Lecce – Barock, Altstadt und Sehenswürdigkeiten im Salento

Luftaufnahme einer Stadt mit historischen, beigen Steinhäusern, einem markanten Kirchturm und einer dichten Stadtlandschaft, die sich unter strahlend blauem Himmel bis zum Meer erstreckt – eine der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten von Lecce.
Blick auf Lecce vom Campanile der Kathedrale auf der Piazza del Duomo in Lecce, Apulien, Italien, Bild: Pierre Violet / shutterstock

Lecce trägt gern den Beinamen „Florenz des Südens“. Der Vergleich ist etwas hoch gegriffen – und eigentlich gar nicht nötig. Die Stadt im Süden Apuliens besitzt mit dem Lecceser Barock einen ganz eigenen Baustil. Honigfarbener Kalkstein, üppig verzierte Fassaden und überraschend ruhige Innenhöfe prägen eine Altstadt, die man am besten ohne festen Plan erkundet.

Lecce liegt mitten im Salento, also im südlichsten Teil des italienischen Stiefelabsatzes. Anders als viele bekannte Ziele in Italien liegt die Stadt nicht direkt am Meer. Gerade das macht sie als Standort interessant: Tagsüber lassen sich Strände an der Adria oder am Ionischen Meer besuchen, am Abend kehrt man in eine lebendige Universitätsstadt zurück.

Piazza Sant’Oronzo – das Zentrum von Lecce

Ein guter Ausgangspunkt ist die Piazza Sant’Oronzo. Der große Platz wirkt zunächst etwas uneinheitlich, erzählt aber gerade dadurch viel über die Geschichte der Stadt. Moderne Gebäude stehen neben historischen Fassaden, und mitten im Zentrum öffnet sich der Blick auf die Überreste eines römischen Amphitheaters.

Die Arena entstand in der römischen Kaiserzeit und lag jahrhundertelang unter späterer Bebauung verborgen. Heute ist nur ein Teil freigelegt. Trotzdem vermittelt die Anlage einen Eindruck davon, welche Bedeutung Lecce bereits in der Antike hatte.

Basilica di Santa Croce – Barock ohne Zurückhaltung

Wenige Minuten entfernt steht die Basilica di Santa Croce. Wer wissen möchte, was mit „Barocco Leccese“ gemeint ist, sollte sich Zeit für die Fassade nehmen. Figuren, Tiere, Pflanzenornamente, Säulen und Rosetten wurden aus dem weichen lokalen Kalkstein gearbeitet.

Das Material lässt sich besonders fein bearbeiten und prägt viele Kirchen und Palazzi der Stadt. Im warmen Licht des späten Nachmittags wirkt der helle Stein beinahe golden.

Die Piazza Duomo

Die Piazza Duomo gehört zu den ungewöhnlichsten Plätzen Lecces. Man betritt sie durch einen schmalen Zugang, bevor sich der fast vollständig geschlossene Platz öffnet. Hier stehen die Kathedrale, der hohe Campanile, der Bischofspalast und das ehemalige Priesterseminar.

Am Abend, wenn die Fassaden beleuchtet sind, ist die Atmosphäre besonders schön. Wer Lecce nur als Tagesausflug besucht, sollte deshalb überlegen, zumindest bis nach Sonnenuntergang zu bleiben.

Durch die Altstadt schlendern

Zwischen den großen Sehenswürdigkeiten liegt der eigentliche Reiz Lecces in den Nebenstraßen. Balkone ragen über schmale Gassen, hinter schweren Portalen verbergen sich Innenhöfe und immer wieder tauchen kleine Kirchen auf.

Die Entfernungen sind überschaubar. Ein Auto braucht man im historischen Zentrum nicht – im Gegenteil. Wer mit dem Wagen anreist, sollte ihn außerhalb der verkehrsbeschränkten Zonen abstellen.

Castello Carlo V

Am Rand der Altstadt befindet sich das Castello Carlo V. Die Festung wurde im 16. Jahrhundert unter Kaiser Karl V. ausgebaut und sollte die Stadt besser gegen Angriffe schützen.

Teile der Anlage werden für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Schon von außen bildet die massive Architektur einen deutlichen Kontrast zu den verspielten Barockfassaden im Zentrum.

Porta Napoli und die alten Stadttore

Ein großer Steinbogen mit kunstvollen Schnitzereien steht auf einem offenen Platz und rahmt den Blick auf klassische europäische Gebäude und den dahinter liegenden bewölkten Himmel ein – eine der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten von Lecce für Besucher, die diese historische Stadt erkunden.
Porta Napoli in Lecce, Bild: Jason Busa / shutterstock

Die Porta Napoli ist eines der historischen Tore zur Altstadt. Sie wurde ebenfalls im 16. Jahrhundert errichtet und erinnert in ihrer Form an einen Triumphbogen. Zusammen mit Porta Rudiae und Porta San Biagio markiert sie die früheren Zugänge zur Stadt.

Wer Lecce zu Fuß erkundet, kann die Tore gut in einen Rundgang einbauen und dabei auch ruhigere Viertel am Rand des Zentrums kennenlernen.

Was sollte man in Lecce essen?

Der Salento besitzt eine eigenständige Küche. Zum Frühstück oder zwischendurch gehört der pasticciotto zu Lecce: ein kleines Mürbeteiggebäck mit Cremefüllung. Im Sommer trinken viele Einheimische caffè leccese, Espresso auf Eis mit Mandelmilch beziehungsweise Mandelsirup.

Herzhafter sind rustico leccese, gefülltes Blätterteiggebäck, und Gerichte mit Orecchiette, Gemüse oder Hülsenfrüchten. Wer nur auf den großen Plätzen isst, zahlt häufig für die Lage mit. Ein paar Straßen weiter wird es meist ruhiger.

Ausflüge ans Meer

Von Lecce erreicht man sowohl die Adriaküste als auch die ionische Seite des Salento. An der Adria liegen unter anderem San Cataldo, Torre dell’Orso und Otranto. Richtung Westen locken Porto Cesareo und weitere Badeorte am Ionischen Meer.

Damit eignet sich Lecce gut für Reisende, die Strand und Stadt miteinander verbinden möchten. Mit einem Mietwagen ist man am flexibelsten; im Sommer bestehen zusätzlich Busverbindungen zu verschiedenen Küstenorten.

Otranto als Tagesausflug

Otranto gehört zu den interessantesten Zielen im südlichen Apulien. Die kleine Hafenstadt besitzt eine befestigte Altstadt, ein Kastell und eine Kathedrale mit einem außergewöhnlichen mittelalterlichen Bodenmosaik.

Wer mehrere Tage in Lecce bleibt, kann Otranto mit einem Strandstopp an der Adriaküste kombinieren.

Beste Reisezeit für Lecce

Im Juli und August kann es im Salento sehr heiß werden. Für reine Stadtbesichtigungen sind April bis Juni sowie September und Oktober meist angenehmer. Im Frühsommer und Frühherbst lässt sich der Aufenthalt zudem gut mit Badetagen verbinden.

Wer im Hochsommer kommt, sollte sich dem süditalienischen Rhythmus anpassen: Sehenswürdigkeiten am Vormittag, eine längere Pause während der größten Hitze und am Abend zurück in die Altstadt.

Wie lange sollte man in Lecce bleiben?

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten lassen sich an einem Tag besuchen. Zwei bis drei Nächte sind jedoch deutlich entspannter und lassen Zeit für Restaurants, einen Abendspaziergang und einen Ausflug ins Salento.

Als Ausgangspunkt für eine längere Apulienreise kann Lecce sogar für mehrere Tage dienen. Gerade die Kombination aus historischer Stadt und zwei erreichbaren Küsten macht den Standort vielseitig.