Lettland – ein erstaunlich vielseitiges Reiseziel

Lettland, Burg Turaida

Lettland liegt zusammen mit seinen Nachbarstaaten Estland und Litauen in der 175.000 km² großen nordosteuropäischen Region Baltikum an der Ostseeküste. Aktuell annähernd zwei Millionen Einwohner in neun sog. „Republik-Städten“ und insgesamt 110 Bezirken zählt der mit etwas über 64.500 km² Fläche zweitgrößte der drei baltischen Staaten.

Riga – Hauptstadt von Lettland

In der Hauptstadt Riga im Zentrum des Landes leben zurzeit fast 700.000 Menschen auf gut 300 km² Fläche. Landschaftlich zeigt sich Lettland als bewaldetes Hügelland mit zahlreichen Gewässern sowie einer langen und flachen Küstenebene. Der höchste Berg Gaiziņkalns bei der Stadt Madona (Livland) misst lediglich 311 Meter. Klimatisch präsentiert sich das Land eher kühl-gemäßigt mit kalten Wintern bei Werten unter 0 °C und nur mäßig warmen Sommern mit Temperaturen um die 17 °C. An der Küste kann es im Juli und August jedoch auch bis zu 30 °C warm werden. Die bis in das 12. Jahrhundert zurückreichende lettische Geschichte ist bewegt und ereignisreich sowie von vielen Eroberungen und Besetzungen geprägt. Im August 1991 wurde die im Jahr 1918 erstmals erklärte Unabhängigkeit wieder erlangt. Kulturell wird Lettland in die vier historischen Landschaften Livland im Norden, Kurland im Westen, Lettgallen im Osten und Semgallen im Süden unterschieden.

Livland: Schlösser und Parks, Baden und Skifahren, Kultur und Natur

Schloss Rundāle
Schloss Rundāle, Bild: seka33 / shutterstock

Die ca. 23.000 km² große Region liegt im Norden Lettlands an der Grenze zu Estland und umfasst die Bezirke Alūksne, Cēsis, Gulbene, Limbaži, Madona, Ogre, Rīga, Valmiera und Valka. Die größte und bekannteste Stadt ist natürlich die lettische Hauptstadt Riga, deren sorgfältig sanierte Innenstadt seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Sehenswert sind insbesondere der Nachbau des mittelalterlichen Schwarzhäupterhauses von 1999, die Residenz des Staatspräsidenten im Rigaer Schloss aus dem 14. Jahrhundert und das monumentale Freiheitsdenkmal von 1935. Flanieren und spazieren lässt es sich schön in den beiden Parkanlagen Wöhrmannscher Garten und Basteiberg, auf dem Fluss Daugava verkehren auch viele Ausflugsschiffe. Weitere sehenswerte Städte in Livland sind Alūksne mit einem weitläufigen Schlosspark aus dem 18. Jahrhundert, Cēsis mit der Ruine der Burg der deutschen Ordensritter aus dem frühen 13. Jahrhundert und Mazsalaca mit dem Naturschutzgebiet Salaca. Bekannte und beliebte Badeorte sind Saulkrasti und Jūrmala, rund um Sigulda liegt ein großes Wintersportgebiet.

Kurland: Das Meer und die Küste prägen den westlichsten Teil Lettlands

Riga, Lettland
Riga, Bild: Skreidzeleu / shutterstock

Das gut 13.600 km² große Gebiet erstreckt sich über den westlichen Landesteil an der Ostseeküste und über die untere Hälfte des Rigaischen Meerbusens. Im Süden grenzt Kurland an Litauen, der nördlichste Punkt ist das bei Ausflüglern und Vogelbeobachtern aufgrund der zahlreichen dort im Frühjahr zu sehenden Zugvögel beliebte Kap Kolka im Nationalpark Slītere. Die beiden größten Städte sind das für seinen Dünenstrand bekannte Liepāja mit aktuell gut 76.000 Einwohnern sowie Ventspils samt aufwendig restaurierter Altstadt und zurzeit über 38.000 Einwohnern.

In Liepāja können das Stadtmuseum, das Besatzungsmuseum sowie das Schifffahrts- und Fischereimuseum besichtigt werden. Sehenswert ist auch das ehemalige sowjetische Gefängnis im Kriegshafen. Souvenirs können im Handwerkerhaus sowie in der Markthalle „Petersmarkt“ erworben werden. In der Stadt Ventspils sind die Burg aus dem 13. Jahrhundert, das Freiluftmuseum mit alten Gehöften, einer Windmühle und dampfbetriebener Schmalspurbahn sowie der Strandpark mit beheiztem Freibad bekannte Attraktionen. Beliebte Ausflugsziele in Kurland sind der Badeort Pāvilosta und das landschaftlich schön gelegene Talsi.

Lettgallen: Sehr viele Seen sowie katholische Gläubige und Russischstämmige

Nationalpark Gauja
Nationalpark Gauja, Bild: Aleks Kend / shutterstock

Die nur recht dünn besiedelte Region an den Grenzen zu Russland und Weißrussland im Südosten Lettlands besitzt traditionell einen sehr multikulturellem Charakter. In dem gut 14.500 km² großen Gebiet leben aktuell gut 270.000 Einwohner, von denen noch 150.000 die lettgallische Sprache pflegen. Anders als im Rest des Landes ist die Bevölkerung hier mehrheitlich katholisch, auch der Anteil der russischen Minderheit ist mit stellenweise bis zu 80 Prozent sehr hoch.

Ebenfalls stark vertreten sind Polen und Weißrussen. Typisch für Lettgallen sind die vielen Seelandschaften, so etwa rund um den über 26 Hektar großen Rāzna-See im gleichnamigen, fast 600 km² großen Nationalpark bei Aglona, Ludza und Rēzekne. Die größte Stadt der Region ist Daugavpils mit aktuell rund 92.000 Einwohnern, sehenswert ist dort vor allem die von 1810 bis 1833 errichtete Zitadelle. Zu den regionalen Attraktionen gehören auch die historischen Kirchen aus dem 18. und 19. Jahrhundert in Kārsava, das Schloss von Krāslava, die Burgruine von Ludza und die Latgale-Straße mit vielen alten Bauwerken in Rēzekne. Einen Besuch lohnen auch das Waldmuseum und die Nachtigallen-Insel mit Open-Air-Bühne in Viļānis.

Semgallen in Lettland: Kunst im Schloss, Angeln am See und Schwefel in Quellen

Lettland Ostsee
Lande Sandstrände an Lettlands Ostsee, Bild: LIOX / shutterstock

Die ca. 14.000 km² große Region liegt links der Daugava und grenzt im Süden an Litauen. Semgallen ist auch als „Oberland“ oder „Oberlettland“ (Augšzeme) bekannt, die größte Stadt in der Region ist Jelgava mit aktuell fast 61.000 Einwohnern. Sehenswert dort ist in erster Linie das größte Barockschloss im gesamten Baltikum aus dem 18. Jahrhundert. Aus derselben Zeit stammt auch das prachtvolle Gebäude des Gymnasiums „Academia Petrina“.

Die orthodoxe Kathedrale und Kirche „St. Anna & Simeon“ wurde zwischen 1993 und 2003 neu errichtet. Ein schon seit dem 18. Jahrhundert wegen seiner Schwefelquellen viel besuchter Kurort ist Baldone. In Doblen kann die Ruine einer Burg des Deutschen Ordens besichtigt werden. Beliebte Ausflugsziele für Angler und Wanderer im Bezirk Engure rund um Smārde sind der Engure- und der Kaņieris-See im gut 38.000 Hektar großen Nationalpark Ķemeri. Das Schloss in Jaunpils wurde im 14. Jahrhundert erbaut, Schloss Rundāle von 1768 gilt als „Versailles des Baltikums“ und ist Standort einer großen Kunstausstellung.

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