Die Hauptstadt Reykjavík, Bild: Boyloso / shutterstock

Nach der Ankunft lohnt es sich, Reykjavík nicht nur als Zwischenstopp zu sehen. Die kompakte Hauptstadt bietet gute Restaurants, Designläden und einen entspannten Einstieg. Anschließend wartet der Golden Circle mit dem Þingvellir-Nationalpark, dem Geothermalgebiet Geysir und dem Wasserfall Gullfoss. Gerade in der Hauptsaison lohnt sich ein früher Start oder eine Übernachtung außerhalb der Stadt.

Tag 2: Wasserfälle und Südküste

Zwischen Selfoss und Vík liegen einige der berühmtesten Fotomotive Islands. Seljalandsfoss ist besonders, weil ein Weg hinter dem Wasserfall entlangführt – Regenkleidung ist hier keine Option, sondern Pflicht. Der breite Skógafoss, das Flugzeugwrack bei Sólheimasandur und die schwarzen Basaltsäulen am Strand Reynisfjara machen diesen Abschnitt abwechslungsreich.

Reynisfjara ist wunderschön, aber kein Badeort. Unerwartet hohe Wellen können selbst bei ruhiger wirkender See gefährlich werden. Halte stets Abstand zur Wasserkante und beachte Warnhinweise vor Ort.

Tag 3: Skaftafell und Jökulsárlón

Der Nationalpark Skaftafell verbindet grüne Wanderwege mit Gletscherblicken. Eine kurze Tour zum Wasserfall Svartifoss passt auch in einen Reisetag, während geführte Gletscherwanderungen mehr Zeit brauchen. Weiter östlich liegt die Gletscherlagune Jökulsárlón, in der Eisberge langsam Richtung Meer treiben. Am gegenüberliegenden Diamond Beach werden Eisstücke auf schwarzen Sand gespült – ein starker Kontrast, der je nach Licht und Wetter ständig anders aussieht.

Tag 4: Die stille Weite der Ostfjorde

Die Fahrt durch die Ostfjorde gehört zu den landschaftlich schönsten, aber auch langsamsten Teilen der Ringstraße. Kurvenreiche Küstenabschnitte, kleine Fischerdörfer und steile Berghänge prägen die Strecke. Seyðisfjörður mit seinen bunten Holzhäusern ist einen Abstecher wert, verlangt aber zusätzliche Fahrzeit über einen Pass.

Plane hier weniger Programmpunkte als an der Südküste. Gerade diese Region wirkt, weil sie ruhiger ist: ein Kaffee in Djúpivogur, Seevögel am Fjord und das Gefühl, sehr weit weg vom Alltag zu sein.

Tag 5: Myvatn, Vulkankrater und heiße Quellen

Rund um den Mývatn-See zeigt Island seine geothermische Seite. Das Gebiet Hverir riecht deutlich nach Schwefel, dampft aus allen Ritzen und wirkt wie eine Landschaft von einem anderen Planeten. Dazu kommen die Pseudokrater von Skútustaðagígar, Lavafelder bei Dimmuborgir und der Krater Krafla.

Wer nach den vielen Fahrstunden entspannen möchte, findet in der Region geothermische Bäder mit Blick auf die Vulkanlandschaft. Sie sind meist ruhiger als die bekanntesten Anlagen im Südwesten, müssen in der Sommersaison aber ebenfalls rechtzeitig eingeplant werden.

Tag 6: Wale, Wasserfälle und Nordisland

Húsavík gilt als einer der besten Orte Islands für Walbeobachtungen. Sichtungen lassen sich nie garantieren, doch die Chancen auf Buckelwale oder Schweinswale stehen in den wärmeren Monaten gut. Bei empfindlichem Magen helfen Tabletten gegen Seekrankheit – die See kann rau sein, auch wenn der Tag sonnig beginnt.

Danach führt die Route zum mächtigen Goðafoss und weiter nach Akureyri. Islands zweitgrößte Stadt ist klein genug für einen entspannten Bummel, bietet aber alles, was Roadtripper brauchen: Supermärkte, Cafés, Tankstellen und Übernachtungsmöglichkeiten.

Tag 7: Skagafjörður und die Pferde des Nordens

Westlich von Akureyri wird die Landschaft weiter und landwirtschaftlicher. In Skagafjörður prägen Islandpferde die Wiesen, dahinter steigen Berge und flache Küstenlinien auf. Diese Etappe ist ideal, um langsamer zu reisen, einen Reitausflug einzuplanen oder in einem abgelegenen Gästehaus zu übernachten.

Tag 8: Halbinsel Snæfellsnes

Snæfellsnes wird oft als Island im Kleinformat bezeichnet. Auf engem Raum findest du Lavafelder, Klippen, Strände, Bergpanoramen und den Gletscher Snæfellsjökull. Der Berg Kirkjufell bei Grundarfjörður ist ein beliebtes Fotomotiv, doch auch die weniger bekannten Küstenstraßen und kleinen Häfen lohnen sich.

Je nach Zeitplan kannst du Snæfellsnes an einem langen Tag erkunden oder eine weitere Nacht bleiben. Bei zehn Tagen ist eine Übernachtung auf der Halbinsel empfehlenswert, damit die Rückfahrt nach Reykjavík nicht zur reinen Transferetappe wird.

Tag 9 und 10: Rückweg und ein flexibler Puffertag

Nutze den letzten Abschnitt für Reykjavík, die Reykjanes-Halbinsel oder einen Ort, den du wegen Regen ausgelassen hast. Dieser Puffer ist Gold wert. Isländisches Wetter richtet sich nicht nach einem Reiseplan, und eine gesperrte Straße oder starker Wind können Tagesabläufe verändern.

Mietwagen, Straßen und Wetter: Was wirklich zählt

Für die Ringstraße reicht im Sommer grundsätzlich ein normaler Mietwagen. Viele Sehenswürdigkeiten sind über asphaltierte Straßen oder gut befestigte Zufahrten erreichbar. Ein höheres Fahrzeug bringt allerdings bei Schotterpisten, Schlaglöchern und wechselhaftem Wetter mehr Komfort. Für sogenannte F-Straßen im Hochland ist ein echter Allradwagen vorgeschrieben. Flussdurchquerungen solltest du nur mit Erfahrung und passendem Fahrzeug angehen.

Achte bei der Buchung nicht nur auf den Tagespreis. Sinnvoll sind ausreichend Versicherungsschutz und eine Regelung für Steinschlag, denn auf Schotter können hochgeschleuderte Steine schnell die Scheibe beschädigen. Kontrolliere bei jeder Übergabe Reifen, Scheiben und vorhandene Schäden mit Fotos.

Das Wetter kann innerhalb weniger Stunden von Sonne zu Starkwind, Regen oder Nebel wechseln. Prüfe vor jeder längeren Etappe Straßenlage und Vorhersage, besonders außerhalb des Sommers. Im Winter ist eine komplette Umrundung der Ringstraße nur für routinierte Fahrer mit flexibler Zeitplanung empfehlenswert. Tageslicht ist knapp, Eis und Schnee können Straßen sperren, und manche Abstecher sind nicht erreichbar.

Praktische Tipps für einen entspannten Roadtrip

Tanken solltest du, sobald sich die Gelegenheit bietet, vor allem in dünn besiedelten Regionen. Die meisten Tankstellen akzeptieren Karten, doch eine Kreditkarte mit PIN ist hilfreich. Lebensmittel sind in größeren Orten günstiger als an kleinen Raststätten. Wer selbst kocht, spart spürbar – und ist bei abgelegenen Unterkünften unabhängiger.

Buche Übernachtungen für Juli und August möglichst früh. Entlang der Südküste, bei Jökulsárlón und rund um Mývatn ist die Auswahl in der Hochsaison schnell begrenzt. Außerhalb dieser Monate findest du eher spontan etwas, musst aber mit eingeschränkten Öffnungszeiten rechnen.

Packe Kleidung nach dem Zwiebelprinzip: wind- und wasserdichte Außenschicht, warme Zwischenlage, feste Schuhe sowie Mütze und Handschuhe gehören auch im Sommer ins Gepäck. Ein sonniger Morgen kann am Gletscher oder an der Küste sehr kühl enden.

Nicht alles in einen Roadtrip pressen

Die Ringstraße ist eine fantastische Einstiegsroute, aber sie zeigt nicht ganz Island. Die abgelegenen Westfjorde brauchen eigene Tage, das zentrale Hochland verlangt Vorbereitung, und auch die Halbinsel Reykjanes verdient mehr als einen Blick aus dem Autofenster. Es ist völlig in Ordnung, etwas auszulassen.

Die besten Erinnerungen entstehen oft nicht an der nächsten nummerierten Sehenswürdigkeit, sondern dann, wenn du bei Wind am schwarzen Strand stehen bleibst, einem Regenbogen über einem Wasserfall nachsiehst und dir bewusst Zeit für diese ungewöhnliche Insel nimmst.

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PatrickJullien
Seit September 2018 betreibe ich das Online-Reisemagazin reisemagazin-online.com. Hierbei berichte ich über Destinationen weltweit und schreibe ausführliche Artikel über die Reiseziele welche ich persönlich besucht habe. Gerne füge ich diesen Beiträgen noch eigene Fotos hinzu. Seit dem Jahr 2019 bin ich Mitglied im bdfj, dem Bundesverband der Fachjournalisten (www.bdfj.de)