Pilgern als neuer Trend: Warum so viele Menschen den Jakobsweg gehen

Pilger auf dem Jakobsweg
Pilger auf dem Jakobsweg in Portugal, Bild: VicVa / shutterstock

Wenn du in den sozialen Netzwerken unterwegs bist, siehst du eine Menge Reiseberichte. Dabei fällt auf, dass immer mehr Menschen den Jakobsweg gehen, unabhängig von ihrer Religion oder ihres Glaubens. Was hat dieser Weg, was andere Wanderrouten nicht haben? Es gibt viele gute Gründe, warum diese intensive Erfahrung auf die Bucketlist von erlebnishungrigen Menschen gehört. Was für den Jakobsweg spricht, welche Geschichte er mitbringt und welche Wege du erleben solltest, sagen wir dir.

Warum Millionen Menschen jedes Jahr den Jakobsweg pilgern

Der Jakobsweg ist kein gewöhnlicher Wanderweg, sondern ein geschichtsträchtiges Netzwerk, das Europa seit über tausend Jahren durchzieht. Früher trieb die Angst um das Seelenheil die Menschen nach Santiago de Compostela, heute ist es oft die Sehnsucht nach Entschleunigung. Im hektischen Alltag bietet das Pilgern eine radikale Vereinfachung des Alltags. Du reduzierst dein Leben auf das, was in deinen Rucksack passt, und konzentrierst dich nur auf den nächsten Schritt.

Dieser Trend zum „Slow Travel“ hat dazu geführt, dass jährlich Hunderttausende die gelbe Muschel als Wegweiser wählen. Viele suchen nach einem Umbruch im Leben oder nach einer beruflichen Auszeit eine neue Perspektive. Die Infrastruktur ist dabei ein entscheidender Faktor, denn kaum eine andere Trekkingroute bietet dir diese Sicherheit und die Gewissheit, jeden Abend ein Dach über dem Kopf und Gleichgesinnte für einen Austausch zu finden.

Die Besonderheiten des portugiesischen Jakobsweges ab Tui

Wenn du den portugiesischen Weg wählst und in Tui startest, erlebst du einen ganz besonderen kulturellen Übergang. Tui selbst thront majestätisch über dem Fluss Minho und bildet die Grenze zwischen Portugal und Spanien. Das Besondere an diesem Einstieg ist das sanfte, grüne Galizien, das dich mit seinen Weinfeldern und Flusslandschaften empfängt. Hier wanderst du durch das berühmte Weinbaugebiet der Rías Baixas, wo der spritzige Albariño-Weißwein zu Hause ist.

Die Route ab Tui ist weniger durch karge Hochebenen geprägt, sondern bietet dir viel Schatten in alten Eichenwäldern und führt dich durch charmante Städte wie Pontevedra mit ihrer autofreien Altstadt.

Wenn du eine Alternative zum oft überlaufenen Hauptpfad suchst, kannst du dich auf dem Jakobsweg ab Tui ausleben. Hier wirst du streckenweise ganz für dich alleine sein und kannst dich auf dich und deine eigenen Momente besinnen.

Das zeichnet den Jakobsweg ab Sarria in Frankreich aus

Der Startpunkt Sarria ist legendär, denn er markiert den Anfang der letzten Etappe bis zum Ziel. Noch rund 100 Kilometer trennen dich jetzt von Santiago de Compostela und trotzdem erhältst du deine Auszeichnung, wenn du den Weg gehst.

Dieser Abschnitt führt dich durch das ländliche Galizien mit seinen typischen „Hórreos“, den traditionellen Maisspeichern aus Stein.

Die Landschafft erinnert ein bisschen an das Auenland, wenn du gehst an vielen saftigen Wiesen entlang und wandelst auf schmalen Pfaden.

Sarria ist der Ort mit der höchsten Dichte an Pilgern, was eine ganz eigene Energie erzeugt. Du bist hier nie allein und die Vorfreude auf das Ziel steigert sich von Kilometer zu Kilometer. Die Etappe bietet dir die perfekte Balance zwischen Naturerlebnis und der berühmten spanischen Gastfreundschaft in den zahlreichen „Mesones“ am Wegesrand, wo du bei einer Tarta de Santiago neue Kraft tanken kannst.