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Sarlat-la-Canéda
Sarlat-la-Canéda, Bild: Antonin Albert / shutterstock

Die Reise ins Périgord – wo eine faszinierende Natur und die eindrucksvolle Geschichte aufeinandertreffen

Frankreich ist als Urlaubsziel seit vielen Jahrzehnten recht beliebt. Doch wer nicht nach Paris, ins Bordeaux oder nach Korsika fahren möchte und somit die touristischen Highlights scheut, der findet im Périgord ein tolles Ziel. Denn das gesamte Gebiet ist nicht nur historisch interessant, sondern es weist auch weite Landschaften auf, die bewandert werden dürfen. Aber was genau können die Besucher eigentlich von jener Region erwarten, die im Gegensatz zu anderen Teilen Frankreichs noch nicht allzu bekannt ist?

Der Sprung in eine andere Zeit

Für Reisende ist es kaum möglich, das gesamte Périgord zu erkunden – und somit jenen Landstrich im Südwesten Frankreichs kennenzulernen, der sich fast kreisförmig in einem Durchmesser von rund 100 Kilometern in der Dordogne erstreckt. Ein leicht hügeliges, grün bewachsenes, von alten Städten und sehenswerten Burgen durchzogenes Gebiet, das auf viele Besucher einen ganz besonderen Reiz ausübt: Schnell werden Erinnerungen an das Mittelalter wach. Sicherlich ist die Zeit hier nicht zum Stillstand gekommen. So gibt es durchaus moderne Industriegebiete in der Nähe. Dennoch präsentiert sich die Region nahezu unberührt. Ein kleines Paradies für alle, die ein wenig Abgeschiedenheit in der Natur zu schätzen wissen.

Bereits in der Steinzeit bewohnt

Sonnenuntergang von der Brücke des Barris über den Fluss Isle und die römische byzantinische Kathedrale Saint Front in Perigueux
Sonnenuntergang von der Brücke des Barris über den Fluss Isle und die römische byzantinische Kathedrale Saint Front in Perigueux, Bild: Ovnigraphic / shutterstock

Die ersten Bewohner des Périgord datieren auf eine Zeit zurück, die 32.000 Jahre hinter uns liegt. Damals boten die hier gelegenen Höhlen – die auch heute noch besucht werden können – genug Schutz vor schlechtem Wetter und wilden Tieren. Vor rund 1.400 Jahren begann jedoch erst der Bau der Burgen und Festungen, woraus sich die erste echte Besiedlung des Gebietes ergab. Vor allem aus der Neuzeit, die mit dem Ausbau der zuvor gegründeten Städte einherging, können noch immer zahlreiche bürgerliche Wohnhäuser betrachtet werden, die vom Reichtum des Périgord künden – das Vermögen der Gesellschaft wurde überwiegend durch den Anbau und den Verkauf von Wein erwirtschaftet.

Zwischen engen Gassen schlendern

Städte wie Sarlat-la-Canéda, Beaumont oder Périgueux wirken noch immer, als seien sie aus der Zeit gefallen. Umso schöner, dass Urlauber hier ihre Unterkunft in Häusern beziehen können, die aus dem 17. und dem 18. Jahrhundert stammen. Die etwas klobig aus Holz und Stein errichteten Mauern hinterlassen beim Betrachter einen imposanten Eindruck. Die enge Bebauung der Städte sorgt jedoch gerade im Sommer für kühlenden Schatten. Übrigens sollten sich die Gäste nicht blenden lassen: Viele der Städte sehen aus, als seien sie nie umkämpft gewesen. Allerdings fand im Zweiten Weltkrieg der französische Widerstand – die Résistance – hier ihr größtes Ballungsgebiet an Menschen und Waffen. Den Orten ist ihre reiche Geschichte anzumerken.

Ein Besuch in den Burgen

Blick auf das Schloss von Beynac-et-Cazenac mit altem Friedhof
Blick auf das Schloss von Beynac-et-Cazenac mit altem Friedhof, Bild: milosk50 / shutterstock

Das in Beynac gelegene Schloss, die Festung Hautefort oder die Bastide von Monpazir – alle zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert erbaut – sind nur drei markante Sehenswürdigkeiten, die das Eintauchen in die Historie ermöglichen. Immerhin hatte die Region sowohl für Frankreich als auch für England eine wichtige Bedeutung. Wer also immer schon einmal auf den Spuren von Richard Löwenherz wandeln wollte, findet hier die Gelegenheit. Zumal sich in den Schlössern und Burgen unterschiedliche Relikte finden lassen, die vor mehr als 500 Jahren von Bürgern und Machthabern im Alltag verwendet wurden. Von der spärlich eingerichteten Kammer bis zu prunkvoll dekorierten Sälen kann hier das Mittelalter hautnah erlebt werden.

Spuren erster Siedler

Für die Urlauber bietet es sich indes an, noch einen weiteren Schritt zurück zu wagen – und ein früheres Kapitel des Périgord aufzuschlagen. Denn nahe der Höhle Lascaux IV können archäologische Funde entdeckt werden. Zwar ist die eigentliche Höhle aufgrund des hohen Besucherandrangs mittlerweile dauerhaft geschlossen worden. Dennoch dürfen Gäste direkt daneben eine originalgetreue Nachbildung betreten und dort jene Schätze betrachten, die von den Bewohnern vor mehr als 30.000 Jahren zurückblieben. Eine Reise zu den Wurzeln der Menschheitsgeschichte, die nicht nur viel über das Périgord zu erzählen weiß, sondern die auch die rasante Entwicklung seiner Gesellschaft erahnen lässt.

Wanderungen in der Natur genießen

Daneben bietet sich die Stille der Landschaft für entspannte Spaziergänge an. Da von Frühling bis Herbst mildes bis warmes Wetter herrscht, es aber nur selten einmal heiß wird, ist dabei nicht mit kraftraubenden Anstrengungen zu rechnen. Ein weiterer Vorteil: Das Gebiet präsentiert sich leicht hügelig, aber nicht bergig. Auch Laien, die zuvor noch keine langen Wanderungen unternommen haben, müssen einen solchen Ausflug daher nicht fürchten. Ausgedehnte Wälder, saftige Weinreben, grüne Wiesen – dazu die schon aus weiter Entfernung sichtbaren Schlösser und Burgen, die den Blick erfreuen. Und wer festes Schuhwerk mitbringt, kann sogar der Grotte von Padirac einen Besuch abstatten – und sich auf einen mehr als 100 Meter langen Abstieg in die Tiefe begeben.

Von der kulinarischen Tradition profitieren

Enden darf jeder Urlaubstag gerne in Ortschaften wie Beaumont oder Sarlat-la-Canéda. Meist werden die Reisenden dort ohnehin ihr Hotel vorfinden. In den engen Gassen können sie zudem manches Lokal aufsuchen, das traditionelle Gerichte bietet. Häufig werden neben kräftigen Rotweinen vornehmlich regionale Speisen gereicht: Fleisch und Wild, kräftiger Käse, Brot – sowie natürlich die weltweit bekannten Trüffel. Sie mögen die Rechnung schnell anwachsen lassen, sind es aber wert, wenigstens einmal verkostet zu werden. Und wer bei der nicht ganz so leichten Küche um seine schlanke Körperfigur bangt, der kann sich am nächsten Tag bei ausgedehnten Wanderungen ja wieder in Form bringen.