Am Luganersee scheint die Grenze zwischen Italien und der Schweiz zunächst leicht zu erkennen: Auf der einen Seite liegt das italienische Nordufer, auf der anderen das Schweizer Tessin. Doch dazwischen gibt es einen Ort, der nicht in dieses einfache Bild passt. Campione d’Italia gehört zu Italien, ist aber vollständig vom Schweizer Staatsgebiet umgeben. Die kleine Gemeinde liegt am östlichen Ufer des Luganersees und gehört zur italienischen Provinz Como.
Was es in Campione zu sehen gibt
Die besondere Lage ist der auffälligste Grund für einen Besuch, doch Campione hat auch historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten zu bieten. Entlang des Luganersees liegen Uferpromenade und Hafen; von hier öffnet sich der Blick auf den See und die Berge des Tessins.
Im historischen Ortskern finden sich unter anderem das Oratorio di San Pietro und die Pfarrkirche San Zenone. Letztere geht auf die mittelalterliche Geschichte Campiones zurück und beherbergt ein historisches Museum. Auch die Galleria Civica Don Sandro Vitalini wird für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt.
Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das Santuario della Madonna dei Ghirli am See. Die ursprüngliche Kirche wurde im Mittelalter zu einem Oratorium erweitert und später barock umgestaltet. Kunsthistorisch interessant sind zudem die Spuren der sogenannten Maestri Campionesi. Die aus Campione stammenden Baumeister und Bildhauer waren im Mittelalter auch außerhalb des Ortes tätig und hinterließen Werke in verschiedenen Teilen Norditaliens.
Das berühmte Casino
Zu den bekanntesten Bauwerken Campiones gehört das Casinò di Campione. Seine Geschichte reicht bis in das Jahr 1917 zurück, als während des Ersten Weltkriegs eine erste Spielbank eröffnet wurde. Nach einer zunächst kurzen Betriebszeit wurde das Casino 1933 dauerhaft wiedereröffnet.
Das heutige Gebäude entstand nach einem Entwurf des Tessiner Architekten Mario Botta und wurde 2007 eröffnet. Der markante Bau steht direkt am See und prägt das Ortsbild weit über seine eigentliche Funktion hinaus. 2018 musste das Casino schließen, nachdem die Betreibergesellschaft zahlungsunfähig geworden war. 2022 wurde es wiedereröffnet. Architektur, Geschichte und die Lage am Luganersee machen das Gebäude auch für Besucher interessant, die nicht wegen des Spielbetriebs nach Campione kommen.
Heute trifft die traditionsreiche Spielbank auf eine zunehmend digitale Freizeitwelt. Auch Campione selbst nutzt digitale Angebote, um seine Geschichte und Sehenswürdigkeiten zugänglich zu machen: Ein 2026 gestarteter Rundgang führt per QR-Code zu historischen und kulturellen Stationen des Ortes und verbindet Informationen vor Ort mit digitalen Inhalten.
Die Digitalisierung zeigt sich auch beim Glücksspiel. Für digitale Glücksspielangebote, wie sie zum Beispiel von Casino Groups vorgestellt werden, gelten in Italien die Vorgaben der staatlichen Agenzia delle Dogane e dei Monopoli, die Online-Anbieter über Konzessionen reguliert. In der Schweiz gilt dagegen ein eigenes System: Schweizer Spielbanken benötigen für Online-Casinospiele eine Erweiterung ihrer Konzession sowie eine Bewilligung der Eidgenössischen Spielbankenkommission. Nicht autorisierte Online-Angebote werden in der Schweiz gesperrt. Experten wie Casino Groups informieren online über internationale Lizenzen und geben einen Überblick über verschiedene Vorgaben.
In Campione wird an einem einzigen Ort sichtbar, wie unterschiedlich zwei Nachbarstaaten mit Glücksspielen umgehen können. Campione bleibt dabei italienisches Staatsgebiet, obwohl die Gemeinde vollständig vom Schweizer Kanton Tessin umgeben ist.
Italien mitten im Tessin

Campione d’Italia ist eine italienische Exklave: Politisch gehört Campione zur Provinz Como in der Lombardei, geografisch liegt es innerhalb des Schweizer Kantons Tessin.
Die Gemeinde ist klein und erstreckt sich entlang des Luganersees am Fuß der Sighignola. Die Grenze verläuft zu den Schweizer Nachbargemeinden; sichtbare Grenzanlagen oder klassische Kontrollhäuschen prägen das Ortsbild nicht. Wer aus dem Schweizer Umland nach Campione fährt, kann deshalb leicht übersehen, dass dabei eine Staatsgrenze überschritten wird.
Dass dieser italienische Fleck bis heute innerhalb der Schweiz liegt, geht auf seine Geschichte zurück. Im Jahr 777 vermachte der langobardische Grundbesitzer Totone seinen Besitz dem Erzbischof von Mailand. Campione gelangte anschließend an das Mailänder Kloster Sant’Ambrogio. Die besondere Verbindung zum Mailänder Herrschaftsraum blieb bestehen, während sich das umliegende Gebiet politisch anders entwickelte.
Als das Tessin Teil der Schweiz wurde, blieb Campione außerhalb des Schweizer Staatsgebiets. Die heutige Exklave ist damit das Ergebnis einer historischen Entwicklung, die Jahrhunderte zurückreicht.
Ein Grenzort mit besonderen Regeln
Die ungewöhnliche Lage zeigt sich somit nicht nur auf der Landkarte. Campione war über lange Zeit eng mit dem Schweizer Umland verbunden und hatte aufgrund seiner geografischen Situation besondere Regelungen für Handel und Verkehr. Eine weitere Besonderheit betrifft daher das Zollgebiet.
Bis Ende 2019 gehörte Campione zum Schweizer Zollgebiet, obwohl die Gemeinde italienisches Staatsgebiet war. Seit dem 1. Januar 2020 gehört sie zum Zollgebiet der Europäischen Union. Damit unterscheiden sich politische Zugehörigkeit, geografische Lage und Zollgebiet: Campione ist italienisch, liegt vollständig in der Schweiz und gehört zollrechtlich zum EU-Gebiet.
Für Besucher ist diese komplizierte Konstellation allerdings kaum sichtbar. Gerade das macht den Ort interessant. Die Grenze ist vorhanden, bestimmt aber nicht mit Schranken und Kontrollstellen das Erscheinungsbild des kleinen Seestädtchens.
Vier Sprachen, viele Regionen
Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sind die vier Landessprachen der Schweiz. Sie prägen unterschiedliche Regionen, sind aber nicht strikt an einzelne Kantone gebunden. Mehrere Kantone sind offiziell mehrsprachig, in Graubünden treffen sogar drei Landessprachen aufeinander.
Die sprachliche Vielfalt ist historisch gewachsen. Die deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Gebiete stehen dabei in engem kulturellem Zusammenhang mit den jeweiligen Nachbarregionen in Deutschland, Frankreich und Italien. Auch innerhalb der Schweiz verändern sich die sprachlichen Verhältnisse: An Sprachgrenzen treffen unterschiedliche Traditionen unmittelbar aufeinander, während die Mobilität der Bevölkerung weitere Verbindungen schafft.
Die Mehrsprachigkeit gehört zudem zum politischen Selbstverständnis der Schweiz. Der Bund schützt und fördert die Landessprachen und den Austausch zwischen den Sprachgemeinschaften. Für Reisende wird diese Vielfalt schon auf vergleichsweise kurzen Strecken sichtbar: Ortsnamen, Beschilderungen, Architektur und Alltagssprache verändern sich, ohne dass dafür große Entfernungen zurückgelegt werden müssen.
Im Süden liegt mit dem Tessin die italienischsprachige Schweiz. Lugano und der Luganersee gehören zu den bekanntesten Reisezielen der Region. Palmen, Seepromenaden und eine von der italienischen Schweiz geprägte Alltagskultur unterscheiden das Tessin deutlich von den deutschsprachigen Landesteilen nördlich der Alpen.
Damit ist der Raum rund um den Luganersee weit mehr als eine Gegend, in der zwei Länder nebeneinanderliegen. Die Grenze trennt zwei Staaten, während viele Verbindungen darüber hinweg bestehen. Genau in diesem Übergangsraum liegt Campione.


