Mittwoch, November 25, 2020
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Sarajevo, die Perle Bosniens

Ein Besuch der bosnischen Stadt Sarajevo ist eine bewegende Zeitreise in die vergangenen Jahrhunderte. Bauwerke verschiedener Religionen prägen das eindrucksvolle Stadtbild der 300.000 Einwohner starken Perle Bosniens.

Die Geschichte von Sarajevo

Sarajevo Altstadt
Bild: Leonid Andronov / shutterstock

Bereits im 13. Jahrhundert ist dort, wo heute Sarajevo liegt, eine slawische Siedlung bezeugt. Doch schon zwei Jahrhunderte später begann das, was man bis heute Fluch und Segen der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina nennen kann: ihre Lage am Übergang zwischen Orient und Okzident. Ein zum Islam konvertierter Bosnier baute die Stadt als Vorposten des Osmanischen Reiches aus, Ende des 15. Jahrhundert errichte hier ein türkischer Statthalter sein Saray, seinen Palast – bis heute trägt Sarajevo dies im Namen.

In den darauf folgenden Jahrhunderten stritten sich West und Ost um den Balkan, zahlreiche Kriege zwischen den westlichen Großmächten mit dem Habsburgerreich an der Spitze und dem Osmanischen Reich bezeugen dies. Aber auch ein sehr bereichernder kultureller Austausch prägte das Gesicht der bosnischen Metropole am Roten Fluss, der Miljacka. Orientalische Baumeister schufen faszinierende Moscheen und Brunnen, die osmanische Toleranz ermöglichte aber auch das Leben von christlichen und jüdischen Gemeinden in der Stadt.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Osmanische Reich, der „Alte Mann am Bosporus“, schwächer, die Donaumonarchie besetzte Bosnien-Herzegowina und machte Sarajevo zur Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Der Erste Weltkrieg nahm mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo seinen Ausgang. Für uns heute ist der Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 noch in lebhafter Erinnerung. Serbische Nationalisten beschossen von den umliegenden Bergen aus die belagerte Hauptstadt des neu proklamierten Staates Bosnien-Herzegowina. Die Wunden im Stadtbild sind nach einem Vierteljahrhundert verheilt und heute präsentiert sich Sarajevo wieder als Perle Bosniens.

Schmelztiegel der Kulturen: Die Sehenswürdigkeiten Sarajevos

Auch wenn die Einwohnerschaft der Innenstadt Sarajevos heute vor allem aus bosnischen Muslimen und nur wenigen Serben und Kroaten besteht, wird das Stadtbild von zahlreichen Moscheen, katholischen sowie orthodoxen Kirchen und Synagogen geprägt. Deshalb wird Sarajevo als Schmelztiegel der Kulturen häufig auch Klein-Jerusalem genannt.

Die Altstadt

Stadtzentrum Sarajevo
Das historische Stadtzentrum von Sarajevo, Bild: May_Lana / shutterstock

Sarajevo hat eine hervorragend erhaltene Altstadt mit dem berühmten Baščaršija-Platz in ihrem Zentrum. In seiner Mitte steht der Ende des 19. Jahrhundert erbaute, orientalisch anmutende Sebilj-Brunnen, der ständig von Tauben umlagert wird und eine faszinierende Kulisse darstellt für das Markttreiben auf dem Platz. Ein Streifzug durch die Gassen der Altstadt lohnt! Hier lässt sich anhand wohlerhaltender Bauten das Leben der osmanischen Händler und Würdenträger ebenso nachempfinden wie jenes serbischer Kaufmannsfamilien. Beim Überqueren der berühmten Lateinerbrücke, die ungeachtet ihres Namens eine osmanische Steinbogenbrücke darstellt, befindet man sich gleichsam an der Schnittstelle zwischen Orient und Okzident. Noch mehr gilt dies für die Ziegenbrücke östlich der Altstadt, die in einem beschaulichen Winkel über die Miljacka führt. Sie gehörte zu einer alten Handelsstraße, die Zentraleuropa mit dem alten Konstantinopel verband.

Die islamischen Bauwerke

Eine der ältesten Moscheen Bosnien-Herzegowinas ist die Gazi-Husrev-Beg-Moschee aus dem 16. Jahrhundert. Das Raumerlebnis in ihrem Innern wird von einer monumentalen Kuppel und dem steinernen Minbar geprägt, von dem aus die Predigt gesprochen wird. Im Hof der Moschee befindet sich ein besonderes Kleinod: der liebliche Brunnen Šadrvan. Der Moschee gegenüber liegt die alte Medresa, die islamische Hochschule mit einem von Arkaden gesäumten Innenhof, der zum Verweilen einlädt.

Ebenfalls einen Besuch wert ist die kleine Ali-Pascha-Moschee aus dem Jahre 1561, die von fein gravierten Ornamenten und grazilen Kuppeln geprägt ist. Den Reigen der faszinierenden orientalischen Zeugnisse beschließt noch längst nicht die berühmte Kaisermoschee, die ebenfalls im 16. Jahrhundert erbaut wurde und außerhalb der Stadt liegt. Hier hat heute der Großmufti von Bosnien-Herzegowina seinen Sitz.

Die christlichen und jüdischen Bauwerke

Trebević-Seilbahn Sarajevo
Trebević-Seilbahn, Bild: Babok Natallia / shutterstock

Schon unter osmanischer Herrschaft wurde die alte orthodoxe Kirche der Stadt erbaut, sie ist Zeugnis einer kulturellen und religiösen Vielfalt in der Stadt. Die Kirche stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist heute ein Museum. Als serbisch-orthodoxes Gotteshaus genutzt wird die Mariä-Geburt-Kathedrale, die noch unter den Osmanen als Zugeständnis an die Westmächte errichtet wurde. Der prächtige neobarocke Bau steht unweit der katholischen, von der kroatischen Einwohnerschaft genutzten Herz-Jesu-Kathedrale vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Als Zeugnis der einstigen religiösen Vielfalt liegt der Jüdische Friedhof an einem Hang außerhalb der Stadt. Die ältesten erhaltenen Gräber stammen aus dem 16. Jahrhundert. Nach den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs durch die Deutschen gibt es nur noch wenige Juden in Sarajevo, diese bemühen sich jedoch um das Überwinden der Gräben zwischen den verschiedenen Volksgruppen und Religionen.

Die Museen

Eine reichhaltige Sammlung zur facettenreichen Geschichte des Landes beherbergt das monumentale, im neoklassizistischen Stil erbaute Nationalmuseum des Landes. In einem gesondert gesicherten Raum kann man ein einzigartiges Zeugnis jüdischen Glaubens bewundern, die illuminierte Handschrift der Sarajevo-Haggada, die im 14. Jahrhundert in Spanien geschrieben und von Auswanderern nach Sarajevo gebracht wurde.

Bedeutende prähistorische, naturkundliche und ethnografische Objekte gehören zur vielfältigen Sammlung des Museums. Im Historischen Museum des Landes ist es möglich, sich umfassend über den Bosnienkrieg zu informieren, von dem die wiedererrichtete Nationalbibliothek beredtes Zeugnis ablegt. Sie ist im prachtvollen, ehemaligen Rathaus von Sarajevo untergebracht, welches nach gezieltem Beschuss im Jahre 1992 in Flammen aufging – mitsamt seinen zahlreichen bibliophilen Schätzen. Doch wie Phönix aus der Asche ist die Nationalbibliothek wieder auferstanden – genau wie die Perle Bosniens als Ganzes.

Die Landschaft

Sarajevo liegt eingebettet im Tal der Miljacka, umgeben von Bergen und Höhenorten wie Pale. Heute ist es, bei allen Spannungen zwischen den Volksgruppen, friedlich in der Stadt und ihrem Umland, eine Entdeckung der Perle Bosniens lohnt mehr denn je.

1 KOMMENTAR

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