Padua – Sehenswürdigkeiten und Tipps für die unterschätzte Stadt in Venetien

Padua liegt in der Region Venetien
Padua liegt in der Region Venetien, Bild: Sean Pavone / shutterstock

Padua steht bei einer Reise durch Norditalien häufig im Schatten des nur rund 40 Kilometer entfernten Venedig. Dabei besitzt die Stadt in Venetien genügend Sehenswürdigkeiten für einen eigenen Aufenthalt: Giottos berühmte Fresken, eine der ältesten Universitäten Europas, weitläufige Plätze, Arkadengänge und die bedeutende Basilika des Heiligen Antonius.

Wer mit dem Zug nach Padua – italienisch Padova – kommt, merkt schnell, dass die Stadt anders funktioniert als viele klassische Touristenziele Italiens. Das historische Zentrum ist belebt, ohne ausschließlich vom Tourismus bestimmt zu werden. Rund um die Universität sind viele junge Menschen unterwegs, auf den Plätzen finden Märkte statt und am späten Nachmittag füllen sich Cafés und Bars.

Gerade diese Mischung macht Padua interessant. Die großen Sehenswürdigkeiten liegen relativ nah beieinander und lassen sich gut zu Fuß erreichen. Trotzdem sollte man der Stadt mindestens einen vollständigen Tag gönnen. Wer Museen besuchen, die Scrovegni-Kapelle besichtigen und sich zwischendurch einfach durch die Altstadt treiben lassen möchte, bleibt besser zwei Tage.

Padua und seine lange Geschichte

Padua gehört zu den ältesten Städten Norditaliens. Bereits in römischer Zeit war das damalige Patavium ein bedeutendes Zentrum. Später entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Ort für Handel, Religion, Wissenschaft und Kunst.

Besonders prägend war die Gründung der Universität im Jahr 1222. Gelehrte und Studenten aus verschiedenen Teilen Europas kamen nach Padua und machten die Stadt zu einem bedeutenden Wissenschaftszentrum.

Diese lange Geschichte begegnet Besuchern heute auf erstaunlich engem Raum. Mittelalterliche Plätze liegen neben Renaissancebauten, jahrhundertealte Arkadengänge führen durch Einkaufsstraßen und zwischen den historischen Gebäuden spielt sich ganz selbstverständlich der Alltag einer modernen Universitätsstadt ab.

Scrovegni-Kapelle – Giottos Meisterwerk

Die Cappella degli Scrovegni gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Paduas und ist allein schon ein guter Grund für einen Besuch der Stadt. Von außen wirkt die kleine Backsteinkapelle eher unscheinbar. Im Inneren befindet sich dagegen einer der bedeutendsten Freskenzyklen der europäischen Kunstgeschichte.

Giotto di Bondone gestaltete die Kapelle zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Seine Darstellungen aus dem Leben Marias und Christi waren für ihre Zeit außergewöhnlich. Menschen zeigen Trauer, Freude, Angst und Zuneigung auf eine Weise, die deutlich lebendiger wirkt als in vielen früheren mittelalterlichen Darstellungen.

Wer die Kapelle besuchen möchte, sollte sich frühzeitig um Eintrittskarten kümmern. Die Zahl der Besucher ist begrenzt und der Aufenthalt wird aus konservatorischen Gründen organisiert. Gerade in der Hauptreisezeit ist spontanes Erscheinen deshalb keine gute Idee.

Basilika Sant’Antonio – das Wahrzeichen Paduas

Ein völlig anderes Bild bietet die Basilica di Sant’Antonio. Mit ihren Kuppeln und Türmen gehört sie zu den auffälligsten Bauwerken der Stadt und ist gleichzeitig eine der wichtigsten Pilgerstätten Italiens.

In der Basilika befindet sich das Grab des Heiligen Antonius von Padua. Jahr für Jahr kommen Gläubige aus vielen Ländern hierher. Auch wer mit Religion wenig anfangen kann, sollte die Kirche nicht auslassen. Architektur, Kunstwerke und die besondere Atmosphäre machen den Besuch interessant.

Vor der Basilika steht zudem das Reiterstandbild des venezianischen Feldherrn Gattamelata von Donatello, eines der bedeutendsten Reiterdenkmäler der frühen Renaissance.

Prato della Valle – einer der größten Plätze Europas

Nur wenige Gehminuten von der Basilika entfernt öffnet sich mit dem Prato della Valle ein überraschend großer Stadtraum. Der elliptische Platz zählt zu den größten Plätzen Europas.

Sein auffälligstes Merkmal ist der Kanal, der eine zentrale Grünfläche umgibt. Entlang des Wassers stehen zahlreiche Statuen bedeutender Persönlichkeiten. An normalen Tagen nutzen Einheimische die Anlage zum Spazierengehen, Joggen oder für eine Pause im Grünen. Regelmäßig finden hier außerdem Märkte und Veranstaltungen statt.

Besonders am späten Nachmittag und frühen Abend ist der Prato della Valle einen Besuch wert. Dann wird aus einer Sehenswürdigkeit zunehmend ein Treffpunkt der Stadt.

Palazzo della Ragione und die Märkte von Padua

Mitten im historischen Zentrum steht der Palazzo della Ragione. Der mittelalterliche Palast trennt die Piazza delle Erbe von der Piazza della Frutta und war über Jahrhunderte ein Zentrum des öffentlichen Lebens.

Sehenswert ist vor allem der riesige Salone im Obergeschoss. Der historische Saal wird von einem mächtigen hölzernen Dach überspannt und ist mit einem umfangreichen Freskenzyklus geschmückt.

Mindestens genauso interessant ist jedoch das Leben rund um das Gebäude. Auf der Piazza delle Erbe und der Piazza della Frutta werden bis heute Märkte abgehalten. Unterhalb des Palazzo befinden sich zudem kleine Lebensmittelgeschäfte und Händler.

Hier zeigt sich eine der angenehmen Seiten Paduas: Historische Sehenswürdigkeiten stehen nicht isoliert herum, sondern sind vielfach noch immer Bestandteil des täglichen Stadtlebens.

Piazza dei Signori und der Uhrturm

Ein paar Schritte weiter liegt die Piazza dei Signori. Beherrscht wird der Platz von der Torre dell’Orologio mit ihrer astronomischen Uhr.

Rund um den Platz befinden sich Cafés und Restaurants. Besonders am Abend ist die Piazza ein schöner Ort für eine Pause. Wer tagsüber durch Padua läuft, sollte außerdem die zahlreichen Arkadengänge beachten. Sie sind charakteristisch für das Stadtbild und machen Spaziergänge selbst bei Regen oder großer Sommerhitze angenehm.

Sonnenaufgang von Torre dell'Orologio in der italienischen Stadt Padua.
Sonnenaufgang von Torre dell’Orologio in der italienischen Stadt Padua, Bild: trabantos / shutterstock

Eine der ältesten Universitäten Europas

Dass Padua eine Universitätsstadt ist, lässt sich im Zentrum kaum übersehen. Die Universität wurde 1222 gegründet und gehört zu den ältesten Hochschulen Europas.

Zu ihren berühmtesten Gelehrten zählt Galileo Galilei, der von 1592 bis 1610 in Padua lehrte. Ein besonders interessantes Zeugnis der Wissenschaftsgeschichte befindet sich im Palazzo Bo: das historische anatomische Theater aus dem 16. Jahrhundert.

Von den umlaufenden hölzernen Galerien konnten Studenten anatomische Sektionen verfolgen. Das Theater zählt zu den ältesten erhaltenen Einrichtungen seiner Art und vermittelt einen ungewöhnlichen Eindruck davon, wie medizinische Ausbildung vor Jahrhunderten aussah.

Wer sich für Wissenschafts- und Universitätsgeschichte interessiert, sollte für den Palazzo Bo entsprechend Zeit einplanen.

Orto Botanico – der historische Botanische Garten

Zur Universität gehört auch eine weitere Besonderheit Paduas. Der 1545 gegründete Orto Botanico gilt als ältester universitärer botanischer Garten der Welt, der sich noch an seinem ursprünglichen Standort befindet.

Ursprünglich diente er vor allem dem Studium von Heilpflanzen. Heute verbindet die Anlage historische Gartenbereiche mit modernen Gewächshäusern und einer großen botanischen Sammlung.

Seit 1997 gehört der Botanische Garten zum UNESCO-Welterbe. Er liegt in der Nähe der Basilika Sant’Antonio und lässt sich deshalb gut in einen Rundgang durch den südlichen Teil des historischen Zentrums einbauen.

Caffè Pedrocchi – Kaffee mit Geschichte

Zwischen den Besichtigungen bietet sich ein Abstecher ins Caffè Pedrocchi an. Das traditionsreiche Kaffeehaus wurde im 19. Jahrhundert zu einem bekannten Treffpunkt für Studenten, Intellektuelle und Reisende.

Seine Räume unterscheiden sich deutlich voneinander und spiegeln verschiedene historische Stilrichtungen wider. Bekannt ist außerdem der „Caffè Pedrocchi“, eine Kaffeespezialität mit einer kühlen Minzcreme.

Man muss hier nicht unbedingt lange sitzen. Schon ein kurzer Blick in das Gebäude lohnt sich, zumal das Café nur wenige Schritte vom Palazzo Bo entfernt liegt.

Durch Paduas Altstadt spazieren

Padua ist eine Stadt, bei der man nicht ausschließlich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit laufen sollte. Gerade die Wege dazwischen gehören zum Erlebnis.

Rund um Piazza delle Erbe, Piazza della Frutta und Piazza dei Signori führen Arkadengänge durch schmale Straßen. Kleine Geschäfte wechseln sich mit Bars, Bäckereien und Restaurants ab. Durch die große Zahl an Studenten wirkt die Innenstadt trotz ihrer historischen Kulisse nicht museal.

Wer am frühen Morgen unterwegs ist, erlebt die Märkte und eine vergleichsweise ruhige Altstadt. Am späten Nachmittag verändert sich die Stimmung. Dann füllen sich die Plätze und Bars zur Aperitivo-Zeit.

Was sollte man in Padua essen?

Kulinarisch gehört Padua klar zu Venetien. Auf den Speisekarten finden sich Risotto, Polenta und verschiedene Pasta- und Fleischgerichte. Auch Baccalà alla Vicentina, Stockfisch nach Vicentiner Art, ist in der Region verbreitet.

Wer regionale Küche kennenlernen möchte, sollte nicht ausschließlich auf den großen Plätzen nach einem Restaurant suchen. In den Seitenstraßen des historischen Zentrums gibt es zahlreiche Trattorien und Osterien.

Zum Aperitivo gehört in Padua wie in weiten Teilen Venetiens häufig ein Spritz. Dabei muss es nicht immer Aperol sein: In der Region findet man unterschiedliche Varianten des inzwischen weltweit bekannten Getränks.

Ausflug in die Euganeischen Hügel

Wer länger in Padua bleibt, findet südwestlich der Stadt mit den Colli Euganei ein schönes Kontrastprogramm. Die vulkanisch entstandene Hügellandschaft ist von Weinbergen, kleinen Orten und Wanderwegen geprägt.

Bekannt ist die Gegend außerdem für ihre Thermalquellen. Abano Terme und Montegrotto Terme gehören zu den traditionsreichsten Kurorten Italiens und liegen nur wenige Kilometer von Padua entfernt.

Auch Arquà Petrarca ist einen Ausflug wert. Der kleine Ort ist eng mit dem Dichter Francesco Petrarca verbunden, der hier seine letzten Lebensjahre verbrachte.

Padua oder Venedig?

Eigentlich stellt sich diese Frage gar nicht. Beide Städte lassen sich hervorragend miteinander kombinieren. Regionalzüge benötigen zwischen Padua und Venedig nur etwa eine halbe Stunde.

Padua kann deshalb auch als Ausgangspunkt für einen Tagesausflug nach Venedig dienen. Umgekehrt lohnt es sich für Venedig-Urlauber, einmal den Zug in die andere Richtung zu nehmen.

Der Unterschied zwischen beiden Städten ist beträchtlich. Während sich im Zentrum Venedigs fast alles um Besucher aus aller Welt dreht, ist Padua stärker vom normalen Alltag seiner Einwohner und Studenten geprägt.

Wie viel Zeit sollte man für Padua einplanen?

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten lassen sich theoretisch an einem Tag miteinander verbinden. Für einen solchen Tagesausflug sollte man sich auf Scrovegni-Kapelle, Altstadt, Palazzo della Ragione, Universität, Basilika Sant’Antonio und Prato della Valle konzentrieren.

Angenehmer sind zwei Übernachtungen. Dann bleibt genügend Zeit für den Botanischen Garten, Museen und längere Pausen auf den Plätzen.

Wer zusätzlich die Euganeischen Hügel oder die Thermalorte besuchen möchte, kann Padua problemlos als Ausgangspunkt für mehrere Tage nutzen.

Beste Reisezeit für Padua

Frühling und Herbst eignen sich besonders gut für eine Städtereise nach Padua. Im April, Mai, September und Oktober sind längere Rundgänge meist angenehmer als während der heißesten Wochen des Sommers.

Juli und August können in der Poebene ausgesprochen warm werden. Die zahlreichen Arkadengänge sind dann mehr als nur ein architektonisches Merkmal – sie bieten willkommenen Schatten.

Auch im Winter ist Padua ein mögliches Städtereiseziel. Dann muss man zwar mit kühlem und teilweise feuchtem Wetter rechnen, dafür erlebt man die bekannten Sehenswürdigkeiten meist deutlich ruhiger.

Anreise und Fortbewegung

Padua besitzt einen wichtigen Bahnhof an der Bahnstrecke zwischen Verona und Venedig. Dadurch lässt sich die Stadt sehr gut ohne Auto erreichen. Neben Venedig bestehen unter anderem Bahnverbindungen in Richtung Vicenza, Verona, Bologna und Ferrara.

Vom Bahnhof erreicht man das historische Zentrum zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Innerhalb der Altstadt ist ein Auto kaum notwendig. Viele Sehenswürdigkeiten liegen so nah beieinander, dass man Padua am besten zu Fuß kennenlernt.

Die wichtigsten Fragen zu Padua

Was muss man in Padua unbedingt gesehen haben?

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören die Scrovegni-Kapelle mit den Fresken Giottos, die Basilika Sant’Antonio, der Prato della Valle, der Palazzo della Ragione, die historischen Gebäude der Universität und der Botanische Garten.

Lohnt sich Padua für einen Tagesausflug?

Ja. Die Altstadt ist kompakt und viele wichtige Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander. Wer die Scrovegni-Kapelle besuchen möchte, sollte den Eintritt allerdings möglichst vorab reservieren.

Wie weit ist Padua von Venedig entfernt?

Padua liegt rund 40 Kilometer westlich von Venedig. Mit dem Zug sind beide Städte je nach Verbindung in ungefähr einer halben Stunde erreichbar.

Kann man Padua zu Fuß erkunden?

Das historische Zentrum lässt sich sehr gut zu Fuß erkunden. Zwischen Palazzo della Ragione, Universität, Basilika Sant’Antonio und Prato della Valle liegen überschaubare Entfernungen.

Wie viele Tage braucht man für Padua?

Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten genügt ein voller Tag. Zwei Tage sind angenehmer, wenn auch Museen, Botanischer Garten und das alltägliche Stadtleben nicht zu kurz kommen sollen.

Ist Padua günstiger als Venedig?

Bei Unterkünften und Gastronomie kann Padua eine interessante Alternative zum deutlich stärker touristisch geprägten Venedig sein. Die konkreten Preise hängen allerdings stark von Reisezeit, Lage und Veranstaltungsterminen ab.