Reiseführer Toskana mit dem Auto für Genießer

Reiseführer Toskana mit dem Auto für Genießer

Die Zypressenallee liegt vor Ihnen, hinter der nächsten Kurve wartet ein Dorf aus hellem Naturstein – und plötzlich wird klar, warum ein Reiseführer Toskana mit dem Auto so viel mehr ist als eine Liste von Sehenswürdigkeiten. Mit dem eigenen Wagen oder Mietauto bestimmen Sie das Tempo selbst: morgens ein Espresso in Lucca, mittags ein Bad im Meer und abends Pecorino, Pasta und ein Glas Vino Nobile in Montepulciano. Gerade abseits der großen Städte beginnt die Toskana zu glänzen.

Warum die Toskana ein ideales Ziel für Autofahrer ist

Florenz, Siena und Pisa lassen sich mit Zugverbindungen gut erreichen. Doch die eigentliche Stärke der Region liegt zwischen den Bahnhöfen: kleine Weingüter im Chianti, einsame Landstraßen der Crete Senesi, Thermalorte südlich von Siena und Dörfer auf Hügelkuppen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann einen Marktbesuch in Greve mit einer Wanderung bei Radda oder einem Abendessen in Panzano verbinden, ohne auf seltene Busverbindungen angewiesen zu sein.

Der Preis dafür ist etwas Planung. Die Straßen sind meist gut ausgebaut, aber auf dem Land oft schmal, kurvig und nicht beleuchtet. Für eine Woche sollten Sie sich deshalb nicht vornehmen, jeden Winkel der Region abzuhaken. Zwei oder drei Landschaftsräume reichen, damit aus dem Roadtrip kein täglicher Kofferwechsel wird.

Für viele Reisende passt eine Unterkunft außerhalb der Städte am besten: ein Agriturismo, ein Landhaus oder ein kleines Hotel nahe eines Dorfes. Sie parken entspannter, starten direkt ins Grüne und erreichen die Städte für Tagesausflüge. Wer vor allem Museen, Restaurants und urbanes Flair sucht, kombiniert dagegen einige Nächte in Florenz oder Lucca mit einer zweiten Station auf dem Land.

Anreise, Maut und Verkehrsregeln

Von Deutschland führt die schnellste Route meist über Österreich oder die Schweiz nach Italien. Auf italienischen Autobahnen fällt Maut an, die bei der Ausfahrt bezahlt wird. An den Stationen helfen häufig Kartenzahlung und beschilderte Spuren. Bewahren Sie das Ticket von der Einfahrt gut auf – fehlt es, kann der Höchstbetrag der jeweiligen Strecke berechnet werden.

Innerhalb der Toskana verbinden die Autobahnen A1 und A11 wichtige Knotenpunkte. Für das schöne Fahren sind aber die kleineren Straßen entscheidend. Die SR222 zwischen Florenz und Siena, bekannt als Chiantigiana, ist landschaftlich reizvoll, kostet wegen Kurven und Ortsdurchfahrten jedoch deutlich mehr Zeit als die Schnellstraße. Rechnen Sie bei Fahrten durchs Hügelland lieber großzügig: 35 Kilometer können durchaus eine Stunde dauern.

Es gelten grundsätzlich 50 km/h innerorts, 90 km/h außerorts, 110 km/h auf Schnellstraßen und 130 km/h auf Autobahnen, sofern Schilder nichts anderes vorgeben. Tempoüberwachung ist verbreitet. Alkohol am Steuer passt ohnehin nicht zu einer Region, in der Weinproben zum Reiseerlebnis gehören: Planen Sie Verkostungen daher an Tagen ohne Weiterfahrt, nutzen Sie einen Fahrer oder beschränken Sie sich auf kleine Probiermengen.

ZTL-Zonen: Die wichtigste Falle in historischen Städten

In vielen italienischen Altstädten gibt es verkehrsbeschränkte Bereiche, die sogenannten ZTL. Kameras erfassen jedes einfahrende Fahrzeug. Besonders in Florenz, Siena, Pisa, Lucca, San Gimignano und Volterra sollten Sie niemals einem Navigationssystem blind bis vor die Hoteltür folgen. Ein unbemerkter Verstoß kann später per Post teuer werden – auch bei Mietwagen.

Die einfachste Regel lautet: Außerhalb der Altstadt parken und zu Fuß weitergehen. Haben Sie eine Unterkunft innerhalb einer ZTL gebucht, klären Sie vorab, ob das Hotel Ihr Kennzeichen für die erlaubte An- und Abfahrt melden kann. Diese Ausnahme gilt meist nur für einen klar begrenzten Zeitraum und ersetzt keine freie Fahrt durch die Innenstadt.

Die schönste Route für sieben bis zehn Tage

Eine runde Reise beginnt gut in Florenz. Zwei Nächte geben Ihnen Zeit für den Dom, die Uffizien oder einfach einen Abend am Arno. Das Auto bleibt währenddessen am besten in einem Parkhaus außerhalb des historischen Zentrums. Wer keine Lust auf Stadtverkehr hat, übernimmt den Mietwagen erst bei der Abreise.

Danach führt die Reise ins Chianti. Die Strecke über Greve, Panzano, Radda und Castellina verbindet Weinberge, Zypressen und kleine Orte, in denen das Leben am späten Nachmittag auf den Plätzen stattfindet. Hier lohnt sich eine Unterkunft für zwei Nächte. Statt von Kellerei zu Kellerei zu fahren, wählen Sie lieber ein oder zwei sorgfältig aus und reservieren eine Verkostung, vor allem zwischen Mai und Oktober.

Weiter südlich wartet Siena mit seinem fächerförmigen Piazza del Campo und einem mittelalterlichen Zentrum, das sich wunderbar zu Fuß entdecken lässt. Von dort beginnt einer der fotogensten Abschnitte des Roadtrips: die Crete Senesi. Die sanften, fast kargen Hügel rund um Asciano wirken je nach Licht golden, grün oder silbrig. Nehmen Sie sich Zeit für Nebenstraßen, halten Sie aber nur dort, wo es sicher erlaubt ist und Landwirtschaftswege nicht blockiert werden.

Im Val d’Orcia liegen die Orte, die viele mit der Bilderbuch-Toskana verbinden: Pienza, Montalcino, San Quirico d’Orcia und Montepulciano. Pienza ist ideal für Pecorino-Fans, Montalcino für Brunello-Liebhaber und Montepulciano für lange Abendspaziergänge durch steile Gassen. Ein fester Standort in oder nahe Pienza spart Fahrerei und macht Platz für spontane Stopps an Aussichtspunkten, kleinen Käsereien oder heißen Quellen.

Haben Sie zwei zusätzliche Tage, fahren Sie über die südliche Toskana zur Küste. Die Maremma bietet Pinienwälder, naturbelassene Strände und deutlich weniger Gedränge als manche berühmte Stadt. Alternativ ist Lucca im Norden ein wunderbarer Abschluss: Die vollständig erhaltene Stadtmauer lässt sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad umrunden, während das Auto sicher draußen steht.

Reiseführer Toskana mit dem Auto: Praktische Planung

Die beste Reisezeit hängt davon ab, was Sie suchen. Im April, Mai, September und Oktober sind Temperaturen meist angenehm, die Landschaft zeigt sich besonders schön und die Städte sind weniger heiß. Im Hochsommer kann es im Landesinneren sehr warm werden. Dann sind frühe Besichtigungen, eine lange Mittagspause und ein Unterkunftspool echte Vorteile. Im Herbst locken Weinlese, Trüffel und eine besondere Genussatmosphäre, allerdings sollten Sie Unterkünfte und Restaurants früh reservieren.

Bei der Wagenwahl ist ein kompakter Mietwagen oft die klügere Entscheidung als ein großes SUV. Er passt besser durch enge Gassen, lässt sich leichter parken und reicht für zwei bis vier Personen mit überschaubarem Gepäck meist aus. Ein Automatikauto kann auf kurvigen Strecken angenehm sein, kostet aber häufig mehr und ist nicht immer sofort verfügbar. Prüfen Sie bei der Übernahme Felgen, Reifen und vorhandene Schäden sorgfältig.

Für die Navigation empfiehlt sich eine Offline-Karte auf dem Smartphone. Das Mobilfunknetz ist in den meisten Orten gut, kann in abgelegenen Tälern aber schwächer sein. Stellen Sie die Route vor dem Losfahren ein und schauen Sie bei historischen Zentren zusätzlich auf Parkhinweise. Braune Schilder weisen zu Sehenswürdigkeiten, blaue häufig zu öffentlichen Parkplätzen.

Parken ohne Stress

Die italienischen Farbmarkierungen sind ein schneller Orientierungspunkt. Blaue Linien stehen in der Regel für kostenpflichtige Plätze, weiße für kostenlose und gelbe für reservierte Bereiche, die Sie nicht nutzen sollten. Die genaue Regelung kann je nach Gemeinde abweichen. Lesen Sie deshalb immer das Schild am Parkplatz, besonders bei zeitlich begrenzten Parkscheibenregelungen.

In beliebten Orten füllen sich die Parkflächen an Wochenenden und zur Mittagszeit früh. Kommen Sie möglichst vormittags oder parken Sie bewusst etwas außerhalb. Zehn Minuten Fußweg sind oft angenehmer als die Suche nach einem Platz direkt am Zentrum. Lassen Sie Wertsachen nicht sichtbar im Auto liegen und achten Sie an steilen Straßen auf korrekt angezogene Handbremse sowie eingeschlagene Räder.

Kleine Umwege, die sich wirklich lohnen

Die berühmten Postkartenorte sind berechtigt beliebt, doch die schönsten Erinnerungen entstehen oft neben der Hauptroute. Ein Vormittag in Volterra verbindet etruskische Geschichte mit weitem Blick über die Hügel. In Cortona treffen verwinkelte Gassen auf eine lebendige Gastronomie. Bagno Vignoni überrascht mit einem historischen Thermalbecken mitten im Dorf, in dem Baden allerdings nicht erlaubt ist – die Aussicht allein lohnt den Halt.

Auch die Mahlzeiten dürfen den Reiseplan bestimmen. In der Toskana essen viele Restaurants später als in Deutschland, besonders abends. Reservieren Sie in kleineren Orten am Wochenende, und nutzen Sie die Mittagszeit für ein einfaches Menü in einer Trattoria. Wer regionale Spezialitäten bestellt, reist kulinarisch gleich mit: Ribollita, Pici, Wildschweinragout, Bistecca alla fiorentina und saisonale Pilz- oder Trüffelgerichte erzählen viel über die jeweilige Gegend.

Lassen Sie zwischen zwei festen Zielen immer Raum für den Weg dazwischen. Wenn ein Dorfplatz zum Kaffee einlädt, ein Bauernmarkt gerade beginnt oder sich hinter einer Kurve ein weiter Blick über das Val d’Orcia öffnet, darf der Plan warten. Genau diese Freiheit macht die Toskana mit dem Auto so unvergesslich.

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PatrickJullien
Seit September 2018 betreibe ich das Online-Reisemagazin reisemagazin-online.com. Hierbei berichte ich über Destinationen weltweit und schreibe ausführliche Artikel über die Reiseziele welche ich persönlich besucht habe. Gerne füge ich diesen Beiträgen noch eigene Fotos hinzu. Seit dem Jahr 2019 bin ich Mitglied im bdfj, dem Bundesverband der Fachjournalisten (www.bdfj.de)