Panorama Route – Aussichten, Wasserfälle und der grünste Canyon der Welt

Eine felsige Schlucht mit tiefen, engen Schluchten, durch die ein Fluss fließt. Entlang der Klippen verlaufen mit Geländern gesicherte Stege, und im Hintergrund sind unter klarem Himmel Berge zu sehen.
Eines der Highlights auf der Panorama-Route: Blyde River Canyon, Bild: Viagens e Caminhos / shutterstock

Wer an Südafrika denkt, denkt meist an zwei Dinge: an die Weinberge und die Küste rund um Kapstadt, oder an die Big Five im Kruger-Nationalpark. Zwischen diesen beiden Polen liegt eine Region, die in vielen Reiseplanungen zum Durchfahrtsgebiet degradiert wird – und das völlig zu Unrecht. Die Provinz Mpumalanga im Nordosten des Landes beherbergt eine der spektakulärsten Panoramastraßen der Welt. Sie trägt ihren Namen zu Recht: die Panorama Route.

Wo die Panorama Route verläuft

Die geologische Grundlage für all das ist eine Abbruchkante. In Mpumalanga endet das Hochland, das Highveld, an der Schichtstufe der Transvaal-Drakensberge – und fällt dort rund tausend Meter steil ins tiefer gelegene Lowveld ab, jene subtropische Ebene, die sich bis zum Kruger-Nationalpark und weiter bis nach Mosambik erstreckt. Über Jahrmillionen hat sich Wasser in diese Kante gefressen und dabei Schluchten, Wasserfälle und Felsformationen geschaffen, die in dieser Dichte nirgends sonst in Südafrika zu finden sind.

Die Route selbst folgt im Kern der Regionalstraße R532, in Abschnitten auch der R37. Ihre Grenzen werden je nach Quelle unterschiedlich gezogen: Der landschaftlich eindrucksvollste Teil zieht sich über etwa 40 Kilometer von Graskop nach Norden bis zum Aussichtspunkt der Three Rondavels. Wer Sabie, den Long Tom Pass und Pilgrim’s Rest mitnimmt, kommt auf eine Rundstrecke von gut 150 bis 200 Kilometern.

Die Anfahrt aus Johannesburg beträgt rund 400 Kilometer über die gut ausgebauten Nationalstraßen N12 und N4 – eine Strecke, die viele Reisende direkt nach der Landung in Angriff nehmen. Von Graskop bis zum Paul Kruger Gate des Nationalparks sind es anschließend nur noch etwa 80 Kilometer. Genau diese Nähe macht die Region zum idealen ersten oder letzten Stopp einer Südafrika-Rundreise.

Die Highlights entlang der Strecke

Der Blyde River Canyon ist der unbestrittene Höhepunkt. Die Schlucht ist rund 26 Kilometer lang und an ihren tiefsten Stellen etwa 800 Meter tief. Damit gilt sie als der drittgrößte Canyon der Welt – und als der grünste seiner Art, denn im Gegensatz zu den staubigen Schluchten Nordamerikas sind ihre Hänge dicht mit subtropischer Vegetation bewachsen. Ihren Namen verdankt sie zwei Flüssen: dem Blyde (Freude) und dem Treur (Trauer), die im Canyon zusammenfließen.

Malerischer Blick auf ein üppig grünes Tal zwischen felsigen Klippen, mit Bergen in der Ferne und einem teilweise bewölkten Himmel bei Sonnenuntergang. Einige Menschen sitzen am rechten Felsrand.
God`s Window, Bild: Viagens e Caminhos / shutterstock

Die Three Rondavels markieren das nördliche Ende des Canyons und sind sein bekanntestes Motiv. Die drei mächtigen, abgerundeten Felskuppen erinnern an die traditionellen afrikanischen Rundhütten, die dem Aussichtspunkt den Namen gaben. Vom Parkplatz führen zwei kurze Wege zu unterschiedlichen Perspektiven – einer direkt über die Schlucht, einer näher an die Felsen heran. Beide lohnen sich.

God’s Window ist der am häufigsten fotografierte Stopp der Route. Von der Kante blickst du rund 900 Meter hinab über das Lowveld, an klaren Tagen theoretisch bis an die Grenze zu Mosambik. Ein kurzer Anstieg durch einheimischen Wald führt zum eigentlichen Aussichtspunkt und lohnt sich auch für sich genommen: Der kleine Regenwald oben ist mindestens so beeindruckend wie der Ausblick.

Die Bourke’s Luck Potholes entstanden dort, wo Blyde und Treur zusammentreffen. Über Jahrtausende hat das wirbelnde Wasser zylindrische Löcher in den Fels gebohrt – ein Naturphänomen, das über Brücken und Stege gut zugänglich gemacht wurde und besonders bei Kindern gut ankommt.

Die Wasserfälle sind über die ganze Route verteilt. Die Lisbon Falls stürzen etwa 94 Meter in die Tiefe und sind damit der höchste Fall der Strecke, die Berlin Falls kommen auf rund 80 Meter. Dazu gesellen sich die Mac-Mac Falls, die Horseshoe Falls und die Lone Creek Falls rund um Sabie. Wer nicht alle sehen will: Lisbon und Berlin liegen praktisch auf dem Weg und sind schnell mitgenommen.

Pilgrim’s Rest schließlich ist keine Naturattraktion, sondern ein konserviertes Stück Geschichte. Der Ort entstand in den 1870er Jahren während des Goldrauschs in Transvaal und steht heute komplett unter Denkmalschutz. Die restaurierten Blechdachhäuser, kleinen Museen und die alte Poststation machen aus dem Städtchen ein Freilichtmuseum, für das du gut einen halben Tag einplanen kannst.

Die beste Reisezeit

Die Panorama Route ist grundsätzlich das ganze Jahr über befahrbar – die Straßen sind durchgehend asphaltiert und in gutem Zustand. Entscheidend ist eher, worauf du Wert legst.

In den trockenen Wintermonaten von Mai bis September ist die Luft klarer und die Wahrscheinlichkeit freier Aussichten deutlich höher. Das ist die Zeit für God’s Window und die Three Rondavels. Im südafrikanischen Sommer von Oktober bis März fällt dagegen der meiste Regen: Die Landschaft leuchtet grün, die Wasserfälle führen erheblich mehr Wasser – aber die Abbruchkante wirkt als Wolkenbarriere, und dann steht der Nebel oft genau dort, wo die Aussicht sein sollte.

Praktischer Hinweis: Auch im Winter hängt morgens häufig Nebel in der Schlucht, der sich mit steigenden Temperaturen im Tagesverlauf auflöst. Wenn der Blick auf die Three Rondavels früh verhangen ist, lohnt es sich, später am Tag noch einmal vorbeizufahren, statt die Fotos abzuschreiben.

Routenplanung: einen Tag oder zwei?

An einem Tag ist die Panorama Route machbar, wenn du früh aus Nelspruit oder Hoedspruit startest und dich auf die Hauptattraktionen konzentrierst. Angenehmer sind zwei Tage – vor allem, weil an den populären Aussichtspunkten im Laufe des Vormittags Reisebusse eintreffen.

Ein Tipp, der sich in der Praxis bewährt hat: Fahre zuerst zum entferntesten Punkt und arbeite dich zurück. Wer morgens direkt zu den Three Rondavels durchfährt und die Wasserfälle auf dem Rückweg mitnimmt, hat den besten Aussichtspunkt oft noch für sich allein.

Als Standorte bieten sich Graskop, Sabie, Hoedspruit oder Nelspruit an, jeweils mit einem breiten Angebot von einfachen Gästehäusern bis zu gehobenen Lodges. Hoedpsruit und Nelspruit haben den Vorteil, dass von dort auch der Kruger-Nationalpark schnell erreichbar ist – praktisch, wenn das Wetter für die Panorama Route einmal nicht mitspielt. Eine ausführliche Übersicht der Stopps, Entfernungen und Standorte findest du in diesem Ratgeber zur Panorama Route in Südafrika.

Was du einplanen solltest

An den populärsten Aussichtspunkten wird ein kleiner Eintritt fällig, meist nur wenige Rand. Halte etwas Bargeld bereit, denn Kartenzahlung funktioniert nicht überall zuverlässig.

Für die Strecke selbst brauchst du kein Allradfahrzeug – ein normaler Pkw genügt. Ein SUV mit etwas mehr Bodenfreiheit bietet sich zwar an, ist aber auf der Route in der Regel nicht nötig, fährt sich allerdings bei den in Südafrika verbreiteten Schlaglöchern allerdings angenehmer, und er zahlt sich doppelt aus, wenn anschließend ohnehin eine Safari auf dem Programm steht.

Und schließlich: Plane großzügiger, als die Kilometerangaben vermuten lassen. Zwischen den Aussichtspunkten liegen selten mehr als zwanzig Minuten Fahrtzeit, aber genau das ist die Falle. Wer an jedem Stopp nur zehn Minuten länger bleibt als geplant – und das wird passieren –, steht am Ende im Dunkeln am letzten Wasserfall. Bei einer Landschaft wie dieser ist das der Fehler, den man am meisten bedauert.

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PatrickJullien
Seit September 2018 betreibe ich das Online-Reisemagazin reisemagazin-online.com. Hierbei berichte ich über Destinationen weltweit und schreibe ausführliche Artikel über die Reiseziele welche ich persönlich besucht habe. Gerne füge ich diesen Beiträgen noch eigene Fotos hinzu. Seit dem Jahr 2019 bin ich Mitglied im bdfj, dem Bundesverband der Fachjournalisten (www.bdfj.de)